Herdwangen-Schönach Hofbesuch bei Biolandhof Kelly: Vielfalt statt Perfektion auf dem Feld gefragt

Ein Bio-Betrieb hat besondere Herausforderungen, wie Familie Warnke und Kelly den Grünen-Politikern Harald Ebner, Markus Böhlen und Martin Hahn erklärte. Sie forderten von der Politik mehr Aufklärung der Verbraucher und mehr Unterstützung.

Vor elf Jahren hat sich Josef Warnke mit seiner Familie dafür entschieden, seinen Hof zum Bioland-Hof umzustellen. Bereut habe er das keine Minute, manche Regelungen erschweren ihm aber den Alltag: Während innovative Gülletechnik finanziell gefördert wird, fehlt ihm Unterstützung dabei, Beikraut beizukommen, denn innovative Pflanzenschnitttechnik wird nicht gefördert. "Ich als Bio-Landwirt spreche nicht von Unkraut, sondern von Beikraut", erklärt er. Doch diese können problematisch werden, wie er am Sojabohnen-Feld am Beispiel von Hühnerhirse erklärt: Der sei mit Striegeltechnik nicht beizukommen.

"Ich höre im Umfeld, dass die Äcker verwahrlost aussehen", sagte Josef Warnke. Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter von Bündnis90/Die Grünen und Fraktionssprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, erwiderte: "Die können nicht mehr mit Vielfalt umgehen." Tatsächlich fehlte Warnke aber eine Investitionsbeihilfe, die nicht auch Maschinen umfasst. "Wir sind da dran, für die Profis im Anbau ist es total wichtig", versicherte Ebner – auch wenn er auf den Feldern keine Sauerei entdecken könne. Man dürfe nicht mit einem Augenblick definieren, was richtig ist.

Beikraut war aber nur ein Thema in dem Gespräch, bei dem auch der örtliche Bundestagskandidat Markus Böhlen und der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (beide auch Bündnis90/Die Grünen) vor Ort waren. Die Politiker waren sich einig: Es soll nicht perfekt sein. Grünen-Bundestagskandidat Markus Böhlen schilderte das Beispiel eines örtlichen Bäckers, der laut einigen Kunden um 16 Uhr noch das gesamte Angebot bieten soll. Perfektionismus sei auf dem Acker und im Laden problematisch. "Das richtige Maß zu finden, ist die Kunst", sagte Ebner.

Die Frage des Fraktionssprechers für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik lautete: "Was sollen wir in der Politik ändern?" Laut Familie Warnke und Kelly muss man etwa Verbraucher besser aufklären: Da ein Ladenmeter mit Bio-Produkten für Supermarktbetreiber lukrativer sei als einer mit regulären Produkten, seien dort auch Bio-Produkte etwa aus China zu finden – und die hätten mit dem, wofür Bio hierzulande steht, wenig zu tun. "Quinoa wächst bei uns nicht", nannte Johanna Warnke ein Beispiel und ihr Mann stimmte ihr zu, dass so ein Angebot die Glaubwürdigkeit schwäche.

Warnkes betonen, dass ihre Landwirtschaft als Kreislauf funktioniert: "Jeder Biobetrieb muss 50 Prozent vom Futter erzeugen", dafür kooperieren sie mit Nachbarn – diese erhalten Futter, sie anteilig Mist zurück als Dünger. "Wir sind auf diese Nährstoffrückläufe angewiesen", sagte Josef Warnke. Gerade als Bio-Betrieb, denn ohne den zusätzlichen Dünger, den die konventionelle Landwirtschaft nutzt, wachse sonst nichts. Früher habe jeder Hof für sich einen Kreislauf gehabt, mit zunehmender Spezialisierung müsse man das anders regeln.

Auch die Nachwuchsregelung war Thema: "Für mich ist es frustrierend", sagte Linda Kelly. Sie habe jahrelang in der Industrie gearbeitet, dort habe man geregelte Arbeitszeiten, zugesicherten Urlaub und habe am Ende eine bessere Rente. "Da sollte man ganz dringend ran, damit es wieder interessant wird", sagte sie. "Wir müssen da mehr wertschätzen und dafür sorgen, dass Landwirte ein besseres Einkommen haben", stimmte Ebner zu. Dafür müsse man am Markt mehr für die Erzeugnisse erzielen – früher habe man auch mehr als zehn Prozent seines Einkommens für Lebensmittel investiert. Der Biolandhof Kelly sei da auf dem richtigen Weg weg vom Preis- und hin zum Qualitätswettbewerb.

Betrieb

Der Biolandhof Kelly wird geführt von Josef und Johanna Warnke, mit Linda und ihrem Mann Michael Kelly ist auch die nächste Generation aktiv. Insgesamt bewirtschaften sie 300 Hektar. Angebaut werden in der Regel 15 Kulturen, darunter einige für Futter (zum Beispiel Gerste oder Ackerbohnen), zum Verzehr (Sojabohnen, Lupinen oder Buchweizen) oder zur Begrünung (Sommerraps oder Klee). In diesem Jahr hat die Familie erstmals wieder Mohn angebaut, aus dem Mohnöl werden soll.

Informationen im Internet:www.biolandhof-kelly.de

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