Tengen – Steil ziehen sich die Hänge über Tengen-Uttenhofen nach oben. Das unwegsame Gelände ist unrentabel. Doch das schreckt Landwirt Simon Herzog auch nach zehn Jahren als zertifizierter Biolandwirt nicht ab. „Wir haben unsere Traktoren mit Zwillingsreifen ausgestattet. So können wir die Hänge befahren und ein- bis zweimal pro Jahr pflegen.“ Und den Rest machen die Kühe. Simons Herzogs Vater Rudolf erklärt: „An den Hängen sieht man Streifen, die die Kühe hinein getrampelt haben.“ In den Alpen wisse man davon, dass die von den Rindern ausgetretenen Stufen vor Wasser und Schnee schützen. „Die Rinder machen den besten Lawinenschutz“, sagt Herzog und erzählt von seinem Leben als Landwirt.

Simon Herzog bewirtschaftet 120 Hektar Fläche. Davon etwa ein Drittel Äcker, auf dem Getreide und Kleegras angebaut werde. Den Großteil der Fläche nutzt der Biobauer als Grünland. Als Bioland-Landwirt achte er auf eine ordentliche Fruchtfolge. Nach Weizen komme Hafer, dann Triticale, eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen. Anschließend werde Gerste als mehrjähriges Ackerfutter angebaut. Zwischendrin werden die Äcker immer wieder begrünt.

„Unsere Kühe dürfen alle raus. Im Sommer sind sie mindestens sieben Monate draußen“, erläutert Herzog. Das Futter für die Tiere produziert der Landwirt auf den eigenen Feldern. Es gebe einen eigenen Betriebskreislauf, zu dem möglichst wenig hinzu gekauft werden soll.

In trockenen Jahren allerdings gebe es manchmal zu wenig Futter. „Dann helfen wir uns gegenseitig und bekommen das Futter von naheliegenden Biohöfen, etwa dem Haslacherhof oder dem Berghof.“

Diese kargen Hügel sind wirtschaftlich betrachtet unrentabel. Bioland-Landwirt Simon Herzog von der Talmühle in Tengen-Uttenhofen bewirtschaftet sie trotzdem. Der Hof ist seit zehn Jahren als Bioland-Hof zertifiziert. Die Lebensqualität für Landwirt und Tiere steige durch diesen Schritt, sagen Vater und Sohn.
Diese kargen Hügel sind wirtschaftlich betrachtet unrentabel. Bioland-Landwirt Simon Herzog von der Talmühle in Tengen-Uttenhofen bewirtschaftet sie trotzdem. Der Hof ist seit zehn Jahren als Bioland-Hof zertifiziert. Die Lebensqualität für Landwirt und Tiere steige durch diesen Schritt, sagen Vater und Sohn. | Bild: Uli Zeller

Der Hof ist 2021 seit zehn Jahren als Bioland-Hof zertifiziert. Ein Schritt, den Vater Rudolf Herzog in die Wege geleitet hatte und den Sohn Simon Herzog als wegweisend für die Zukunft bezeichnet. Die Lebensqualtität für Landwirt und Tiere steige durch diesen Schritt. „Es finden jährliche Prüfungen statt, ob alles mit rechten Dingen zugeht“, erläutert Herzog. So werde zum Beispiel das Getreide vor Abholung auf Pestizide geprüft.

„Bei 120 Tieren ist immer was los“, erläutert Herzog. Da sei immer mal eine Kuh dabei, die humpelt – oder eine Geburt. Gerade neulich sei ein Kalb gestürzt. Anschließend sei die Mutter über ihr Kalb gestolpert und habe ihm den Fuß gebrochen. „Wir haben den Fuß geschient und uns um das Kalb gekümmert“, erzählt der Landwirt. Simon Herzog bedauert, dass es so wenige kleine bäuerliche Betriebe gebe, die noch von Familien bewirtschaftet werden. Es gebe immer mehr Großbetriebe: „Immer wenn ein Betrieb aufhört, wird ein anderer größer – und einseitiger.“

Die Herzogs sehen auch die Verbraucher in der Pflicht

Er sei froh, einen Biobetrieb zu führen und wolle nie wieder zurück zur konventionellen Landwirtschaft. „Die Milchleistung unserer Kühe ist nicht so hoch. Dafür können wir ihnen eigenes Futter geben und müssen kein teures Kraftfutter kaufen.“ Herzog nimmt wahr, dass die Bevölkerung die Arbeit der Landwirte nicht sehr hoch schätze. „Einerseits sind die Menschen zunehmend für Umweltschutz und für das Tierwohl.“ Andererseits sei die Bevölkerung nicht bereit, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Simon Herzogs Vater bringt es mit einem Vergleich auf den Punkt: „Man sollte es machen wie beim Auto – und das Beste nehmen.“

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Simon Herzog hatte zunächst Zimmermann gelernt und zehn Jahre in diesem Beruf gearbeitet. „Ich kenne also das andere Leben auch“, erläutert er. „Und manchmal fehlt es mir, dass ich auch mal am Wochenende frei habe und am Ende des Monat meinen Lohn auf das Konto bekomme.“