von Herdwangen-Schönach Maßschneiderin Belinda Büchel ist Landessiegerin beim Leistungswettbewerb

Maßschneidergesellin Belinda Büchel aus Herdwangen-Schönach wurde beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW – Profis leisten was) in Albstadt zur Landessiegerin gekürt. Dort erfuhr sie, dass ihr Gesellenstück zudem den dritten Preis auf Bundesebene erhielt. Beim Wettbewerb errangen weitere Gesellinnen, die im Frühjahr 2017 an der Heimschule Kloster Wald ihre Gesellenprüfung abgelegt haben, Preise: Julia Witter, Kaja Vitzthum, Laura Stauss und Johanna von Stauffenberg.

Beim Leistungswettbewerb treten die besten Nachwuchskräfte aus dem Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen – also den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Tübingen, Zollernalb und Sigmaringen – an. Die Feierstunde fand in der Festhalle in Albstadt statt.

Der SÜDKURIER besuchte Belinda Büchel in Herdwangen. Belinda Büchel ist eine selbstbewusste und zielstrebige junge Frau. Die 19-Jährige absolviert derzeit in Stuttgart ein Praktikum in der Finanzbranche. Im Januar 2018 nimmt sie ihr Studium Corporate Management and Economics (Wirtschaftswissenschaften) auf.

Für ihr prämiertes Gesellenstück, ein Kostüm aus dunkelgrauem Wollstoff, hatte sich die Maßschneiderin etwas Besonderes einfallen lassen. Sie gestaltete einen knapp knielangen Rock mit einem raffinierten Wickeleffekt aus, indem sie das schräg verlaufende Wickelteil in den linken Vorderteilabnäher einfasste. Bei der Umsetzung unterstützte sie ihre Ausbilderin Rosalinde Sagel-Ott. „Frau Sagel-Ott und ich haben super zusammengepasst. Sie ist eine Perfektionistin – wie ich. Sie hat meine Stärke Perfektion noch mehr gefördert und mich weitergebracht.“ Gemeinsam hatten die Ausbilderin und die angehende Gesellin am Proberock an der Ausführung der Gestaltungsidee getüftelt, unzählige Male wieder aufgetrennt, bis alles perfekt saß. „Es ist toll, wenn man für sich etwas näht, das perfekt passt“, findet Belinda Büchel.

Die in der Prüfung geforderte Schmucktechnik arbeitete sie mit Legetechnik in eine Clutch – eine kleine, elegante Damenhandtasche – passend zum Kostüm ein. Sie zeichnete ein Ginkgoblatt auf Transparentpapier auf, nähte die Konturen mit kleinen Stichen auf der Tasche auf, legte sie mit einem Silberfaden aus und umnähte diesen.

Belinda Büchel aus Herdwangen ist Landessiegerin und Dritte auf Bundesebene der Maßschneider beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks "Profis leisten was". Für ihr prämiertes Gesellenstück, ein Kostüm aus dunkelgrauem Wollstoff, versah sie den knapp knielangen Rock mit einem raffinierten Wickeleffekt.
Belinda Büchel aus Herdwangen ist Landessiegerin und Dritte auf Bundesebene der Maßschneider beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks "Profis leisten was". Für ihr prämiertes Gesellenstück, ein Kostüm aus dunkelgrauem Wollstoff, versah sie den knapp knielangen Rock mit einem raffinierten Wickeleffekt. | Bild: Sandra Häusler

„Ich liebe Mode, ich liebe Schneidern“, unterstreicht die 19-Jährige. Bei der Prüfung selbst nähte sie von Montag bis Dienstagfrüh am Rock, dann ging es an den Blazer. Am Freitag war sie zehn Minuten vor Prüfungsende fertig. „Dann waren meine Fingerspitzen blutig“, erinnerte sie sich. Die verbliebenen Minuten nutzte Belinda Büchel noch, um alles schön zu drapieren. „Die ganze Mühe und die blutigen Finger haben sich gelohnt. Es ist ein gutes Gefühl.“

Für die Ausbildung zur Maßschneiderin entschied sich Belinda Büchel in der achten Klasse. Während einer Schnupperwoche durften die Schülerinnen alle drei Ausbildungen ausprobieren dürfen: „Ich fand das Schneidern schöner für mich, weil es unabhängiger ist und ich einfach drauflosnähen kann. Man braucht keine riesige Werkstatt und Maschinen.“ Von Klasse neun bis zum Abitur lief die Ausbildung einmal pro Woche, nach dem Abitur ganztägig. Die Ausbildung hat Belinda Büchels Wahrnehmung in der Mode in Bezug auf Verarbeitung und Wertigkeit von Kleidung verändert. „Jede profitiert von der Lehre, egal was sie später beruflich macht“, ist Belinda Büchel überzeugt. Bei Bewerbungen sei diese Doppelqualifikation ein großer Vorteil und ernte Anerkennung.

Belinda Büchel ist dankbar für die einmalige Möglichkeit an der Heimschule, nur wenige Monate nach dem Abitur eine Ausbildung abzuschließen. Die Ausbildung bringe einen großen Mehrwert. Belinda Büchel denkt oft daran zurück und ist dankbar dafür, was ihre Ausbilderin ihr auf den Weg gegeben hat.

Belinda Büchel präsentierte der Modenschau im April 2017 an der Heimschule Kloster Wald auch ihr selbstgenähtes Abiballkleid.
Belinda Büchel präsentierte der Modenschau im April 2017 an der Heimschule Kloster Wald auch ihr selbstgenähtes Abiballkleid.

Meisterin Rosalinde Sagel-Ott erinnert sich gut an die junge Frau:" Belinda war eine zielstrebige und geduldige Auszubildende. Sie war aufgeschlossen für Nähexperimente, wollte immer etwas Besonderes erarbeiten, verfolgte dieses Ziel konzentriert und aufmerksam. Sie behielt immer ihre gute Laune – und war es auch noch so knifflig." Nach der Prüfung erzählte Belinda Büchel ihrer Meisterin: "Ich habe alles befolgt, was Sie mir beigebracht haben, deshalb war ich nicht aufgeregt."

 

Wettbewerb und Konzept

  • Preise Leistungswettbewerb für Gesellinen der Heimschule Kloster Wald: Belinda Büchel, Landessiegerin und dritter Preis auf Bundesebene, Maßschneiderin. Julia Witter, zweite Kammersiegerin, Holzbildhauerei. Kaja Vitzthum, zweite Kammersiegerin, Maßschneiderei. Laura Stauss, zweite Landessiegerin, Holzbildhauerei. Johanna von Stauffenberg, dritter Preis auf Landesebene "Gute Form – Handwerker gestalten".
  • "Abitur plus Gesellenbrief": Diana Kempf, Leiterin der Lehrwerkstätten an der Heimschule Kloster Wald, freut sich über die großartigen Ergebnisse der Gesellinnen beim Leistungswettbewerb "Profis leisten was". "Es ist der Beweis dafür, dass unsere Ausbilder mit ihrem großen Engagement und ihrer Fachkompetenz, die Auszubildenden zu Höchstleistungen motivieren können", sagt sie. Für die Walder Absolventinnen sei die Doppelqualifikation "Abitur plus Gesellenbrief" eine deutliche Abgrenzung zu herkömmlichen Abiturienten. Die Ausbildung an der Heimschule als Maßschneiderin, Tischler und Holzbildhauer findet in den Klassen neun bis zwölf schulbegleitend an einem Nachmittag pro Woche statt. "Immer wieder berichten uns Ehemalige, wie groß das Interesse an dieser Ausbildung, besonders bei Bewerbungsgesprächen, ist", berichtet Kempf. Auch Hochschulprofessoren würden hellhörig und lassen sich das Konzept erklären.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Herdwangen-Schönach
Herdwangen-Schönach
Herdwangen-Schönach
Herdwangen-Schönach
Herdwangen-Schönach
Herdwangen-Schönach
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren