Schon längst ist der Putz an der Wand abgeblättert. Davor hängt hoch aufgelöst das Bild eines Rüsselkäfers. Dieser ruht auf der Blüte einer sibirischen Schwertlilie. Auf dem Foto sind die feinen Strukturen zu erkennen.

„Was für ein Kontrast. Dahinter die Mauer mit den Löchern. Davor solch ästhetische Bilder“, fasst Wilfried Matt aus Riedheim zusammen. Er ist einer von rund 90 Besuchern, die an diesem sonnigen Tag ins Schloss Blumenfeld gekommen sind.

1,4 Millionen für Landschaftspflege

In den Ausstellungsräumen befinden sich auch Informationstafeln über den Landschaftserhaltungsverband (LEV) Konstanz, der die Ausstellung durchführt. „In fast jedem Landkreis Baden Württembergs gibt es einen Landschaftserhaltungsverband“, berichtet Geschäftsführer Tilo Herbster.

1,4 Millionen Euro gebe der LEV jährlich für die Landschaftspflege aus. Das Geld komme vom Land. „Wir pflegen damit rund 1600 Hektar Fläche verteilt auf mehrere hundert einzelne Pflegeflächen in allen Naturschutzgebieten im Landkreis Konstanz“, erläutert Herbster.

Josef Münch aus Watterdingen betrachtet bei der Vernissage das Foto eines westlichen Schneckenfalters. Die in Deutschland gefährdete Art ist bei der Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Konstanz noch bis Ende August zu sehen.
Josef Münch aus Watterdingen betrachtet bei der Vernissage das Foto eines westlichen Schneckenfalters. Die in Deutschland gefährdete Art ist bei der Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Konstanz noch bis Ende August zu sehen. | Bild: Uli Zeller

Natur pflegen rettet Arten

Der Klimawandel treibe das Artensterben voran, sagt er. Unter anderem bedroht seien neben Bienen auch Spinnen. „Wenn wir die Landschaft pflegen, merken wir aber, dass die Arten auch schnell wieder da sind“, erläutert Herbster im Schlosshof.

Als Beispiel nennt er verlassene Kiesgruben. Dort würden sich schnell wieder Schmetterlinge ansiedeln. Dass die Ausstellung, die die Arbeit des Verbands vorstellt, in einem alten Schloss stattfindet, passt seiner Meinung nach gut.

Früher lief alles langsamer

Zur Zeit des Schlossbaus habe man ohne Geräte Landwirtschaft betrieben – dadurch lief alles langsamer. „Die Tiere hatten damals noch die Möglichkeit, zu flüchten und sich an einem anderen Ort anzusiedeln“, so Herbster.

Das könnte Sie auch interessieren

Tengens Bürgermeister Marian Schreier zeigte sich „nach Monaten ohne solche Veranstaltungen“ erfreut über die vielen Besucher der Vernissage. „Landschaften werden erst dadurch schön, dass Menschen sie mit Beziehungen und Geschichten verbinden“, so Schreier.

Christiane Feucht hat die Ausstellung nach Blumenfeld geholt. Sie ist Projektleiterin beim Deutschen Verband für Landschaftspflege und Teilnehmerin am sogenannten Summer of Pioneers. Sie lebt seit einigen Wochen mit rund 20 anderen kreativen Köpfen im Schloss.

Christiane Feucht lebt und arbeitet als Pionierin im Blumenfelder Schloss. Hier zeigt sie bei der Vernissage ein Naturfoto von Fotograf Heiner Werner. Seine Bilder sind bis Ende August in der Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Konstanz im Schloss zu sehen. Das Foto zeigt einen Rüsselkäfer auf der Blüte einer sibirischen Schwertlilie.
Christiane Feucht lebt und arbeitet als Pionierin im Blumenfelder Schloss. Hier zeigt sie bei der Vernissage ein Naturfoto von Fotograf Heiner Werner. Seine Bilder sind bis Ende August in der Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Konstanz im Schloss zu sehen. Das Foto zeigt einen Rüsselkäfer auf der Blüte einer sibirischen Schwertlilie. | Bild: Uli Zeller

„Wo sonst die Kronjuwelen aufbewahrt wurden, können Sie heute die Juwelen der Natur sehen“, lädt sie die Besucher zur Vernissage ein. Die Schau sei eine Wanderausstellung des Landschaftserhaltungsverbands (LEV). Während Corona habe sie geruht. Nun konnte die Ausstellung kurzfristig nach Blumenfeld geholt werden.

Einen zentralen Platz in der Ausstellung haben die Bilder von Heiner Werner. Er ist Naturfotograf. Seine Liebe zur Natur habe er von seinem Vater, einem Hobby-Vogelkundler, geerbt. Zunächst habe Werner Vögel gemalt. „Durch meinen Beruf hatte ich weniger Zeit. Daher bin ich auf die Fotografie umgestiegen“, berichtet er den Besuchern im Schlosshof.

Seit Jahrzehnten betreue er Naturschutzgebiete. Daher komme er in Bereiche, in die andere nicht kommen. Außerdem wisse er, wie er sich zu verhalten habe, um behutsam mit der Natur umzugehen.