Die öffentliche Sitzung im Gemeinderat ist zu Ende. Ein Punkt steht noch aus: eine Erklärung des Bürgermeisters in eigener Sache. Danach ist es still und man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören. "Ich werden mit Ablauf des 18. April 2019 in den Ruhestand treten", liest Bürgermeister Alfred Mutter seine Erklärung entschlossen mit fester Stimme vor. Ruhe. Der Gemeinderat muss sich sammeln und die Neuigkeit verdauen.

36 Jahre hat Alfred Mutter dann die Geschicke der Gemeinde Volkertshausen geleitet und erfolgreich vorangetrieben. "Bei meinem Eintritt in den Ruhestand werde ich dann 66 Jahre alt sein, ein Alter, in dem man, so meine ich, ein aktives Berufsleben beenden kann" begründet Mutter seine Entscheidung. Eines seiner wichtigen Ziele war und ist es, den Neubau der Wiesengrundhalle zu realisieren. Geplant ist es, noch in diesem Jahr die Halle ihrer Bestimmung zu übergeben. Dieses und weitere Themen wie Clubhaus des Sportvereins, die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses und Ausweisung neuer Wohngebiete konnte Bürgermeister Alfred Mutter in letzter Zeit anregen und mit dem Gemeinderat auf den Weg bringen.

Alfred Mutter gilt als unentwegter Schaffer. Mit Schulden der Gemeinde hat er angefangen, schwierige finanzielle Zeiten durchlebt und es seit 2012 zu einer schuldenfreien Gemeinde geschafft. Und das trotz immer währender Investitionen in Schule, Kindergarten, Alte Kirche und zusammen mit Aach in das interkommunale Gewerbegebiet.

In seinem direkten Umfeld versteht man seine Entscheidung, auch wenn dies schwerfalle: Die Zusammenarbeit war immer hervorragend, klingt es aus den Dienstzimmern des Volkertshauser Rathauses.

"Er hat der Gemeinde sehr zufriedenstellend gedient", bilanziert Gemeinderätin Getrud Sproll unserer Zeitung. Er habe einen guten, engagierten Job gemacht, führt sie weiter aus. Die Gemeinderäte Rainer Kenzler und Erwin Greuter formulieren es so: Alfred Mutter habe harmonisch und erfolgreich für die Gemeinde gearbeitet und sehr, sehr viel erreicht. Mutter habe immer für die Sache gekämpft. Die Sitzungen seien vom Bürgermeister stets gut vorbereitet worden und er habe einen großen Weitblick bewiesen. Als Vorsitzender des Kulturausschusses weiß Rainer Kenzler, das Alfred Mutter den Vereinen immer sehr zugetan war und immer für die Vereine getan hat, was ihm möglich war. "Ich seh‘ ihn noch vor mir, wie er als Bürgermeisterkandidat im schwarzen Mantel im Hof steht und mir seine Karte hinstreckt", erinnert sich Jürgen Sapper. So einen Bürgermeister, der so hinter der Feuerwehr steht, könne sich jeder Kommandant nur wünschen, bekundet er leidenschaftlich und fügt hinzu, dass zwischen ihnen immer ein direktes und offenes Wort gesprochen werden konnte.

Einen großen Abschied will Mutter nicht. "Ich habe unsere Gemeinderäte um Verständnis dafür gebeten, dass es eine Verabschiedung des Bürgermeisters in der Form, wie dies meist in anderen Gemeinden geschieht, im Blick auf meine Person nicht geben kann und wird." Mutter will zu seinem 66. Geburtstag groß in die Alte Kirche einladen und sich damit bei allen Unterstützern seiner Arbeit bedanken. Der Zukunft ohne Rathaus sieht Alfred Mutter gelassen entgegen. Erstmals werde er nix tun. Reisen und Besuche bei Freunden, Motorrad fahren und vielleicht Musik machen oder von Grund auf Italienisch lernen, habe es sich mal als Aktivitäten ausgesucht – was auch seiner Frau gefallen dürfte.