Auf dem Föhrenhof der Gebrüder David und Jonas Fuchs in Altdorf, Nachbarort von Tengen-Wiechs am Randen, war kürzlich der Schaffhauser Kampagnenstart gegen die Massentierhaltungsinitiative. „In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung“, sagte der Schaffhauser Bauernverbandspräsident Christoph Graf. Die Eidgenossen hätten weltweit das strengste Tierschutzgesetz und die Höchsttierbestände seien limitiert. Nach der Höchstbestand-Verordnung des Schweizer Bundesamtes für Landwirtschaft Pro Betrieb dürfen maximal 27.000 Masthühner, 18.000 Legehennen, 1500 Schweine oder 300 Kälber gehalten werden.

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Adrian Waldvogel sagte als Präsident der Schweizer Geflügelproduzenten, dass die kleinstrukturierten Schweizer Familienbetriebe nicht mit den industriellen Geflügelproduktionen im Ausland mit Beständen von über einer Million Tieren zu vergleichen sind. Auch in Deutschland gibt es keine absolute Obergrenzen.

Die Schweiz entscheidet im September in einer Volksabstimmung darüber, ob Massentierhaltung künftig noch ausgeführt werden kann. Als Massentierhaltung bezeichnen die Initianten alle Formen der landwirtschaftlichen Tierhaltung, bei denen das Tierwohl aus Wirtschaftlichkeitsgründen systematisch verletzt wird.

Kritiker sagen: Konsumenten kaufen nicht so viel Bio-Lebensmittel

„Die Größe von Stallbauten wird in der Praxis allerdings durch verschiedene Regelwerke wie Baurecht, Düngeverordnung oder Emissions- und Umweltrecht begrenzt“, sagte Roger Fechler, Leiter Fachbereich Vieh und Fleisch beim Deutschen Bauernverband, auf Anfrage vom SÜDKURIER. Ein gewichtiges Argument der Gegner ist die Kaufbereitschaft für Bio-Lebensmittel, die nicht im geforderten Maß vorhanden sei.

„In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung“, Christoph Graf aus Ramsen, Präsident vom Schaffhauser Bauernverband
„In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung“, Christoph Graf aus Ramsen, Präsident vom Schaffhauser Bauernverband | Bild: Thomas Güntert

Im vergangenen Jahr seien laut Adrian Waldvogel in der Schweiz 132.000 Tonnen Geflügelfleisch konsumiert worden, wobei der Selbstversorgungsgrad bei 58 Prozent gelegen habe. Vom Schweizer Geflügel seien 92 Prozent aus besonders tierfreundlicher Stallhaltung (BTS-Norm) registriert, sechs Prozent aus Freiland- und zwei Prozent aus Biohaltung. Der Marktanteil von Bio-Lebensmittel liege in der Schweiz lediglich bei elf Prozent und in Deutschland mit rund sieben Prozent noch tiefer. Wenn zu viele Bioprodukte auf dem Markt seien, würde die überschüssige Ware deklassiert und müsste trotz den höheren Produktionskosten billiger verkauft werden.

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Der Ständerat Hannes Germann bemerkte, dass die Regierung die Initiative ablehnt, die ein höheres Schlachtalter und Freilauf für die Tiere fordert. Bei der Annahme der Volksinitiative könnten für allfällige Bauvorhaben Kosten von über einer Milliarde Franken ausgelöst werden. Betriebe, für die ein Umbau zu teuer oder nicht realisierbar wäre, würden aus der Produktion aussteigen.

Kritiker zeichnen eine düstere Zukunft

Das Nein-Komitee geht davon aus, dass die Geflügelhaltung um 80 Prozent und die Schweinehaltung um 50 Prozent zurückgehen würde. In der Landwirtschaft gingen dadurch rund 4000 Arbeitsstellen verloren und in den nachgelagerten Bereichen nochmals mindestens so viele Arbeitsplätze. Der geforderte Bio-Standard würde die tierischen Lebensmittel bis zu 40 Prozent verteuern, wodurch die Importe und der Einkaufstourismus weiter zunehmen würden.

Das sagt eine Befürworterin der Initiative

Die Grüne Zürcher Nationalrätin Marionna Schlatter setzt sich für die Massentierinitiative ein.
Die Grüne Zürcher Nationalrätin Marionna Schlatter setzt sich für die Massentierinitiative ein. | Bild: Alessandro Della Valle

Frau Schlatter, warum braucht es die Massentierhaltungsinitiative?

In der Schweiz hat ein Masthuhn die Fläche von einem Din A4-Blatt zur Verfügung und nur 7 Prozent der rund 80 Millionen Masthühner haben einen Freigang. Durch die schnelle Gewichtszunahme haben viele Tiere Herz- und Gelenkprobleme. Das ist nicht tiergerecht.

Die Volksinitiative verlangt, dass eigentlich nur noch Bio Fleisch produziert wird. Bio kann und will sich aber nicht jeder leisten.

Solange wir in der Schweiz in den Privathaushalten noch rund ein Drittel der Lebensmittel im Wert von mehr als 600 Franken pro Jahr wegwerfen und fast dreimal so viel Fleisch konsumieren, wie gesundheitlich empfohlen wird, muss man die Preisdiskussion etwas relativieren. Die überdimensional hohen Preise für Bio-Lebensmittel sind wesentlich auf die hohen Margen der Großverteiler zurückzuführen. Hier wäre mehr Preistransparenz dringend nötig.

Sehen Sie durch die Initiative auch einen Vorteil für die Schweizer Produktion?

Ja sicher, die Initiative verfügt über eine Importklausel, die nur Produkte mit Schweizer Standard für den Import zulässt. Aus dem Ausland könnte kein Billigfleisch mehr eingeschwemmt werden.