Herdwangen-Schönach Madrigalchor aus Überlingen trägt erlesene Stücke vor

Feiner Konzertabend in der Dorfgemeinschaft Lautenbach. Die Menschen mit Handicaps hören den Chormitgliedern sehr gespannt zu.

Weihnachtskonzerte sind im Advent eigentlich nichts Besonderes. Am Samstagabend in der Dorfgemeinschaft Lautenbach war das Konzert aber in doppelter Hinsicht ein bemerkenswertes Ereignis. Zum einen lag das an den Akteuren, den Mitgliedern des Madrigalchors Überlingen. Zum anderen lag das am Publikum. Viele Menschen mit Handicaps gingen in den anspruchsvollen Chorsätzen auf, hörten gespannt zu, klatschten begeistert und sangen bei den bekannten Weihnachtsliedern freudig mit.

Eine dieser Zuhörerinnen und Mitorganisatorinnen war Gabriele. Sie möchte ihren Nachnamen nicht nennen. Gabriele gehört schon von Anfang an, also seit 1971, zur Lautenbacher Dorfgemeinschaft. Ganz begeistert berichtete die ältere Dame nach dem Konzert: "Es hat mir sehr gut gefallen." Sie selbst musiziere in der Lautenbacher Blasmusik mit. Und immer, wenn es in der Dorfgemeinschaft etwas aus dem kulturellen Bereich gebe, sei sie dabei, unterstreicht Gabriele.

Wer zum ersten Mal in den Wilhelm-Meister-Saal der Dorfgemeinschaft kommt, ist von der Atmosphäre des Raums überrascht. Wo in gewöhnlichen Hallen weiße oder graue Wände das optische Erscheinungsbild bestimmen, sind die Wände hier nicht nur in einem rosa Farbton gehalten, sondern auch noch durch Stuckelemente gestaltet. Doch jetzt kurz vor Beginn des Konzertes herrscht ein stetes Kommen. Aus allen Richtungen der Dorfgemeinschaft strömen die Bewohner und ihre Betreuer in den Konzertsaal. Unter den Besuchern, die jetzt schon da sind, herrscht eine freudige erwartungsvolle Stimmung. Es wird viel gelacht und gescherzt.

Dann betreten die Sänger und Sängerinnen des Madrigalchors den Saal und postieren sich auf der Bühne an der Stirnseite. Sie sind festlich angezogen, schwarze Anzüge und schwarze Kostüme bauen sich auf. Die Herren tragen rote Fliegen. Alles ist ganz feierlich. Der Geräuschpegel im Saal ist verstummt. Die Sänger vom Bodensee nehmen ihr Publikum ernst. Sie tragen ihre anspruchsvollen Stücke vor, haben aber auch einige der bekannten Weihnachtslieder in ihrem Portfolio. Unter den Chorsätzen sind Werke spätmittelalterlicher Meister ebenso wie die Arbeiten zeitgenössischer Komponisten.

Der Einsatz von Musikinstrumenten ist wohl dosiert die Ausnahme. Dirigent Thomas Braun spielt ein oder zwei Mal Klavier, Dierk Jenning bringt mit seinem Saxophon einen für die Vorweihnachtszeit ungewohnten aber rassig-melancholischen Sound in den Wilhelm-Meister-Saal. Julian Priebus ist mit seiner Handtrommel zu hören. Es dominiert die Macht der Stimmen. Die Zuhörer sind erkennbar ergriffen, suchen immer wieder die Kommunikation zum Nebensitzer. Ihr Beifall ist nicht das einstudierte Klatschen wie bei TV-Shows, sondern klingt spontan, kommt von innen, zeigt, dass sie die Botschaft der Musik gehört, angenommen und verinnerlicht haben.

Thomas Braun wird im Laufe der rund 90 minütigen Veranstaltung immer lockerer in seiner Moderation. Als er zum Schluss das Publikum auffordert, das Lautenbacher Lieblingsweihnachtslied zu singen, ist dem Musiklehrer aus Salem anzumerken, dass er von der freundlich-lockeren Stimmung im Saal voll angesteckt ist. Das Lautenbacher Lieblingsweihnachtslied ist übrigens "Oh du fröhliche", das Chorsänger und die Menschen aus dem Publikum fröhlich mitsangen.

 

„Die Leute reagieren hier so impulsiv“

Thomas Braun, Dirigent des Madrigalchores, spricht über Eindrücke und Ausblicke

Wie oft waren Sie mit dem Madrigalchor Überlingen in der Dorfgemeinschaft Lautenbach?

Zum dritten Mal. Wir warenim Vorjahr schon da. Wir sind gerne hier, weil der Saal akustisch so gut gebaut ist. Es geht hier drin alles ohne Elektronik.

Unterscheidet sich das Publikum aus der Dorfgemeinschaft von anderen Konzertbesuchern?

Es ist sehr interessant zu beobachten. Die Leute hier reagieren so impulsiv und erkennbar echt. Man merkt hier deutlich, welche Macht die Musik hat.

Sie sind mit einem sehr anspruchsvollen Musikprogramm nach Lautenbach gekommen. Hätte man hier nicht mehr gängige Weihnachtslieder erwartet?

Wir haben versucht, unser geistliches Programm mit bekannten Weihnachtsliedern etwas aufzulockern. Es ist erstaunlich, mit welcher Konzentration und Aufmerksamkeit das Lautenbacher Publikum auch die komplexeren Kompositionen verfolgt hat.

Wird der Chor im nächsten Jahr wieder hier auftreten?

Wenn wir dürfen und eingeladen werden, kommen wir gern wieder.

Fragen: H.-P. Steinmüller

 

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