Wissen ist Macht, Mitbestimmen auch. Die Schüler der Klasse 4b in Volkertshausen haben in den vergangenen Monaten ihre Eltern zur Bürgermeister-, dann zur Kommunal- und Europawahl begleitet und hatten dazu einige Fragen. Jetzt haben sie viele Antworten und wissen, wie sie mitbestimmen können – wenn sie dann alt genug sind. Im Rahmen eines Aktionstags der Landeszentrale für politische Bildung erfuhren sie, wie Wahlen funktionieren und warum Demokratie sowie Regeln so wichtig sind. Einen Teil solcher Demokratie leben sie bereits selbst, wie Lehrerin Sarah Block sagt – das beginne bei der Sitzordnung im Klassenzimmer und gehe weiter mit dem Klassensprecher.

Demokratie fängt bei Süßigkeiten an

Schokolade, Gummibärchen oder doch lieber Kekse? Das ist die demokratische Entscheidung, mit der sich die 14 Viertklässler an diesem Vormittag beschäftigen. Nur dass es statt um Parteien wie CDU, SPD oder Grüne um Süßigkeiten geht. Wie die großen, erwachsenen Politiker auch haben sich die Schüler Argumente für ihre Partei überlegt, die sie ihren im Halbkreis sitzenden möglichen Wählern vortragen: „Weiße Schokolade ist einfach nur köstlich, schwarze Schokolade ist gesund und hat die Vitamine A bis Z“, heißt es da. Wenig später verteilt die Keks-Partei kleine Papierkekse als Wahlgeschenk und die Gummibären-Vertreter argumentieren mit einer Produktion in Deutschland. Zuvor hatte die Gummibären-Gruppe noch überlegt, ob sie die Einhorn-Form ihrer Süßigkeit als Pluspunkt nennen – doch dann würden sie womöglich die Jungs verschrecken, also lieber sachlich bleiben.

Mit Gummibären in Einhorn-Form argumentieren? Besser nicht.
Mit Gummibären in Einhorn-Form argumentieren? Besser nicht. | Bild: Arndt, Isabelle

Gummibären sind Wahlsieger

Ohne zu zögern betreten die Kinder dann wenig später eine Wahlkabine. Zumindest die provisorische Version, die Sophie Feiber von der Landeszentrale für politische Bildung aufgebaut hat. Mit dem Wahlergebnis, das sie später gemeinsam ermitteln, lernen die Kinder auch, mit anderen Meinungen und Ergebnissen umzugehen: „Es ist schade, dass meine Gruppe nicht gewonnen hat, aber die Gummibärchen schmecken lecker“, sagt Steven. Das bestätigt, was Lehrerin Sarah Block sagt: „Wenn Schüler mitbestimmen dürfen, haben sie eine höhere Akzeptanz für Regeln.“ In der vierten Klasse könnten die Kinder schon gut reflektieren, welchen Nutzen Regeln haben – sie tragen laut Block zu einem friedlichen Zusammenleben bei. In der Grundschule gehe es allgemein um die Entwicklung vom Ich zum Wir, das sei ein wichtiger Lernprozess im Größerwerden.

Sie wissen jetzt, wie Wahlen funktionieren: Die Klasse 4b der Grundschule Volkertshausen mit (von vorne links) Melina, Lea Nunes, Batoul, Liveta, Rahaf, Leonard und Levin sowie (hinten von links) Manuel, Charlotte, Jerret, Steven, David und Denis. Begleitet wird das Projekt von (hinten von links) Sophie Feiber, Tobia Luck und Lehrerin Sarah Block. Eine Krone für alle gab es, weil jeder mitbestimmen kann – anders als bei einer Monarchie.
Sie wissen jetzt, wie Wahlen funktionieren: Die Klasse 4b der Grundschule Volkertshausen mit (von vorne links) Melina, Lea Nunes, Batoul, Liveta, Rahaf, Leonard und Levin sowie (hinten von links) Manuel, Charlotte, Jerret, Steven, David und Denis. Begleitet wird das Projekt von (hinten von links) Sophie Feiber, Tobia Luck und Lehrerin Sarah Block. Eine Krone für alle gab es, weil jeder mitbestimmen kann – anders als bei einer Monarchie. | Bild: Arndt, Isabelle

Darf nur wählen, wer lange Haare hat?

„Jeder hat schon etwas aufgeschnappt“, bestätigt Tobia Luck, die mit Sophie Feiber aus Freiburg gekommen ist. Sie ist gespannt, welche Erfahrungen am Freitag die Drittklässler der Grundschule Volkertshausen machen werden, der Wissensstand sei von Klasse zu Klasse unterschiedlich. Diese Viertklässler wüssten bereits beeindruckend viel. Dabei hätte sie die Schüler bewusst nicht extra vorbereitet, ergänzt Sarah Block. Nur zum Jahresanfang hätten sie im Unterricht bereits über Kinderrechte gesprochen. Doch die Kinder seien allgemein sehr interessiert und auch informiert, einige hätten ihre Eltern zu Wahlen begleitet.

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So wissen sie beim Grundgesetz-Fehlerquiz sofort, dass nicht nur wählen darf, wer lange Haare hat. Und dass man nicht zwei Stimmen erhält, nur weil man im Winter Geburtstag hat. Es gelten die fünf Wahlgrundsätze, wie Sophie Feiber erklärt: Wahlen sind allgemein, frei, direkt, gleich und geheim.

Beim Grundgesetz-Fehlerquiz gab es teils kreative Tatsachenbehauptungen, die von den Schülern sofort als Humbug entlarvt wurden.
Beim Grundgesetz-Fehlerquiz gab es teils kreative Tatsachenbehauptungen, die von den Schülern sofort als Humbug entlarvt wurden. | Bild: Arndt, Isabelle

Wie Kinder schon mitwirken können

Beim Aktionstag gehe es darum, ein Grundgerüst zu vermitteln – auf einzelne Parteiprogramme einzugehen würde laut Tobia Luck zu weit führen. Doch die Viertklässler wissen nach dem Aktionstag, dass es Parteien gibt und wie sie funktionieren. Schließlich waren sie für diesen Vormittag selbst in einer Partei, die für Schokolade, Gummibärchen oder Kekse einstand. Und sie wissen nun auch, wie sie selbst an solchen Regeln mitwirken können – auch wenn sie noch lange nicht wahlberechtigt sind. Sie können zum Beispiel dem Bürgermeister schreiben, demonstrieren gehen, sich in einem Verein engagieren oder sich später in einem Jugendgemeinderat einbringen, zählt Sophie Feiber auf. Und sie können ihre Eltern motivieren, wählen zu gehen. Denn auch das haben sie gelernt: „Manche lassen es leider sein“, sagt Charlotte.

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