Beuron 400-faches "Nein" zum Kalk-Abbau bei Protestaktion gegen Abbau am Mittelberg

Für die 400 Teilnehmer der Protestaktion gegen den Abbau von hochreinen Kalken am Mittelberg ist die Sachlage klar: Es darf diesen Abbau nicht geben. Die Aktion in der Thiergartener Donautalstraße verlief am Samstagnachmittag völlig störungsfrei. Als Redner traten Gerhard Stumpp vom BUND in Sigmaringen und einer der drei Sprecher der IG "Pro Mittelberg", die Wahlkreisabgeordnete im Landtag Andrea Bogner-Unden und der stellvertretende Landesvorsitzende des BUND, Stefan Flaig, auf. Der CDU-Abgeordnete Klaus Burger ließ sich mit Hinweis auf andere Terminverpflichtungen für diesen Nachmittag entschuldigen.

Wer durch die Reihen der Protestteilnehmer ging, sah Menschen aller Altersgruppen. Teilweise hatten sie weitere Anfahrtswege in Kauf genommen. In den Gesprächen zeigte sich, dass es weder um Stimmungsmache gegen das Haus Fürstenberg noch um den Protest an sich ging. Immer wieder waren Sätze wie "Ich mache mir Sorgen um das Donautal" oder: "Wie kann es sein, dass in einem mehrfach abgesicherten Naturschutzbereich nun auf einmal Kalk abgebaut werden darf?" zu hören.

Die drei Redner ging genau auf diese Punkte ein. Gerhard Stumpp bezeichnete eine mögliche Abbaugenehmigung für den Mittelberg als Zeichen für den Vorrang von Industrie- und Rohstoffinteressen vor den Belangen des Natur- und Umweltschutzes. Deutliche Kritik übte Stumpp an der Behördenarbeit im Vorfeld des Zielabweichungsverfahrens: "Hier haben die Behörden, aus heutiger Sicht unverständlich, in Kauf genommen, dass für ein und die dieselbe Fläche sich gegenseitig ausschließende Nutzungen vorgesehen wurden." Allerdings schränkte Stumpp ein, dies sei auf unterschiedlichen planerischen Ebenen erfolgt: "Raumordnung einerseits, Naturschutzrecht andererseits."

Mit Trillerpfeifen gegen Lasterlärm oder der kleine Prinz gegen den großen Prinzen von Fürstenberg – manche der 400 Teilnehmer der Mittelberg-Demo zeigen viel Kreativität.
Mit Trillerpfeifen gegen Lasterlärm oder der kleine Prinz gegen den großen Prinzen von Fürstenberg – manche der 400 Teilnehmer der Mittelberg-Demo zeigen viel Kreativität.

Ein offenkundig ehrlich gemeintes Lob richtete der Redner an die Adresse des Regierungspräsidiums in Tübingen. Die IG sei für die Informationsveranstaltung vom 28. Juni in Hausen im Tal dankbar. Dabei hatten Vertreter des Regierungspräsidiums, des Landratsamts und der fürstenbergischen Forstverwaltung zu dem geplanten Abbau am Mittelberg Stellung genommen.

Andrea Bogner-Unden beanstandete, dass der geplante Abbau allen strukturpolitischen Zielen für das Donautal entgegenstehen würde. Konkret sagte sie: Lärmbelästigung und der mit dem Abbau verbundene starke Laster-Verkehr wären für die Lebens- und Urlaubsqualität im Donautal abträglich. Sie formulierte, dass es im jetzt beginnenden Genehmigungsverfahren des Landratsamts Sigmaringen letztlich darum gehe, ob die Interessen der Öffentlichkeit und der Natur höher gewichtet werden, als die Privatinteressen des Grundeigentümers. Sie sagte: "Ich hoffe auf eine Entscheidung, die das Naturjuwel Naturpark Obere Donau beschützt."

Für den stellvertretenden Landesvorsitzenden des BUND steht die Mittelberg-Diskussion in einem landesweiten Zusammenhang. Stefan Flaig stellte fest, dass hochreine Kalke nach Angaben des Landesamts für Geologie nur noch 30 Jahre ausreichen würden. Er forderte, dass jetzt nicht die gesamten Vorkommen ausgebeutet werden dürften, sondern dass sich die Industrie bereits heute intensiv um Alternativen zum hochreinen Kalk kümmern sollte. Der grün-schwarzen Landesregierung warf er vor, diesen Aspekt der Nachhaltigkeit zugunsten kurzfristiger Profitinteressen zu vernachlässigen.

Zum Abschluss der Veranstaltung ließen die Teilnehmer 200 rote Luftballons steigen. Sie sollten auch dazu beitragen, dass die Mittelberg-Diskussion nicht nur in Thiergarten und im Donautal diskutiert werde.

 

Mittelberg-Problematik

Der Mittelberg bei Thiergarten ist ein Umlaufberg der Ur-Donau und beherbergt die begehrten hochreinen Kalke. Das Haus Fürstenberg plant den Abbau dieses Materials über rund 25 bis 30 Jahre mit einem jährlichen Anteil von 200 000 Tonnen. Das Gebiet ist im Rohstoffkataster des Regionalverbands enthalten, der bis 2025 gilt. Fürstenberg möchte das Material aber bereits jetzt abbauen und hat beim Regierungspräsidium ein Zielabweichungsverfahren beantragt. Diesem Antrag haben die Tübinger Ende Juni stattgegeben. Damit kann das Haus Fürstenberg das Genehmigungsverfahren zum vorzeitigen Abbau durch das Landratsamt Sigmaringen beantragen. Gleichzeitig ist der Mittelberg aber FFH-und Vogelschutzgebiet (Natura-2000), Landschaftsschutzgebiet und Bestandteil des Naturparks "Obere Donau". Besonders fürchten die Anlieger massive Belästigungen durch den mit dem Abtransport verbundenen Schwerlastverkehr. (hps)

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