Viele Hände gehen bei der Hauptversammlung der SPD in Volkertshausen in die Höhe, als es um die Frage geht, wer denn schon abgestimmt hat. Ob für oder gegen die Große Koalition, darüber wird nichts verraten. Ortsvorsitzende Melanie Geiges beschreibt die Stimmung in ihrem Verein als genauso gespalten wie die der Partei im Allgemeinen. Beim Adventskaffee 2017, als für eine Jamaika-Koalition bereits kein Land mehr in Sicht war, schien die Tendenz bei den Mitgliedern jedoch noch klar gegen die Große Koalition gerichtet zu sein.

Mit einer Runde aus mehr als 20 Leuten startet der SPD-Ortsverein Volkertshausen in seine Hauptversammlung. Mit dabei sind Marian Schreier, Bürgermeister aus Tengen, sowie Mitglieder der Ortsvereine Steißlingen und Konstanz. Auch neue Gesichter begrüßt Melanie Geiges, denn seit Dezember konnte der Verein fünf neue Mitglieder willkommen heißen und folgt damit einer Tendenz der gesamten SPD.

Protokollführerin Jutta Veit lässt in ihrem Jahresbericht anklingen, bei wie vielen Veranstaltungen der Ortsverein Volkertshausen im Jahre 2017 teilnahm. Melanie Geiges bedankt sich daran anknüpfend in ihrem Bericht für die aktive Beteiligung von Reinhard Veit, Arno Reiser und Johannes Spinner, die den Ortsverein bei den meisten dieser Veranstaltungen vertreten haben. Auch betont sie die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der Ortsvereine im Kreis Konstanz. Um diese zu stützen, ist auch eine Kooperation mit Steißlingen und dem dort engagierten Ortsvorsitzenden Daniel Kuppel geplant. Auch mit dem Ortsverein Reichenau will man im kommenden Jahr enger zusammenarbeiten.

Vor allem geht Geiges aber auf die aktuelle Situation und damit auf das laufende Mitgliedervotum und die Entscheidung über eine Große Koalition ein. Sie wird gegen die Große Koalition stimmen. Ihrer Meinung nach wird im Koalitionsvertrag zu wenig Ausschlaggebendes der SPD umgesetzt und auch die Personalien seien nicht zufriedenstellend. Des Weiteren hätte sie ein Mitgliedervotum vor den Sondierungsgesprächen für sinnvoll gehalten. "Vor allem aber mag ich die Angstmacherei der Presse nicht", so Geiges, ihr fehle eine neutrale Berichterstattung der Medien, sodass jeder Bürger sich eine eigene, unbeeinflusste Meinung bilden könne. Auch von den immer wieder auftauchenden Umfragewerten hält sie nichts: "Umfragewerte spiegeln nicht die Meinung des Volkes wieder, sondern verändern sie." Trotz allem steht sie für ihre Partei ein und ist der Meinung: "Mit der Großen Koalition gehen wir nicht in die richtige Richtung, als solche wurden wir schon abgewählt."

Marian Schreier leitet an diesem Morgen die Entlastung des Vorstands: Er lobt den Ortsverein für sein Engagement und beschreibt dessen positive Grundhaltung, egal in welcher Situation die Partei stecke. Doch auch er kommt hauptsächlich auf die momentane Situation zu sprechen: Zuerst hebt er die für ihn bemerkenswerte Diskussion der Mitglieder der Ortsvereine hervor, die seiner Ansicht nach immer sehr fair und kontrovers ablief.

Schreier selbst versucht strategisch auf die Große Koalition zu blicken: "Wenn die Große Koalition nicht zustande kommt und Neuwahlen entstehen, kann das Ergebnis wieder in einer Große Koalition enden oder die Wähler stellen sich gegen die SPD, da diese gezeigt hat, dass sie nicht in die Regierung gehen wird", so der Bürgermeister aus Tengen. Für ihn entscheidet das Mitgliedervotum also auch darüber, ob die SPD weiterhin eine relevante, gestaltende Partei ist. "Die Dinge in der Partei müssen sich ändern: Wir sollten das Personal verjüngen und inhaltlich auf die Höhe der Zeit kommen", betont Schreier zusätzlich. Er und Melanie Geiges fordern am Ende alle Parteimitglieder dazu auf, abzustimmen, egal wie sie sich entscheiden. Darüber, wie sie selbst die Große Koalition sehen, konnten die Mitglieder beim Mittagessen dann auch noch inoffiziell, außerhalb der Sitzung, diskutieren. Innerhalb der Sitzung wollte die Allgemeinheit das nicht mehr tun. "Die SPD ist die einzige Partei, die ihre Mitglieder abstimmen lässt und darauf können wir stolz sein", fügt Kassierer Reinhard Veit abschließend hinzu.

Das Mitgliedervotum

Zehn Tage hatten die SPD-Mitglieder nun Zeit, um sich zu entscheiden ob sie für oder gegen die Große Koalition stimmen wollen. Heute, am 2. März, sollen die ausgefüllten Stimmzettel in Berlin eingehen. Dann werden sie ausgewertet und das Ergebnis am 4. März präsentiert. Wenn mindesten 20 Prozent der Mitglieder abgestimmt haben, ist das Votum verbindlich.