Beuron Kalkabbau bewegt die Bürger

Das Zielabweichungsverfahren wegen des Abbaus reinster Kalke am Mittelberg in Thiergarten wurde positiv im Sinne des Antragstellers entschieden. Die Interessengemeinschaft kündigt gegen den Kalkabbau weitere Proteste an.

Das Ergenis gab am Mittwoch eine Vertreterin des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen bei einer Informationsveranstaltung im Tobelhaus in Hausen im Tal bekannt.

Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung im Hausener Tobelhaus.
Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung im Hausener Tobelhaus. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Damit ist nun verwaltungstechnisch der Weg frei für das Genehmigungsverfahren durch das Landratsamt in Sigmaringen. Ein Zeithorizont wurde nicht genannt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger geht aber von einem jahrelangen Verfahren aus, wie er im SÜDKURIER-Gespräch betonte. Das steht am Ende der Informationsveranstaltung fest. Doch es gibt auch einen thematischen Gegenpol. Die zahlreich anwesenden Vertreter der Interessengemeinschaft gegen den Abbau kündigten weitere Proteste gegen den Kalkabbau vor ihrer Haustür an.

Die ungewöhnliche Zeit an einem gewöhnlichen Werktagnachmittag um 16 Uhr hinderte offenbar niemandem am Besuch der Veranstaltung. Der Saal war voll besetzt. Wer zu spät kam, musste sogar stehen. Die Versammlung verlief meist sehr sachlich. Gelegentliche polemische Spitzen aus den Reihen der Besucher zeigten aber, dass die Proteste gegen das Projekt jetzt an Fahrt gewinnen könnten.

Am Mittelberg, der dem Prinzen zu Fürstenberg gehört, gibt es ein umfangreiches Vorkommen an hochreinen Kalken. Dieser Rohstoff wird in verschiedenen Bereichen der Industrie dringend gebraucht. Das Vorkommen steht deswegen als Sicherungsgebiet im Planwerk des Regionalverbands. Sicherungsgebiet bedeutet, so erklärte Ursel Habermann vom Regierungspräsidium Tübingen, dass nichts unternommen werden darf, um den späteren Abbau an dieser Stelle unmöglich zu machen. Andererseits bedeutet dieser Status aber auch, dass nicht zeitnah mit dem Abbau begonnen werden darf.

Das Haus Fürstenberg möchte nun aber genau das tun und hat deswegen in Tübingen ein Zielabweichungsverfahren beantragt. Damit soll aus dem Sicherungsgebiet ein Vorranggebiet werden, das den zeitnahen Abbau ermöglicht, sofern das vorausgeschaltete Genehmigungsverfahren durch das Landratsamt Sigmaringen positiv ausfällt. Schon nach dem Bekanntwerden der Abbaupläne hat sich in Thiergarten eine Interessengemeinschaft "Pro Mittelberg" gebildet.

Vor dem Tobelhaus hatten sich Demonstranten gegen den Kalkabbau aufgebaut.
Vor dem Tobelhaus hatten sich Demonstranten gegen den Kalkabbau aufgebaut. | Bild: H.-P.Steinmueller

Inzwischen gehören ihr Menschen aus dem gesamten Donautal an, die gegen diesen Abbau protestieren. Aufgrund dieses Protests hat sich das RP entschlossen, die Bekanntgabe des Zielabweichungsverfahrens im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zu präsentieren. Damit sollte den Bürgern auch Gelegenheit zu Fragen und Diskussion geboten werden. Anwesend waren neben den Fachbeamten aus Tübingen auch Vertreter der Fürstenbergischen Forstverwaltung und des Landratsamts Sigmaringen. Mitarbeiter des für die Regionalplanung zuständigen Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben waren nicht anwesend. Wie die Moderatorin Petra Stark betonte, war es nicht möglich gewesen, einen gemeinsamen Termin zu finden.

Die Vertreter der Waldbesitzerseite bemühten sich, einen sachlichen Abriss ihrer Planungen im Donautal zu geben. Aus ihrer Sicht stellt der mögliche Abbau am Mittelberg zwar einen Eingriff in die Natur dar. Die ökologischen Folgen und Konsequenzen für das Landschaftsbild sind aus Fürstenberger Sicht aber auf ein Minimum reduziert. Das sehen die Projektgegner anders. Ein besonderes Augenmerk legen sie auf den Abtransport des gewonnenen Materials per Lastwagen entweder durch das Tal in Richtung Sigmaringen oder über Stetten nach Storzingen. Es werde gegenwärtig die Machbarkeit untersucht, den Mittelberg-Kalk in Storzingen auf die Bahn zu verladen. Besonders der zu erwartende Verkehrslärm bereitet den Bürgern, wie zahlreiche Wortmeldungen zeigen, sehr große Sorgen. Mit dieser Sorge stehen die unmittelbaren Anlieger aber nicht allein da. Der Gemeinderat in Stetten hat sich deswegen bereits in einer Resolution gegen den Straßentransport entschieden.

Verfahren

Mit der Zustimmung des RP zum Zielabweichungsverfahren ist, wie die Fachbeamten aus Tübingen und Sigmaringen erklärten, noch keinerlei Vorgabe für das eigentliche Genehmigungsverfahren durch das Landratsamt in Sigmaringen gegeben. Unter anderem kündigte Dezernatsleiter BernhartObert ein "umfangreiches Umweltverträglichkeitsgutachten" an. Im Rahmen dieses Verfahrens würden die Gegenargumente der Projektgegner einfließen. Zu einem zeitlichen Horizont machte der Sigmaringer keine Angaben.

Am Mittelberg sollen in 25 bis 30 Jahren pro Jahr an 230 Arbeitstagen 200 000 Tonnen der hoch- und höchstreinen Kalke gewonnen werden. Der Transport vom Mittelberg bis zur Verladestelle an der Landesstraße zwischen Thiergarten und Stetten a.k.M. soll über eine moderne Bandanlage erfolgen. Danach soll das Material per Lastwagen transportiert werden.

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