Vor einigen Jahren gab es einen Schlusspunkt für das Pflegeheim im Schloss Blumenfeld. Jetzt soll es einen Doppelpunkt geben: ab 18. Juni zieht wieder Leben in das 500 Jahre alte Gebäude ein. Summer of pioneers (Sommer der Pioniere) nennt sich die Aktion, bei der rund 20 Kreative und Digitalarbeiter nach einem Aufruf der der Stadt Tengen im Schloss leben und arbeiten werden.

Stadt wählt rund 20 Bewerber aus

Sie machen sich auf, um das Landleben auf Zeit zu testen. Über 80 Bewerbungen habe es gegeben, berichtete Bürgermeister Marian Schreier im Tengener Gemeinderat. Rund 20 Pioniere haben das Auswahlverfahren geschafft. Sie seien zwischen Ende 20 und Mitte 60, der größte Teil von ihnen zwischen 30 und 40 Jahren, darunter mehr Frauen als Männer.

Sie kommen beispielsweise aus Hamburg, Berlin oder der Schweiz und sind etwa Softwareentwickler, Unternehmensberater oder Dokumentarfilmer. Mehr als 20 Zimmer im Schloss seien für diesen Zweck renoviert und auch die Badezimmer erneuert worden. „Es ist spannend, wer sich alles für das Schloss interessiert“, fasst Marian Schreier zusammen.

„Gesellschaftlicher Mehrwert“

Eine der Pionierinnen ist Nadja Kögel (32) aus Stuttgart. Die ehemalige Projektleiterin im Bereich Event- und Location-Management erklärt ihre Motivation: „Ich wollte etwas mit gesellschaftlichem Mehrwert machen.“

So habe sie beispielsweise schon am Hackathon Update Deutschland teilgenommen, ein Projekt unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramts, bei dem kreative Leute 48 Stunden lang gezielt nach Lösungen für konkrete Herausforderungen unter anderem von Kommunen suchen.

Nadja Kögel (32) aus Stuttgart ist eine der Pionieren, die im Juni ins Blumenfelder Schloss einziehen.
Nadja Kögel (32) aus Stuttgart ist eine der Pionieren, die im Juni ins Blumenfelder Schloss einziehen. | Bild: privat

Im Blumenfelder Schloss möchte sie Lokalprojekte, eine bereits bestehende Web-Plattform, weiterentwickeln. Diese soll Macher aus Wirtschaft und Gesellschaft mit Kommunen und Behörden zusammenbringen. Für den Tengener „Summer of pioneers“ sind zudem die Kenntnisse interessant, die Nadja Kögel in ihrer Masterarbeit erworben hat – darin geht es um die Zwischennutzung von leerstehenden Gebäuden.

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Auf die Frage, ob ihr die Umstellung von Bad Cannstatt auf Blumenfeld wohl gelingen werde, antwortet sie: „Meine Großeltern stammen aus Kroatien und hatten dort einen Bauernhof. In meinem Herzen bin ich ein kleiner Bauer. Jetzt will ich gerne probieren, wie sich das Leben auf dem Land anfühlt.“ Bei einem ersten Besuch im Hegau ist Nadja Kögel bereits mit dem E-Bike von Engen nach Blumenfeld gefahren – und von dort wieder zurück nach Singen.