Die Gläubigen im oberen Hegau sind motiviert und engagiert, sei es bei Einsätzen rund um den Gottesdienst, im Pfarrgemeinderat oder im Gemeindeteam. So lautet das erste Fazit von Pastoralassistent Ralf Ruder. Seit September ist er im Hegau tätig. „Eine lebendige Kirche vor Ort ist den Menschen wichtig. Ich habe das Gefühl, da steckt viel Herzblut drin.“

Fragt man ihn, welche Schwerpunkte er für seine pastorale Tätigkeit entdeckt hat, erläutert er: „Ich begleite gerne Menschen und ermögliche Dinge.“

Die Arbeit in Gruppen und Gremien bereitet ihm Freude. Er trägt gerne dazu bei, dass kirchliches Leben gelingt. Vieles könnten Ehrenamtliche selber, so Ralf Ruder. Sie möchten jedoch auch Unterstützung von institutioneller Seite.

Bei der Arbeit: Ralf Ruder steht hier mit der Religionspädagogin Judith Müller vor dem Tengener Pfarrhaus.
Bei der Arbeit: Ralf Ruder steht hier mit der Religionspädagogin Judith Müller vor dem Tengener Pfarrhaus. | Bild: Uli Zeller

Sein Weg in den theologischen Beruf sei nicht immer ganz gradlinig gewesen. „Geboren und aufgewachsen bin ich in der Niederlausitz“, berichtet er. Und im Osten sei Glaube eigentlich kein Thema gewesen.

Das Ingenieurstudium habe ihn an den Bodensee gebracht. Später habe er dann auch den Hegau kennengelernt.

Gläubige Familie hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen

Zum Glauben an Jesus Christus habe er durch Freunde gefunden. Eine gläubige Familie habe ihn fasziniert und er sei so in die christliche Jugendarbeit eingestiegen.

„Mich hat beeindruckt, dass ich so herzlich und unvoreingenommen angenommen worden bin“, erinnert er sich. In seiner Jugend habe dagegen vor allem die Leistung gezählt.

Schließlich habe er sich taufen lassen. Dazu sagt er: „Ich habe etwas gefunden, von dem ich nicht wusste, dass ich danach auf der Suche war.“

Der Glaube habe seinem Leben das gegeben, was ihm noch gefehlt habe. Diese Begeisterung sei geblieben und gewachsen, sodass er beschlossen habe, sich beruflich zu verändern und zum Theologiestudium nach Freiburg zu gehen.

Lieber Pastoralassistent als Pfarrer

Warum er Pastoralassistent und nicht Pfarrer geworden ist? Der Hauptgrund sei folgender: „Den Beruf des Pastoralassistenten gibt es noch nicht so lange, erst etwa seit 40 Jahren.“ Dadurch gebe es noch nicht so viele Rollenbeschreibungen wie für den Beruf des Pfarrers und weniger feste Erwartungen.

Dies scheint dem vielseitigen und flexiblen Neu-Tengener entgegenzukommen – liebt er es doch, sich auf neue Situationen einzulassen, wie er bestätigt. Er freut sich auf die vielfältigen Aufgaben. Neben seinen Tätigkeiten in den Seelsorgeeinheiten ist er im Singener Hospiz tätig. Seinen Dienstantritt im Hegau bezeichnet er als eine Rückkehr.

Ralf Ruder hat anlässlich seiner Vorstellung in Tengen ausformuliert, was sein Glaube für ihn ausmacht.

Seine Aussage im Wortlaut

„Im ersten Petrusbrief heißt es: ‚Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt‘ (1. Petrus 3,15). Was also glaube und hoffe ich?

Ich glaube, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Ich glaube, dass jeder einzelne Mensch von Gott gewollt und geliebt ist und von daher eine unverlierbare Würde besitzt. Ich glaube, dass der lebendige Gott Anteil am Leben der Menschen haben will und die Sehnsucht nach Gott den Menschen ins Herz gelegt ist. Und ich hoffe darauf, dass diese Mensch-Gott-Sehnsucht ein Happy-End (einen glücklichen Ausgang) haben wird.

Diesen Glauben erlebe ich als persönlich herausfordernd, lebendig, bereichernd, tragend, bestärkend und immer wieder neu begeisternd. Und das möchte ich gern weitergeben.“