Die Arbeiten am neu entstehenden Tengener Zentrum machen Fortschritte: Das Ärztehaus soll im Juni fertiggestellt werden, und in Kürze wird das DRK-Heim abgerissen. Der Bürgersaal könnte bis Frühjahr oder Frühsommer 2022 fertig sein, wie Bürgermeister Marian Schreier in Berufung auf Ausführungen von Architekt Werner Bäuerle erläutert.

„Fast umgehauen“

Aktuell diskutierte der Gemeinderat über die höheren Kosten, die zwischen Kostenschätzung und aktueller Planung liegen. Josef Ritzi (SPD) beschreibt das Problem im Gemeinderat: „Mich hat es fast umgehauen, als ich die Kostensteigerung gesehen habe. Wir haben noch nichts gemacht – und das Gebäude ist schon 400.000 Euro teurer.“

Die Mehrkosten liegen dabei vor allem im Bereich der Technik. Der größte Kostenfaktor sei dabei die Medientechnik, zunächst die Steuerung der Konferenzsprechanlage, aber auch die Anlage selbst, wie Bürgermeister Marian Schreier erläuterte.

Zugleich wies er darauf hin, dass durch einen höheren Energiestandard das Projekt auch stärker gefördert werde und dadurch ein geringerer Anteil Mehrkosten für die Stadt entstünden. „Wir sind heute viel tiefer im Projekt als bei der Kostenschätzung 2019. Jetzt betrachten wir das Gebäude im Detail, also wo werden beispielsweise Kabel geführt und Steckdosen montiert“, so Schreier.

Wichtig für die Vereine

Thomas Wezstein, Vorsitzender der Freien Wähler, betonte: „Wir sollten die Technik nicht zurückdrehen.“ Der Bürgersaal sei wichtig für die Vereine und solle die nächsten Jahrzehnte genutzt werden können. Allerdings könne man doch für ähnliche Projekte künftig bereits in der Vorplanung Fachplaner hinzuziehen, etwa für Elektronik und Medientechnik.

Bürgermeister Marian Schreier versprach zudem, die Technik noch durch einen zweiten Sachverständigen prüfen zu lassen. Bei der Abstimmung stimmten Freie Wähler und SPD geschlossen dafür, die Bauleistung auszuschreiben. Vier von sechs CDU-Gemeinderäten stimmten dagegen.

Tengen braucht den Bürgersaal

Albrecht Finsler, Vorsitzender der Tengener CDU, stimmte dafür und erläuterte auf Nachfrage des SÜDKURIER: „Wir sind nicht gegen den Bürgersaal. Tengen braucht diesen und er wird auch gebaut werden.“ Der Großteil seiner Fraktion sei aber deshalb dagegen gewesen, weil der Saal bereits vor Baubeginn viel teurer geworden sei – und vermutlich noch teurer werde.

Die Ortsvorsteherin von Watterdingen, Jennifer Maier (CDU), sagte: „Alle Ortschaften wurden in den Sparmodus befördert. Nicht nur im Unterhalt – auch bei den Neuanschaffungen.“ Selbstverständlich werde auch dieses Gebäude erhebliche Unterhaltskosten mit sich bringen. Dazu komme, dass anderen Ortschaften auch Neuanschaffungen verwehrt worden seien, wie beispielsweise die dringend benötigten Buswartehäuschen in Watterdingen.

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Nach dem Votum der Gemeinderäte zu urteilen, ist der Saal jedoch nicht nur ein Anliegen der Kernstadt. Denn auch ein Großteil der Räte aus den Tengener Teilorten stimmten für die Ausschreibung der Bauleistungen. Der neue Bürgersaal soll eine Heimat für Vereine aus Kernstadt und Teilorten werden. Auch Gemeinderatssitzungen sollen dort stattfinden.

Ein Mitglied des Tengener Gemeinderates fasste nach der Sitzung schmunzelnd zusammen, durch die neue Technik sei der gute Ton für die Ratssitzungen schon mal gewährleistet.