Herdwangen-Schönach Theaterfreunde stehen seit 30 Jahren auf der Bühne

Die Theaterfreunde Herdwangen freuten sich über ein volles Haus bei Premiere ihres jüngsten Stücks "Eine Frau muss her" von Bernd Gombold. Die Gruppe feiert dieses Jahr ihr 30. Bühnenjubiläum. Das Stück wird noch zwei Mal am 1. April aufgeführt.

Die Theaterfreunde Herdwangen ziehen hoffentlich noch lange keinen Schlussstrich unter ihr Engagement. Wäre auch schade, denn wie hieß es doch auf dem Programmzettel: "Lachen ist die beste Medizin." Mit Komödien wie "Die unglaubliche Geschichte vom gestohlenen Stinkerkäs", "Ne Macke hat doch jeder" oder "Skandal im Hühnerstall" brachten die Akteure das Publikum in den vergangenen 30 Jahren immer wieder herzlich zum Lachen. Und auch dieses Mal gab es keine bittere Pille, sondern eine große Ladung Lachgas. "Eine Frau muss her" hieß das von Bernd Gombold geschriebene Lustspiel, das die Theaterfreunde ausgewählt hatten. Die Regie lag in den bewährten Händen von Resl Kohler.

Die Theaterfreunde feiern in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag und die Bundschuhhalle war zur Premiere des neuen Stücks rappelvoll. "Die Gründung eurer Gruppe war ein Gewinn für unseren Ort und hat das kulturelle Programm erheblich bereichert", stellte Bürgermeister Ralph Gerster fest. Um die Gründung zeitlich einzuordnen, blickte Michael Mahl ins Jahr 1988 zurück: Steffi Graf machte Tenniskarriere, "Dirty Dancing" war in aller Munde und Celine Dion gewann den Eurovision Song Contest, der damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß. Aus den damals noch jungen Gründungsmitgliedern der Landjugend sind mittlerweile gestandene "Best Ager" geworden.

Verena Baur (links) und Hilde Braun laufen als Rosa und Sophie beim Zanken zu Höchstform auf.
Verena Baur (links) und Hilde Braun laufen als Rosa und Sophie beim Zanken zu Höchstform auf. | Bild: Kirsten Johanson

Kaum hatte sich der Vorhang zur Seite bewegt, brandete Applaus auf, denn das Bühnenbild war mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Der derangierte Männerhaushalt mit Pizzakartons, Zeitungsstapeln, leeren Flaschen und über das Treppengeländer drapierten Klamotten sprach für sich. Diagnose: "Eine Frau muss her." Denn, so die Frage von Bauer Johann (Lutz Bechle), welcher Mann verplempert schon gern den halben Tag mit Putzen, Kochen und Spülen? Das im Stück vermittelte Frauenbild war zwar nicht mehr zeitgemäß und sicher kein Lehrstück in Sachen Emanzipation, aber das war ja auch nicht der Anspruch. Zu Kampfmaschinen mutierende Frauen, die mit Putzeimer und Staubtuch bewaffnet um die Gunst der Männer buhlten, oder ein cholerischer Landwirt auf der ständigen Suche nach seinem faulen Sohnemann gaben viele Steilvorlagen für witzige Dialoge.

Im Mittelpunkt standen die Turbulenzen um das komplizierte Projekt, für den 28 Jahre alten Alfred (Jörg Hahn) eine heiratswillige Frau zu organisieren. Da musste schon mal der Viehhändler kontaktiert werden, der das "Vorstellungsgespräch" mit zwei Frauen im Gegenwert von einem Bullenkalb arrangierte. Alle Darsteller zeigten über drei Akte hinweg eine tolle schauspielerische Leistung. Schon allein wie sich Lutz Bechle und Jörg Hahn als Vater und Sohn gleich zu Anfang als Geschirr zerdeppernde Streithähne gebärdeten, war lustig anzusehen. Maurice Amann überzeugte als arbeitsscheuer Nachbarssohn Franz, der nur Vespern und Schlafen im Sinn hat. Herrlich auch, wie Georg Saum den eingeschüchterten Notar mimte und von Nachbar Eugen (Hubert Schmid) gnadenlos mit Beamtenwitzen traktiert wurde. Hubert Schmid musste aber auch einiges über sich ergehen lassen, inklusive einen Eimer Wasser. Die kalte Dusche verdankte er der Witwe Sophie, sehr resolut von Hilde Braun gespielt. Nicht weniger energisch: Verena Baur als Rosa. Justine Keller setzte sich gekonnt als naiv-einfältige Cäcilie in Szene. Erstmals auf der Bühne stand Anita Steidle in der Rolle der fleißigen Vroni.

Und plötzlich stehen vier Frauen auf dem Hof, um nach einem ledigen Mann Ausschau zu halten: (von links) Justine Keller, Hilde Braun, Lutz Bechle, Jörg Hahn, Verena Baur und Anita Steidle.
Und plötzlich stehen vier Frauen auf dem Hof, um nach einem ledigen Mann Ausschau zu halten: (von links) Justine Keller, Hilde Braun, Lutz Bechle, Jörg Hahn, Verena Baur und Anita Steidle. | Bild: Kirsten Johanson

Wer wissen will, warum "vier Weiber zwei zu viel sind", ob und wie die Herren der Schöpfung zu einer besseren Hälfte kommen, kann sich das Stück am Ostersonntag, 1. April um 14 oder 19.30 Uhr anschauen. Karten können werktags unter Telefon 0 75 54/98 97 27 vorbestellt werden. Am Sonntagabend sorgen Wolfram und Christian Borowski für Tanzmusik.

"Ans Aufhören denken wir nicht"

Georg Saum, Gründer und Vorsitzender der Landjugend, brachte 1988 Laienschauspieler zusammen, die Lust am Lustspiel hatten. Die Theatergruppe wurde vor 30 Jahren ins Leben gerufen.

Wie alt waren Sie, als Sie bei den Theaterfreunden die erste Rolle spielten?

Da war ich 25 Jahre alt. Bis heute habe ich bei jeder Aufführung mitgewirkt, inzwischen in den Nebenrollen. Da muss ich nicht mehr so viel Text lernen, es macht mir umso mehr Spaß, der Figur mit Mimik ihren Charakter zu verleihen.

Wie viele Aktive gehören den Theaterfreunden Herdwangen und gibt es Nachwuchssorgen?

Wir sind 20 bis 25 Personen auf und hinter der Bühne. Es kommen immer wieder Neue dazu. Ans Aufhören denken wir nicht.

Wer wählt die Stücke aus?

Ein Gremium stellt eine Auswahl zusammen und es wird gemeinsam ein Stück ausgesucht.

Proben die Theaterfreunde das ganze Jahr über?

Nein, wir fangen an Aschermittwoch an, auch mit dem Bau der Bühne. Dann wird sechs Wochen geprobt.

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