Beuron Kalkstein-Abbau im Donautal: Vortrag weist auf Probleme hin

Kalkabbau-Gegner der Interessengemeinschaft "Pro Mittelberg/Thiergarten" laden zu einer Veranstaltung mit Öko-Gutachter Carsten Weber ein. Weber setzt sich in seinem Vortrag kritisch mit dem Thema eines Kalkstein-Abbaus im Donautal auseinander.

Nach wie vor in der Schwebe ist die Frage, ob es am Mittelberg bei Thiergarten zum Abbau von hochreinem Kalk kommen wird. Das jedenfalls ist die Bilanz der ersten Versammlung der IG "Pro Mittelberg/Thiergarten" in diesem Jahr. Im Mittelpunkt der von rund 60 Zuhörern im Gasthaus Neumühle besuchten Veranstaltung stand ein Referat des freien Öko-Gutachters Carsten Weber. Darin ging es sowohl um den aktuellen Stand des Planungsverfahrens, als auch um die generellen Planungsabläufe von der Antragsstellung bishin zum Beginn eines möglichen Abbaus.

Antrag liegt noch nicht vor

Auf einen besonderen Punkt hatte schon Gerhard Stumpp, einer der drei Sprecher der IG, in seinem Eingangsstatement hingewiesen: Bisher sei beim Landratsamt Sigmaringen noch kein Genehmigungsantrag des Hauses Prinz zu Fürstenberg eingegangen. Dennoch warnte Stumpp: "Wir dürfen uns allerdings nicht so sicher fühlen." Ein entsprechender Antrag könnte jederzeit vorgelegt werden. Dann sei es Aufgabe der Kreisverwaltung in Sigmaringen, über die Genehmigung zu entscheiden.

Damit war das Stichwort für Carsten Weber gefallen. Der freie Gutachter aus Leibertingen machte nicht nur auf die Komplexität eines solchen Verfahrens aufmerksam, sondern nannte gleichzeitig auch einige Problemfragen, denen sich das Landratsamt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zu stellen habe. Damit meinte Weber die "Summationswirkung". Darunter verstünden die Planer die Zusammenfassung aller negativen Folgen eines möglichen Kalkabbaus, die nicht direkt mit dem Projekt zu tun haben. Konkretes Beispiel dafür sind die Straßen. Aus seiner Sicht ist die Landesstraße von Thiergarten nach Sigmaringen dem durch den Abbau bedingten Verkehr nicht gewachsen.

Sollte dann zwei oder drei Jahre nach Beginn der Abbauarbeiten jemand auf die Idee kommen, einen Ausbau der L 277 auf dem genannten Streckenabschnitt zu fordern, wären die daraus entstehenden negativen Folgen für Natur und Menschen Bestandteil der Summationswirkung. Weber drückte es so aus: "Diese Fragen muss das Landratsamt aufgrund der Vorschriften bereits bei der Prüfung des eigentlichen Abbaus untersuchen." Diese Frage betreffe jeden Bürger. Den Straßenaus- oder neubau bezahle nämlich dann nicht der Prinz zu Fürstenberg, sondern der Steuerzahler.

Nach dem gültigen Managementplan für europäische Schutzgebiete sind auf dem Mittelberg fünf Vogelarten mit besonders schützenswertem Status vorhanden. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens müsse der Nachweis erbracht werden, dass der Lebensraum dieser Vögel durch den Abbau nicht in Mitleidenschaft gezogen werde, nannte er einen weiteren Punkt.

Ausnahmegenehmigung möglich

Kritisch setzte sich Carsten Weber im Anschluss dann auch mit den vom Fürstenhaus in die Diskussion eingebrachten Ausgleichsflächen auseinander. Weber sagte hierzu: "Als Ausgleichsflächen kommen nur Areale infrage, die speziell aus bislang ökologisch schlechten Flächen entstanden sind." Dazu zählten nach seinem Dafürhalten die von Fürstenberg als "jahrzehntelange ökologisch intakte Gebiete nicht". Ein möglicher Pluspunkt für die Abbaupläne sieht der Referent in der vorgeschriebenen Suche nach alternativen Abbaustandorten. Weber sagte zu diesem Thema: "Dazu zählen beispielsweise die Vorkommen bei Glashütte nicht." Es kämen nur weitere Vorkommen auf einem der Fürstenberg-Grundstücke in Frage.

Alles in allem sieht Weber für die Erteilung einer Abbaugenehmigung für Kalke im Donautal durch das Landratsamt wenig Chancen. Er warnte jedoch: "Rechtlich gibt es die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung für den Kalksteinbruch trotz einer naturschutzrechtlichen Unzulässigkeit zu erteilen."

 

Thema Tierschutz

Kritisch setzten sich Gerhard Stumpp, Sprecher der Interessengemeinschaft Pro Mittelberg/Thiergarten, und Carsten Weber, Referent des Abends, mit dem Argument auseinander, den Naturschützern ginge es eher um Schmetterlinge oder Eidechsen als um Menschen. Stumpp sagte hierzu: "Bei dem Planungsverfahren spielt der Menschenschutz eine eher untergeordnete Rolle." Wer wirklich den Kalkabbau am Mittelberg verhindern wolle, habe das Naturschutzrecht als einziges wirksames rechtliches Mittel in der Hand. Carsten Weber sagte: "Naturschutz ist Menschenschutz." (hps)

 

 

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