Herdwangen-Schönach Nach Musicalaufführung in der Bundschuhhalle: Norovirus führt zu Sanitätseinsatz

Nach einer Aufführung in der Bundschuhhalle in Herdwangen mussten zehn Mitglieder einer Musicalgruppe ins Krankenhaus. Der Verdacht auf Norovirus hat sich nach Angaben des Gesundheitsamtes bestätigt. Klar ist, dass die Gäste das Virus von auswärts mitgebracht haben. Die Halle wurde sorgfältig desinfiziert und ist uneingeschränkt nutzbar.

Ein Aufgebot von Rettungsdiensten samt Notarzt sorgte nach einer Musicalaufführung in der Bundschuhhalle in der Nacht auf Sonntag für Aufregung in der Gemeinde. In der Halle hatten 500 Besucher die Weihnachtsgala "Christmas Carol" einer Musical-Projekt-Gruppe aus dem Raum Trier genossen und die Akteure erhielten tosenden Applaus für ihre Leistungen. Was nur wenige wussten, war der Umstand, dass nicht das gesamte Ensemble auf der Bühne stand, sondern ein Mitglied mit Durchfall im Hotel in einer Bodenseegemeinde geblieben war. Auch andere Darsteller fühlten sich unwohl, aber sie mobilisierten die letzten Kräfte für die Show. Nach der Aufführung mussten die Sanitätseinsatzkräfte alarmiert werden, nachdem viele Ensemblemitglieder sich übergeben mussten.

Auf Anfrage des SÜDKURIER bestätigte Dr. Susanne Haag-Milz, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit, dass sich die Verdachtsdiagnose Novoviren bestätigt habe. "In Stuhlproben von drei erkrankten Personen konnten Novovieren nachgewiesen werden", ergänzte die Ärztin, dass zehn Betroffene in Krankenhäuser eingeliefert wurden, die sie nach wenigen Stunden wieder verlassen konnten. Im Anschluss veranlassten die beteiligten Fachbereiche Gesundheit sowie Veterinärdienst und Verbraucherschutz eine umfassende und sorgfältige Reinigung der Halle, wie Bürgermeister Ralph Gerster auf Anfrage des SÜDKURIER bestätigte. Aus Sicherheitsgründen wurden auch die nicht unmittelbar und sichtbar betroffenen Bereiche wie Fußföden, Handläufe oder Türklinken desinfizierend gereinigt. "Nach Durchführung der adäquaten Desinfektionsmaßnahmen ist eine Nutzung der Halle ohne Einschränkung möglich", erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes.

Rathauschef Ralph Gerster informierte in der jüngsten Sitzung den Gemeinderat über den Vorfall, nachdem er selbst noch in der Nacht zum Sonntag angerufen worden war. Die Halle wurde am Montag komplett gesperrt und am Mittwoch nach der Desinfektion wieder für den Betrieb freigegeben. Die Reinigungsdienste mussten dafür Sonderschichten einlegen. Gerster informierte die örtlichen Schulen und Kindergärten über den Vorfall und stellte den Verantwortlichen anheim, ob sie die die Halle beispielsweise für den Turnunterricht nutzen wollen oder nicht. "Der Virus wurde von auswärts eingeschleppt und hat mit uns nichts zu tun", machte Gerster klar. Auf diese Aussage legt auch Helmut Brehm, Vorsitzender des veranstaltenden Tennisclubs, großen Wert, nachdem in der Ortschaft schon Gerüchte die Runde machten, wonach das Essen in der Halle als Krankheitsursache genannt wurde. "Mit unserer Halle oder dem Essen hat das nichts zu tun", macht Brehm klar, dass die Gäste die Virenerkrankung von außerhalb mitgebracht haben. Ihm sei absolut nichts bekannt, dass Hallenbesucher später gesundheitliche Probleme bekommen hätten.

So berichtete der SÜDKURIER am 20. Dezember
So berichtete der SÜDKURIER am 20. Dezember

Auch die Leiterin des Gesundheitsamtes hat absolut keine Anhaltspunkte, dass der ursächliche Infektionsherd in der Bundschuhhalle liegt. Wobei nach ihren Angaben auch im Hotel, in dem die Gäste untergebracht waren, keine weiteren Erkrankungsfälle bekannt wurden. "Hinweise auf eine gemeinsame Lebensmittelquelle als Ursache für die Erkrankungen haben sich im Rahmen der Ermittlungen nicht ergeben", ergänzt Susanne Haag-Milz.

Auch beim SÜDKURIER hatten sich besorgte Bürger gemeldet, die das nächtliche Geschehen mitbekommen hatten. Ob das denn eine Übung der Rettungseinsatzkräfte gewesen sei?, fragte ein anonymer Briefeschreiber. Wobei eine solche Übung morgens um 4 Uhr doch höchst unwahrscheinlich sei, fügte der "Bürger aus Herdwangen" an.

Als weitere Schutzmaßnahme wurde von den Behörden übrigens vor dem Speiseraum im Hotel der Gäste ein Desinfektionsmittelspender aufgestellt und die Reisegruppe mit viruswirksamen Händedesinfektionsmitteln versorgt. "Weitere Erkrankungen in diesem Zusammenhang wurden bislang nicht bekannt", bestätigt auch die Leiterin des Gesundheitsamtes.

 

Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes

Ansteckung: Novoviren sind hoch infektiös und werden über den Stuhl und das Erbrochene ausgeschieden. Die Ansteckung erfolgt beispielsweise über den Handkontakt mit verunreinigten Flächen oder über die Aufnahme virushaltiger Tröpfchen.

Symptome: Die Viren verursachen nach einer Inkubationszeit von 6 bis 50 Stunden akut beginnende Magen-Darm-Infekte. Schwallartiges heftiges Erbrechen und starke Durchfälle können rasch zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust fühlen. Hinzu kommt ein starkes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Mattigkeit. Seltener tritt hohes Fieber auf.

Dauer der Erkrankung: Bei Menschen, die nicht an anderen schweren Grunderkrankungen leide, dauert die Erkrankung 12 bis 48 Stunden. Das Virus wird in der Regel nach 7 bis 14 Tagen ausgeschieden.

Behandlung: Die Behandlung besteht vor allem im Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes.

Auftreten: Das Regierungspräsidium in Stuttgart nennt als Hauptgrund für die starken Winterepidemien das Auftreten neuer, immunologisch veränderter Varianten des Norovirus. Diese würden vom Immunsystem der Bevölkerung nicht mehr so gut erkannt und könnten so zu hohen Erkrankungen führen.

Schutz: Sorgfältige Hygiene und genügend Abstand zu den Betroffenen und Einsatz von Desinfektionsmitteln. (siv)

 

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