Ein Stück Zeitgeschichte und eigenes Leben verbindet der Roman Spiegelzeit von Felix Huby. Rund 100 Gäste folgten der spannenden Erzählung bei einer „Erzählzeit“-Lesung in der Alten Kirche in Volkertshausen.

Zum 2. Mal sitzt Felix Huby auf der Bühne der Alten Kirche. Er bittet die Regie um mehr Licht im Saal, denn im Gegensatz zu Schauspielern sehe er gerne seine Zuhörer, sagt er. Nach seinem Roman Lehrjahre setzt er seine Lebensgeschichte fort. Wieder schlüpft er in die Figur von Christian Ebinger, dem Journalisten.

Die angehende Lehrerin Gudrun Ensslin

Damals schrieb Huby unter seinem richtigen Namen Eberhard Hungerbühler für den Spiegel. Mit zu seinen ersten großen Aufträgen gehörte die Berichterstattung über den Prozess der Baader-Meinhof-Gruppe der Rote-Armee-Fraktion. Ebinger lernt die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin mehr zufällig kennen.

Er ahnt nicht, was aus der angehenden Lehrerin einmal werden wird. Detailliert schildert Huby die Gespräche mit der späteren Terroristin, der er erst bei Prozessbegin wieder begegnen wird. Dann allerdings im Hochsicherheitstrakt in Stammheim.

Impressionen vom RAF-Prozess

Der Prozess sei nicht so interessant gewesen, erzählt Christian Ebinger. Anträge wurden gestellt, zurückgewiesen, neue Anträge gestellt, wieder zurückgewiesen. Münztelefone und Tische mit einfachen Schreibmaschinen standen den Journalisten zur Verfügung.

In den glasumschlossenen Bereich des Gerichtsaals durfte nichts Privates mitgenommen werden. Selbst die Bleistifte wurden gestellt. Spannend schildert Huby alias Ebinger den Skandal um die in einer Illustrierten aufgetauchten Prozessbilder. Hier gesteht Felix Huby, dass er die wahre Entstehungsgeschichte der Bilder erst 20 Jahre später erfahren hat.

Interview mit Filbinger

Und die Zeitgeschichte geht weiter. Hochinteressant der Bericht über den Sturz des damaligen Ministerpräsidenten und ehemaligen NS-Marinerichters Hans Filbinger. Mit einem Kollegen erreichte er einen Interviewtermin in Filbingers Privatwohnung. Hier fiel dann der Satz von Filbinger: Was damals Recht war, kann heute kein Unrecht sein. Später trat Filbinger zurück.

Spannend, aber nicht ohne Humor kommt die authentische Geschichte von Felix Huby rüber. Das Publikum ist ergriffen und dankbar und Huby verspricht, in zwei Jahren wiederzukommen. Um die Musiker kann man Volkertshausen beneiden urteilt Felix Huby über das Saxofon-Quartett des Musikvereins, das die Lesung musikalisch umrahmte.