In Tengen entsteht das erste genossenschaftlich organisierte Ärztehaus in Süddeutschland. Was empfinden Sie, wenn Sie von ihrem Büro aus beobachten, wie das Bauwerk wächst?

Dieses Projekt liegt mir besonders am Herzen. Zum einen, da wir hier einen neuen Politikstil verwirklichen, der die Bürger nicht nur als die Adressaten von Kommunalpolitik versteht, sondern diese in Ko-Produktion aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes einbindet. Zum anderen bin ich stolz auf das große bürgerschaftliche Engagement. Denn ohne dieses wäre dieser neue Weg zur Sicherung der ärztlichen Versorgung in Tengen nicht möglich.

Ein anderes Projekt, von dem man noch nicht so viel sieht: Neben dem Rathaus soll es einen Bürgersaal geben, an den der bestehende Musikpavillon angegliedert wird. Nach neuesten Plänen soll der Giebel verglast werden, das Gebäudeensemble bekommt ein Vordach. Wird dadurch nicht alles viel teurer?

2018 haben wir einen Planungswettbewerb rund um das Rathaus durchgeführt, unter anderem mit dem Ziel eine neue Ortsmitte rund um den Kastaniengarten zu entwickeln. Nach dem Ärztehaus ist der Bürgersaal nun der zweite Baustein der neuen Ortsmitte Die Pläne sind nach dem ersten Entwurf des Architekten jetzt den Änderungswünschen des Gemeinderates entsprechend angepasst worden. So gibt es jetzt doch kein Flachdach auf dem Musik-Pavillon. Beim Bürgersaal wird das Dach mit Dachvorsprung ausgeführt. Im Ergebnis entstehen jedoch keine Mehrkosten, da die bestehende Dachkonstruktion am Musik-Pavillon erhalten bleibt – das kompensiert die Mehrkosten, die durch den verglasten Giebel entstehen.

Was bleibt noch übrig vom jetzigen Kastanienplatz, wenn Bürgersaal und Ärztehaus stehen? Eine Kastanie und ein weiterer Baum wurden ja schon gefällt. Bleiben die übrigen Kastanien erhalten? Gibt es durch die neuen Gebäude Beeinträchtigungen für den Schätzele-Markt?

Es sind keine weiteren Baumfällungen geplant und der Kastaniengarten wird das Herzstück der neuen Ortsmitte. Für den Schätzelemarkt birgt dies keinerlei Beeinträchtigungen, im Gegenteil: Der Bürgersaal kann künftig auch für den Schätzelemarkt genutzt werden.

In Tengen werden derzeit auch privat viele Häuser gebaut. Gibt es noch weitere Grundstücke für private Häuslebauer in Tengen? Wie ist der aktuelle Stand bei entstehenden Neubaugebieten?

Wir erschließen aktuell das Baugebiet Ob den Häusern mit insgesamt acht Bauplätzen. Diese sind erstmals nach den neuen Bauplatzvergaberichtlinien vergeben worden. Weitere Baugebiete sind in Planung: Vor der Sommerpause haben wir noch den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Im Amtsgarten“ gefasst. Im Zuge der Haushaltsplanberatungen werden wir entscheiden, wann das Gebiet erschlossen wird.

Und wie sieht es aus mit Gewerbegebieten? Finden Selbstständige und Handwerker Möglichkeiten zum Bauen?

Aktuell entwickeln wir das Gewerbegebiet Vogelwiese in Blumenfeld. Der Bebauungsplan ist beschlossen, die Erschließung erfolgt Anfang nächsten Jahres. Im Flächennutzungsplan sind zudem weitere Flächen für gewerbliche Nutzungen vorgesehen – unter anderem die Erweiterung des Gewerbegebiets Kalkgrube.

Bürgermeister Marian Schreier im Gespräch mit den Gemeinderäten Adelbert Zeller (links) und Michael Grambau (rechts).
Bürgermeister Marian Schreier im Gespräch mit den Gemeinderäten Adelbert Zeller (links) und Michael Grambau (rechts). | Bild: Uli Zeller

Noch etwas Persönliches: Die Tengener haben Sie 2015 für acht Jahre zum Bürgermeister gewählt. Nun haben Sie sich als Oberbürgermeister für Stuttgart beworben. Ist Tengen für Sie nur ein Sprungbrett zu höheren Aufgaben?

Nein, mir macht die Arbeit große Freude. Gemeinsam haben wir viel erreicht: von der Entwicklung des Leitbilds bis zum Windpark Verenafohren. Und in dieser Zeit sind viele persönliche Verbindungen entstanden. Stuttgart ist meine Heimatstadt. Ich bin der Überzeugung, dass ich meinen Beitrag leisten kann mit Blick auf die Herausforderungen der Stadt – deshalb bewerbe ich mich. Aber ich gebe gerne zu, dass mich die vielen bestärkenden Reaktionen mit Blick auf meine Kandidatur aus Tengen berührt haben. Das ist vor dem Hintergrund meiner noch nicht abgeschlossenen Amtszeit nicht selbstverständlich.

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Das Landesschau-Mobil hat im August in Tengen gefilmt. Im SWR wird diese Reportage im Oktober ausgestrahlt – kurz vor der Stuttgarter OB-Wahl. Haben Sie den Sender als Teil Ihrer Wahlkampfstrategie nach Tengen geholt?

Nein – leider richtet der SWR seine Redaktionsplanung nicht an meinem Wahlkampf aus. (lacht)

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Sie schreiben im Tengener Mitteilungsblatt, dass Sie in der Zeit des OB-Wahlkampfs in Tengen „überwiegend nicht vor Ort“ sein werden. Wie passt das zu einem Bürgermeister, der andererseits betont, dass ihm der direkte, persönliche Kontakt zu den Tengenern wichtig ist?

Für den Wahlkampf setze ich meinem Resturlaub aus dem Jahr 2019 sowie den gesamten Jahresurlaub 2020 ein. Das sind insgesamt 55 Urlaubstage. Sollten diese nicht ausreichen, erfolgt für die entsprechenden Abwesenheiten eine unbezahlte Freistellung. Klar fehlt mir hier und da auch der direkte Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern – aber es handelt sich um einen begrenzten Zeitraum und natürlich kümmere ich mich auch im Wahlkampf laufend um meine Tengener Amtsgeschäfte.

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