Braucht Volkertshausen eine Kümmererin, einen Anpacker oder einen Verwaltungsprofi? Das können die rund 3100 Einwohner am Sonntag, 20. Januar, bei der Wahl ihres nächsten Bürgermeisters entscheiden. Bei der SÜDKURIER-Podiumsdiskussion im Gasthaus Mohren waren sich die drei einig, dass Volkertshausen nach der Wahl einen guten Bürgermeister haben wird. Allgemein fanden Marcus Röwer, Elke Baumgärtner und Markus Mike Bumiller besonders positive Worte für sich selbst, für ihre Mitbewerber und natürlich für Volkertshausen. Denn mit den Begriffen Kümmererin, Anpacker oder Verwaltungsprofi beschrieben sie nicht etwa sich selbst, sondern ihre Mitstreiter.

Themen, die auch anderswo im Hegau bewegen

Wenn es nach dem Stimmungsbild zu Beginn geht, ist wenige Tage vor der Wahl noch vieles offen: Nur wenige der rund 150 Besucher reckten die SÜDKURIER-Kärtchen bei der Frage, ob sie sich bereits für einen Kandidaten entschieden haben. Zwei Stunden später zeigten einige mehr ihr Kärtchen. In der Zwischenzeit konnten die Kandidaten Fragen von den SÜDKURIER-Redakteuren Albert Bittlingmaier und Daniel Schottmüller sowie vom Publikum zu beantworten. Zuvor hatte der stellvertretende SÜDKURIER-Chefredakteur Jörg-Peter Rau sein Bedauern ausgedrückt, falls einzelne Gemeinderäte oder Bürgermeister Alfred Mutter sich durch die SÜDKURIER-Berichterstattung angegriffen fühlten.

Der stellvertretende SÜDKURIER-Chefredakteur Jörg-Peter Rau begrüßt die Besucher und die Bürgermeister-Kandidaten (von links) Marcus Röwer, Elke Baumgärtner und Markus Mike Bumiller.
Der stellvertretende SÜDKURIER-Chefredakteur Jörg-Peter Rau begrüßt die Besucher und die Bürgermeister-Kandidaten (von links) Marcus Röwer, Elke Baumgärtner und Markus Mike Bumiller. | Bild: Tesche, Sabine

Bei der anschließenden Diskussion kamen auch Themen zur Sprache, die anderswo im Hegau bewegen: Wie viel Wachstum verträgt die Gemeinde, fragten die Moderatoren. Wie kann der Verkehr beruhigt werden, wollte Reiner Zimmermann wissen. Wie sollen die Anwohner mit Bürgerversammlungen einbezogen werden, fragte Siegfried Möhrle. Und Gabi Briel hakte nach, ob ein Wechsel an der Spitze weitere Wechsel in der Verwaltung mit sich bringen könnte.

Unterschiede liegen im Detail

Bei den Antworten unterschieden sich die Kandidaten meist nur wenig. Eine Großstadt soll und kann Volkertshausen nicht werden. Röwer kann sich auch Sechs-Parteien-Häuser vorstellen, Baumgärtner mag keine Hochhäuser und Bumiller will den Ortskern erhalten. Bei der Straße sei das Landratsamt zuständig. Denkbar sei eine Anzeigentafel, die Autofahrern ihre überhöhte Geschwindigkeit bewusst macht. Elke Baumgärtner plädierte hier wie bei einigen Themen dafür, Menschen ihr Verhalten erst vor Augen zu führen, statt pauschal abzustrafen. "Ich kann nicht zaubern", sagte Marcus Röwer bereits zur Verkehrsgefährdung an der Hauptstraße und wog wie bei vielen Themen ab, was möglich sei. Und Markus Mike Bumiller sprach sich, wie auch die anderen, dafür aus, hartnäckig zu bleiben.

Sie sind sich einig bei Bürgerversammlung, Begrüßung und Mitarbeitern

Viele Dinge würden die Kandidaten ähnlich machen wir ihr Vorredner. Sie würden alle jährlich zur Bürgerversammlung einladen. Und sie würden alle an ihrem ersten Tag erst einmal die Mitarbeiter begrüßen. Dabei möchten sie alle erstmal mit den erfahrenen Mitarbeitern wollen. Bumiller schloss einen Personalwechsel nicht aus, falls es nicht funktioniere, und Baumgärtner kündigte zur Entlastung eine zusätzliche Stelle an. Auf die Frage nach dem drängendsten Problem, das sie am ersten Tag angehen würden, nannte Baumgärtner eine fehlende Straßenlaterne. "Ich möchte ein Licht setzen" und erstmal Kleinigkeiten lösen, wie sie sagte – eine neue Halle gebe es ja. "Ich bring' Kuchen mit", versprach Bumiller und will sich um die Übergabe laufender Projekte kümmern. Röwer würde sich einen Überblick zur Gemeindeinfrastruktur machen.

Einzig Markus Mike Bumiller diskutiert

Für ein wenig Gegenwind sorgte am Abend allein Markus Mike Bumiller, der sich selbstkritisch zeigte: Die Feuerwehr nicht zu grüßen, sei offenbar ein heißes Thema. Dass er dies nicht getan habe, war ihm bei der Kandidatenvorstellung vorgehalten worden, also holte er es nun nach. Als Marcus Röwer den Breitbandausbau als Priorität am ersten Arbeitstag nannte, hakte Bumiller nach. Und als Röwer auf ein laufendes Gutachten und Sachverständige verwies, erwiderte Bumiller: "Gut, dass Sie auch darauf zurückgreifen."

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Warum der Einzelne am besten ist

Trotz aller positiver Worte war jeder Kandidat überzeugt, selbst der richtige künftige Bürgermeister zu sein. "Ich kann Vieles ein bisschen", sagte Marcus Röwer. Er beschrieb sich als Allrounder, der den vielfältigen Aufgaben mit seiner Verwaltungserfahrung gerecht werde. "Ich kann sehr gut zuhören und vermitteln", sagte Elke Baumgärtner. Das Miteinander sei angesichts einiger Bauprojekte auf der Strecke geblieben. Dabei verwies sie wiederholt auf ihre Idee einer Art Mensa für alle mit Räumen für Kinderbetreuung oder Tagespflege. Markus Mike Bumiller sah seine geringen Verwaltungskenntnisse als Vorteil: "Ich bringe eine andere Betrachtungsweise mit." Während man als Unternehmer auch mal etwas riskieren müsse und für Konsequenzen selbst gerade stehe, müsse er es als Bürgermeister entspannter angehen.

So soll Volkertshausen in zehn Jahren aussehen

Und wo sehen die Bewerber das Dorf in zehn Jahren? Auf diese Frage von Dirk Köster antworteten die Bürgermeister-Kandidaten unterschiedlich: Elke Baumgärtner möchte für stabile Einnahmen das Gewerbe und zudem die Gemeinschaft stärken, Marcus Röwer möchte gemeinsam ein Leitbild erarbeiten und umsetzen, Markus Mike Bumiller möchte Bestehendes erhalten und um Erleichterungen wie Breitband ergänzen. "Es soll kein High-End-Luxusdorf werden, sondern den Charme behalten", sagte Bumiller. Und da sind sich wieder alle Kandidaten einig.

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Die Portraits der drei Kandidaten finden Sie hier: Marcus Röwer, Elke Baumgärtner und Markus Mike Bumiller.