Wenn Ende September samstags acht Traktoren, mit Heckschaufel ausgestattet und teilweise bereits Oldtimer, in einem Korso durch Büßlingen fahren, wissen die meisten Büßlinger Einwohner, was Sache ist: Die Kürbisflüsterer wiegen ihre Kürbisse und küren ihren Kürbiskönig.

Das Besondere in diesem Jahr war die Begleitung der Wiege-Aktion durch ein Fernsehteam des SWR. Die Kürbisflüsterer, eine Gemeinschaft von rund 15 Mitstreitern, gibt es seit 2009. Alle haben das Ziel, im Herbst einen möglichst schweren Kürbis zu präsentieren.

Der Garten als Naherholungsort

Laut ihren Unterlagen gab es 2010 das erste Wiegen. Heiko Zimmermann war der Initiator, „ich habe alleine mit einer Züchtung angefangen und dann rumgefragt, wer mitmachen will. Mal waren es mehr Züchter, das Jahr darauf wieder weniger.“

Für ihn, der Präsident des Narrenvereins Clown und Römer Büßlingen ist, im Musikverein Büßlingen Trompete spielt, zu den Theaterspielern in Büßlingen gehört und eine Familie mit drei Kindern hat, ist der Garten Rückzugsort. „Dort kann ich abschalten“, ergänzt Zimmermann.

Christoph Ritzi (re.) hat es geschafft, sich mit seinem Kürbis zwischen die beiden Brüder Patrick und Heiko Zimmermann (Mitte) zu schieben.
Christoph Ritzi (re.) hat es geschafft, sich mit seinem Kürbis zwischen die beiden Brüder Patrick und Heiko Zimmermann (Mitte) zu schieben. | Bild: Elisabeth Stauder

Alle Kürbisflüsterer, zu erkennen am braunen Sweatshirt mit aufgedrucktem Kürbis, äußern sich ähnlich. Sie arbeiten gerne im Garten beziehungsweise draußen in der Natur, in der Streuobstwiese und im Wald.

Die große Frage war auch in diesem Jahr: Wird Heiko Zimmermann oder wie in den letzten drei Jahren sein Bruder Patrick Kürbiskönig oder schafft es ein anderer, in die Phalanx der Brüder einzubrechen? Bei schmudeligem Wetter wurden alle Kürbisse aus Gärten im Ort, aber auch um den Ort herum herbeigefahren. Die Kürbisse durften erst nach Eintreffen des Konvois vom Strang entfernt werden und wurden an Ort und Stelle gewogen.

Mike Reinhart: „Mir ist die Ranke gebrochen und damit war Schluss.“
Mike Reinhart: „Mir ist die Ranke gebrochen und damit war Schluss.“ | Bild: Elisabeth Stauder

Hierfür hat Christoph Ritzi eine Aufhängung mit Autogurten konstruiert. „Anhaltspunkte hierfür hab ich in Ludwigsburg gesehen“, will der erfinderische Ritzi sich nicht mit fremden Federn schmücken. Nicht an der Wiegung teilnehmenn konnte Mike Reinhart aus Beuren: „Mir ist die Ranke abgebrochen und damit war Schluss.“ Eine vor einem Monat aufgebrochene Ranke bereitete auch Christian Müller Sorgen. Er reparierte die Ranke mit Panzertape, sein Kürbis brachte es noch auf 53 kg.

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Der Samen wird zugekauft oder, wie Oswin Weber verrät, aus den eigenen Kübissen gewonnen. Stefan Ritzi beantwortet, was wichtig ist für einen großen schweren Kürbis: „Viel gießen, guter Dünger wie Pferdemist und Kompost und ein sorgfältiges Eingraben der Ranken.“

Trotzdem kann es durch einen Pilzbefall zu einem Total- oder Teilausfall kommen. „Bei mir waren nur vier von möglichen 25 Seitenranken gut, der Rest war abgefault“, erläutert der letztjährige Champion Patrick Zimmermann. Sein Kürbis lag dennoch mit 252 kg an der Spitze.

Seriensieger Patrick Zimmermann: „Bei mir waren nur vier von möglichen 25 Seitenranken gut, der Rest war abgefault.“
Seriensieger Patrick Zimmermann: „Bei mir waren nur vier von möglichen 25 Seitenranken gut, der Rest war abgefault.“ | Bild: Elisabeth Stauder

Auch die ähnlich großen Exemplare von Heiko Zimmermann und Christoph Ritzi waren nicht schwerer. Somit hieß zum 4. Mal in Folge der Sieger Patrick Zimmermann.

Zum ersten Mal gab es drei Kürbisse mit über 200 kg. Allerdings verriet der Kürbiskönig 2020: „Es ist definitiv das letzte Mal, nächstes Jahr bin ich nicht mehr dabei.“

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