Auf dem Haslacherhof gibt es einen zornigen Gockel. Beim Gang durchs Freigehege des Hühnerstalls jagt der Hahn hinter Bioland-Bauer Albrecht Finsler her. Von hinten will der Gockel den Landwirt in die Wade picken. Finsler wehrt sich mit einigen energischen Beinbewegungen.

Mit Erfolg. Der Hahn zieht weiter. Nicht ohne einen gewissen Respekt hinterlassen zu haben. „Keine Angst“, erklärt der Landwirt dem Reporter. „Der tut nur seine Pflicht. Er verteidigt seine Hühner.“ Vielleicht eine typische Szene für den Umgang mit der Natur auf dem Bioland-Hof bei Tengen. Auch hier sind Mensch, Tier und Natur nicht immer einer Meinung. Und auch hier sucht der Mensch Wege, um sich durchzusetzen. Hier mit dem Bein.

Gegen das Unkraut kämpfen die Biolandwirte ebenfalls. Und zwar auf holländisch, wie Finslers Ehefrau Rita mit einem Wortspiel auf den Punkt bringt: „Van Hand“. Albrecht Finsler zeigt den Boden auf dem Erdbeerfeld: „Mit dem Boden fängt alles an“, betont er. Wenn er nach der Anzahl seiner Mitarbeiter gefragt wird, nennt er eine vielstellige Zahl: Milliarden Regenwürmer und Bakterien seien für den in dritter Generation tätigen Landwirt aktiv.

Hightech-Geräte helfen beim Anbau

Ganz von Hand geht dann aber doch nicht. Auch auf einem Biolandhof gebe es schweres Gerät. Zum Beispiel der Traktor mit der Getreidehacke. Kameragesteuert sucht sich die Sternhacke zwischen den Erdbeerreihen die Spur, in der sie die nicht erwünschten Kräuter herausreißt. „Ich könnte einen guten Rotwein trinken und danach zickzack fahren – und würde dennoch gerade hacken“, erläutert Finsler die Vorzüge moderner Technik und schmunzelt dabei.

In diesem Zusammenhang fällt auch auf, dass der Biobauer nicht von Unkräutern, sondern von Beikräutern spricht. Als Geheimnis für die Qualität der Haslacherhof-Erdbeeren nennt auch Rita Finsler den Boden: „Der Boden wird verhätschelt, bis die Erdbeeren kommen.“

Seit 25 Jahren kein Gift mehr

Seit 1995 arbeitet der Haslacherhof nach Bioland-Kriterien. „Unsere Kinder waren damals klein und wir hatten bei unseren eigenen Erdbeeren ein schlechtes Gefühl“, erläutern die Finslers die Ursache für ihren Umstieg. Aus diesem Grund verzichten sie seither auf Gift und gebeiztes Saatgut. „Heute ist es kein Problem mehr, wenn mal ein Kind über den Hof läuft und ein paar Körner in den Mund nimmt“, fasst Albrecht Finsler zusammen.

Auch die Hühner des Haslacherhofs leben nach Bioland-Kriterien.
Auch die Hühner des Haslacherhofs leben nach Bioland-Kriterien. | Bild: Uli Zeller

Auch die Hühner leben nach Bioland-Kriterien. In den 90er-Jahren haben die Finslers Volieren aus der Schweiz gekauft, damit die Hühner auch Freilauf haben. Als sie auf Bio umgestiegen sind, seien sie von einigen Zeitgenossen belächelt worden.

Albrecht und Rita Finsler mit Hofhündin Nora. Das Ehepaar betreibt den Bauernhof in dritter Generation. Die Hühner auf dem Biohof legen ...
Albrecht und Rita Finsler mit Hofhündin Nora. Das Ehepaar betreibt den Bauernhof in dritter Generation. Die Hühner auf dem Biohof legen jeden Tag etwa 7000 Eier. | Bild: Uli Zeller

Das verstehe er gut, betont der Biobauer: „Ich kann mich an manchen Acker erinnern, der voller Disteln war.“ Heute sind sie froh, dass sie mit biologischem Anbau trotz zäher Beikräuter durchgehalten haben und irgendwann ihrem Sohn, Landwirtschaftsmeister Elias Finsler, einen Biolandhof mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung übergeben können.

Mit der Natur, nicht dagegen

Fragt man die Finslers, ob sie mit dem Wissen von heute wieder auf Bio setzen würden, müssen sie nicht lange überlegen: „Auf jeden Fall“. Man müsse die Arbeit als Landwirt nicht so sehr als Kampf gegen Unkraut und Ungeziefer sehen. Eher solle man mit der Natur gehen.

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Ein zorniger Gockel kann sich wieder beruhigen, das kann man auf dem Haslacherhof lernen. Und so beruhigt sich vielleicht auch so mancher Kriegstreiber. Und der Krieg geht irgendwann vorbei, hofft Finsler. Aber die Sorge um die Umwelt sei eine Aufgabe, die die Menschheit noch Jahrzehnte begleiten werde.