Mit hängenden Schultern verließen viele der Katholiken im März die Informationsveranstaltung in der Kirche. Die Neuigkeiten der letzten Tage drückten aufs Gemüt: Pfarrer Dörflinger verlässt Tengen.

Hinzu kam die Aussicht, dass Tengen wohl keinen eigenen Pfarrer mehr bekommt – sondern künftig von Engen aus mitversorgt wird. Und auf dem Wahlzettel für den neuen Tengener Pfarrgemeinderat standen nur zwei Kandidaten.

Wähler machen Vorschläge

Um einen eigenen Pfarrgemeinderat für die Seelsorgeeinheit bilden zu können, sind jedoch mindestens neun Mitglieder notwendig. Bei manchem blieb wohl das Gefühl zurück, bald nur noch ein Anhängsel an die Engener Kirche zu sein – und als Tengener ohne eigenen Pfarrgemeinderat nur noch wenig zu melden zu haben. Doch es kam anders.

Es kann durchaus sein, dass es ein Wunder war, vielleicht kam die Wende auch nur durch geschickte Absprachen zustande. Jedenfalls wurden bei der Pfarrgemeinderatswahl von den Wählern genügend neue Katholiken mit ausreichender Stimmenzahl auf dem Stimmzettel vorgeschlagen. Sie brauchten nur noch ja zu sagen – das taten sie, und jetzt hat Tengen doch wieder einen eigenen Pfarrgemeinderat.

Mittelpunkt der Seelsorgeeinheit: die St. Laurentius-Kirche in Tengen.
Mittelpunkt der Seelsorgeeinheit: die St. Laurentius-Kirche in Tengen. | Bild: Uli Zeller

Die Vorsitzende des ehemaligen Pfarrgemeinderates, Ulla Welte, betont: „Nach zwanzig Jahren ist es für mich Zeit zu gehen, damit wieder Jüngere nachrücken, Verantwortung übernehmen und die Kirche mit neuen Ideen weiterbringen können.“

Welte hat in dieser Zeit die Errichtung der Seelsorgeeinheit Tengen mit erlebt. Aus drei Pfarreien auf Tengener Gemarkung sei in den letzten zwei Jahrzehnten eine Seelsorgeeinheit zusammengewachsen. „Die verschiedenen Gemeinden harmonieren nun gut zusammen. Wir haben einen gemeinsamen Nenner“, findet Welte.

Schade sei jedoch, dass es noch kein rollierendes System gebe, bei dem der Sonntagsgottesdienst abwechselnd in verschiedenen Orten stattfinden kann.

Eigenständige Seelsorgeeinheit

Bernd Büttner als Vorsitzender des neuen Pfarrgemeinderates erläutert: „Ich wünsche mir einen großen Zusammenhalt in der Seelsorgeeinheit, möchte das Gemeinschaftsgefühl in der gesamten Kirchengemeinde fördern und stärken.“ Der Erhalt der Seelsorgeeinheit Tengen Bernhard von Baden sei ein wichtiger Aspekt mit regelmäßigen Gottesdiensten.

„Ich hoffe, dass die Seelsorgeeinheit Tengen eigenständig bleibt. Mit einem eigenen Pfarrgemeinderat ist das sicher einfacher.“ Sieben der zehn Pfarrgemeinderäte seien neu im Gremium. Und auch mehr Jüngere seien dabei. „Das sehe ich als große Chance, den Generationswechsel positiv und interessant zu gestallten“, so Büttner.

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Gemeinsam würden sie neue Möglichkeiten von Kirche vor Ort ausloten, sagt der neue Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Dazu gehöre auch, die gute Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde auszubauen.

Seine Gedanken über die Zukunft der Kirchengemeinde in Tengen fasst Büttner mit einem Bild zusammen: „Es wird kein einfacher Weg. Aber es ist meine Entscheidung, ob ich aus Steinen auf meinem Weg eine Mauer oder Brücken baue.“