Beuron Wirbel um das Hubertushaus

Die Zukunft der Villa Hubertus in Beuron ist ungewiss. Die Sanierungsarbeiten liegen brach und es gibt viele Fragezeichen rund um das Projekt.

Der Fall beschäftigt inzwischen die Zivilgerichtsbarkeit. Die Rede ist von un- oder nur teilweise bezahlten Handwerkerrechnungen, Gerichtsverfahren, einer seit mindestens zwei Jahren nahezu brachliegenden Baustelle und einer ungewissen Zukunft für eines der wertvollsten Baudenkmäler Beurons außerhalb der Klostermauern. Es geht um die Villa Hubertus, oder profaner ausgedrückt um das Hubertushaus.

Die Immobilie mit einem großen Grundstück liegt direkt am Radweg in Richtung Buchheim gesehen gleich links nach der Eisenbahnbrücke. Der für das Hubertus-Haus-Projekt zuständige Vorsitzende der Anselm-von-Canterbury-Stiftung und des „Vereins für Familien- und Kinderbetreuung Hubertus-Haus“ Harald Erben ist weder telefonisch noch brieflich zu erreichen. Am Telefon meldet eine Bandansage, dass der Angerufene derzeit nicht erreichbar sei. Ein Einschreibebrief mit der Bitte um Rückmeldung kam auf SÜDKURIER-Anfrage als „unzustellbar“ zurück.

Diese Erfahrung machte auch Bernd Schneck, Geschäftsführer des Naturparkvereins Obere Donau. Erben, beziehungsweise der Verein für Familien- und Kinderbetreuung Hubertushaus, dessen Vorsitzender Harald Erben ist, hat für die Anlegung eines Kräutergartens auf einem Teil des Grundstücks vom Naturpark einen Zuschuss von 5711 Euro bekommen. Schneck sagt: „Mit dem Zuschuss ist die Verpflichtung verbunden, den Garten insgesamt fünf Jahre in Schuss zu halten.“ Ein Jahr sei der Garten tatsächlich gepflegt worden. Im Augenblick sei das Areal verwahrlost. Davon habe sich auch eine Delegation des Regierungspräsidiums überzeugt. Der Naturpark wolle erreichen, dass der Garten entsprechend den Zuschussrichtlinien gepflegt wird, oder er will das Geld, abzüglich des einen Jahres, wiederhaben. Seit Sommer 2017 versuchten der Naturpark und das Regierungspräsidium vergebens, mit Harald Erben Kontakt aufzunehmen.

Dabei ist der Naturparkverein nicht die einzige Stelle, die von Erben oder der Stiftung Geld haben möchte. Auch einige Handwerker warten ungeduldig auf Geld. Einer von ihnen ist der Schreiner Carsten Heidtmann aus Bodelshausen. Er schildert seine Erfahrungen mit Erben so: „ Ich betreibe eine Schreinerei mit Schwerpunkt Renovierung im Denkmalschutz. Im Februar 2016 war ich im Hubertushaus mit der Renovierung von 32 Fensterläden, eines Holzbodens und einer Haustüre beauftragt.“ Die Bezahlung der Rechnung von rund 6000 Euro blieb bisher aus. Stattdessen seien Mängel an seiner Arbeit behauptet worden. Als Heidtmann eine Überprüfung seiner Arbeit vonseiten des Architekten und des Denkmalschutzamtes erwirken wollte, habe er von Erben Hausverbot erhalten. Die Zimmerei Haselmeier aus Irndorf wartet ebenfalls auf die Bezahlung ihrer Rechnungen in Höhe von mehreren zehntausend Euro. Eine Sprecherin der Firma, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: „Bei uns machte Erben ebenfalls Mängel geltend.“ Das Familienunternehmen liegt seit über zwei Jahren im Rechtsstreit mit Harald Erben. Ähnlich geht es der Rottweiler Restauratorin Martina van Spankeren-Gandhi. Sie kämpft seit 2016 gegen die Canterbury-Stiftung und damit gegen Harald Erben um ihr Honorar. In ihrem Fall ist ein Ende des Verfahrens vor dem Oberlandesgericht möglicherweise 2018 abzusehen.

 

Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert die Sanierung

Zum Hintergrund der Villa und der Stiftung:

  • Stiftung: Seit Dezember 2005 gibt es die von Harald Erben initiierte „Anselm-von Canterbury-Stiftung“ in Beuron. Bei der Gründungsversammlung im Dezember 2005 hatte der damalige Tübinger Regierungspräsident Hubert Wicker die Rettung der Bibliothek des Heidegger-Schülers Hartmut Bucher mit 12 000 Bänden als „große Tat“ bezeichnet. Diese Sammlung war von den Erben des Philosophen und Heidegger-Schülers als Geschenk der Stadt Meßkirch angeboten worden. Weil damit die Bedingung verbunden war, einen hauptamtlichen Archivar einzustellen, verzichtete die Stadt. Die Stiftung sprang in die Bresche. Sie konnte aber den Kaufpreis für die Sammlung von rund 140 000 Euro nicht aufbringen. Die Sammlung existiert nicht mehr. Das bestätigt Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick.
  • Gebäude: Das denkmalgeschützte Gebäude, früher Villa Hubertus, jetzt Hubertus-Haus, aus dem Jahr 1906 gehört der Stiftung und wird seit 2014 vom „Verein für Familien- und Kinderbetreuung Hubertus-Haus“ renoviert und soll nach den Plänen von 2014 zu einer Stätte für Familienerholung, Bildungs- und Inklusionsprojekte ausgebaut werden. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat das auf 385 000 Euro geschätzte Sanierungsprojekt im Juni 2014 mit 100 000 Euro gefördert. Im November 2014 erklärte die Denkmalstiftung das Hubertus-Haus zum „Denkmal des Monats“. (hps)

 

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