Beuron Beuron: Bernhard Frei - „Ich bin ein Glückspilz“

Schwiegersohn aus Beuron erhält Niere vom Schwiegervater

Malte (Zweite von links), Maximilian und Madita sind mächtig stolz auf ihren Opa Paul Briel (rechts), denn der hat ohne Rücksicht auf die eigenen Gesundheit ihrem Vater Berhard Frei eine Niere gespendet.
Malte (Zweite von links), Maximilian und Madita sind mächtig stolz auf ihren Opa Paul Briel (rechts), denn der hat ohne Rücksicht auf die eigenen Gesundheit ihrem Vater Berhard Frei eine Niere gespendet. | Bild: Steinmüller

– Bernhard Frei aus Beuron ist ein Glückspilz besonderer Art. Die Wahrscheinlichkeit, dass der 48-Jährige heute schon tot wäre, ist weitaus höher als die Wahrscheinlichkeit, dass er heute noch lebt. Sein Leben hat er zwei Glücksfällen zu verdanken, die so keineswegs selbstverständlich sind.

Als 2001 die Diagnose gestellt wurde, war seine Nierenkrankheit noch unheilbar. Erst seit zwei Jahren kann die chronische Entzündung mit einem Medikament behandelt werden. Das Schicksal schien vorher bestimmt. Die Nieren würden über kurz oder lang ihren Dienst einstellen. Dann bliebe nur noch die Blutwäsche am Dialysegerät und die Hoffnung, eine Spenderniere zu bekommen. Immer mit dem Wissen vor Augen, dass viele Dialysepatienten während der Wartezeit auf das Ersatzorgan der Krankheit erliegen.

Als bei Bernhard Frei die Nierenentzündung im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt wurde, fühlte sich der leitende Angestellte einer großen Krankenkasse noch aktiv und wohl. Die Ärzte, so erinnert er sich heute, machten ihm aber klar, dass es damit über kurz oder lang zu Ende sein werde. Die Nieren hielten länger durch, als die Mediziner dies aufgrund des gewöhnlichen Krankheitsverlaufs erwarteten. Doch dann am 25. November 2007 war es soweit. Die von der Entzündung geschädigten Organe hatten ihre Arbeit eingestellt. Ohne die sofortige Dialyse hätte das für Bernhard Frei das Todesurteil bedeutet.

Inzwischen hatte sich Frei auch mental auf diesen Tag eingestellt. Er wusste, was auf ihn zu kommt und hatte sich vorbereitet. Doch die Realität war dann doch härter, als es der Beuroner erwartet hatte. Frei: „Von jetzt an hieß es jede Woche drei Mal für jeweils fünf Stunden zur Dialyse nach Sigmaringen.“ Das sei besonders in den ersten Wochen sowohl körperlich wie seelisch sehr belastend gewesen. Auch sonst bedeutete diese Zeit starke Einschränkungen. Der Beuroner: „Ich durfte jeden Tag maximal 750 Milliliter trinken.“ Selbst bei großer Hitze sei das die oberste Grenze gewesen. Dazu sei gekommen, dass er im Rahmen der Dialyse immer wieder erlebt habe, dass Patienten diesem Stress nicht gewachsen gewesen seien und starben, bevor sie ein Spenderorgan bekamen.

Doch Bernhard Frei, damals Vater von zwei, heute von drei kleinen Kindern, hatte wie gesagt Glück. Seine Frau Karin Frei und deren Vater Josef Briel entschlossen sich, sich untersuchen zu lassen, um festzustellen, ob einer von ihnen möglicherweise eine Niere als Lebendspende zur Verfügung stellen könnte. Die Bereitschaft seiner engsten Familienangehörigen war der erste Glücksfall. Der zweite und fast noch größere Glücksfall war 2008 das Untersuchungsergebnis. Entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit, so erklärten es die Ärzte damals, waren sowohl die Niere der Ehefrau wie auch die Niere des Schwiegervaters für die Transplantation geeignet.

Die Diskussion, wer seine Niere hergeben sollte, war schnell entschieden. Josef Briel: „Ich war damals schon 72 Jahre alt, meine Tochter ist zu jung. Deshalb entschloss ich mich zur Spende.“ Die Ethikkommission der Universitätsklinik Freiburg trat zusammen, untersuchte, ob die Spende wirklich freiwillig ist, und gab dann ihre Einwilligung. Schon wenig später fanden die beiden Operationen statt. Der Senior überstand den Eingriff problemlos, bei Bernhard Frei ergaben sich Komplikationen, die eine Nachoperation notwendig machten.

Doch die damit verbundenen Schmerzen gehören für Bernhard Frei der Vergangenheit an. Der Alltag hat ihn wieder. Er kann, natürlich in gewissen Grenzen, alles essen und trinken was er möchte. Allerdings muss er für den Rest seines Lebens Medikamente einnehmen, die das Abstoßen der Niere verhindern.

Frei: „Ich muss pünktlich alle zwölf Stunden Medikamente nehmen. Am Anfang waren es 40 Tabletten pro Tag, jetzt sind es noch zwölf Stück.“ Seinem Lebensretter und der Ehefrau ist Bernhard Frei sehr dankbar: „Ich bin ein doppelter Glückspilz.“

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