Tanz-Veranstaltungen stiften Ehen, nach Narrenbau-Klau setzt es kräftig Prügel, Feuerwehrmänner leisten bei Schlägereien in Hallen ihren Einsatz – eine idyllische Winterwanderung auf Hegauer Höhen ruft Erinnerungen an Episoden der besonderen Art wach. Und der Schnee soll dem Wetter-Umschwung Stand halten.

Auf den Hegauer Höhen, wie oberhalb von Tengen und auf dem Hegaublick bei Engen, zeigt sich der Winter von seiner faszinierendsten Seite. Darüber freuen sich zahlreiche Ausflügler, Wanderer und Skilangläufer. Doch wie lange hält der Schnee? Die Meterologen sagen für die nächsten Tage Regen und eine milde Witterung voraus. „Es hat genug Schnee. Der wird auch Regen und höhere Temperaturen überstehen, wenn sich auch durch Schmelzung die Höhen etwas verringern werden. Soviel Schnee gab es wie beim Loipen-Einstieg auf dem Tengener Berghof an der Kreisstraße zwischen Tengen und Leipferdingen seit 1964 nicht mehr“, erklärt Dieter Reichle aus dem Blumberger Stadtteil Riedöschingen.

Diesen Ausblick gibt es in der Nähe des Berghofes, an der Kreisstraße zwischen Tengen und Leipferdingen.
Diesen Ausblick gibt es in der Nähe des Berghofes, an der Kreisstraße zwischen Tengen und Leipferdingen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Es herrschen beste Bedingungen“, schwärmt Michael Hornung aus Singen, bevor er in die Loipe steigt. Er hat sich am Aacher Ried im Singener Norden selbst eine Loipe gespurt. Dort wird aber der Schnee rarer.

Michael Hornung aus Singen startet frohgelaunt seinen Skilanglauf auf der Tengener Loipe beim Berghof.
Michael Hornung aus Singen startet frohgelaunt seinen Skilanglauf auf der Tengener Loipe beim Berghof. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Dieter Reichle sorgt mit seinem Loipenbob ständig dafür, dass die Skilangläufer am Randen weiter ihre Bahnen ziehen können. „Wenn sich die Schneeverhältnisse verändern, spure ich eben wieder“, erklärt Reichle, der selbst als begeisterter Skilangläufer in die Loipe steigt. Die hat eine Besonderheit. Sie verläuft auf den Gemarkungen Tengen und Riedöschingen. Also auf zwei Landkreisen, Konstanz und Schwarzwald-Baar. Zudem grenzt sie an den Landkreis Tuttlingen, zu dem der Geisinger Stadtteil Leipferdingen in unmittelbarer Nähe gehört.

Erinnerungen an deftige Episoden

Diese eng verbundenen Regionen schreiben auch ihre eigenen, speziellen Geschichten. Die leben wieder auf, als auf dem Rückweg einer idyllischen Schnee-Wanderroute von der Tengener Spitzhütte zur Alten Postweg-Hütte oberhalb von Watterdingen zufällig der Tengener Bürgermeister-Stellvertreter Adelbert Zeller auf die Route stößt. Aus Dörfern der drei Landkreise entstanden viele enge Verbindungen, wie Ehen. Die jungen Menschen lernten sich bei gemeinsamen Hallen-Tanzveranstaltungen, wie in Tengen, Leipferdingen und Riedöschingen, kennen.

Idyllische und verschneite Wege locken Ausflügler und Wanderer oberhalb von Tengen.
Idyllische und verschneite Wege locken Ausflügler und Wanderer oberhalb von Tengen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Es kam aber auch zu Vorfällen, wie sie heute nicht mehr denkbar wären. So, als Tengener in einer Nacht-und-Nebelaktion den Leipferdingern im Zuge eines Narrentreffens den Narrenbaum per Säge flach legten und entführten. „Dann revanchierten sich die Leipferdinger mit einer gehörigen Tracht Prügel. Das wären heute Fälle für das Gericht“, sagt Zeller schmunzelnd.

Adelbert Zeller genießt seine Wanderung auf Schnee in freier Natur, wie auf dem Weg von der Alten Postweg-Hütte zur Spitzhütte.
Adelbert Zeller genießt seine Wanderung auf Schnee in freier Natur, wie auf dem Weg von der Alten Postweg-Hütte zur Spitzhütte. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Gemeinsam erinnern wir uns auch an Zeiten, in denen es keine teuren Sicherheitsdienste brauchte, sondern auch kräftige Feuerwehrmänner mal für Schlichtung und Ordnung sorgten, wenn es bei den Tanzveranstaltungen wieder einmal in fortgeschrittenen Stunden zu Schlägereien kam. Und wer mag sich in diesen Tagen noch vorstellen, dass Fußballer erst Steine auf dem Platz einsammeln mussten, wie neben dem Tengener Volksfestplatz, um ein Fußballfeld weitestgehend gefahrlos spielbar zu machen? Viel Gras, das damals auf dem sportlichen Geläuf so spärlich sprießte, ist längst über solche mitunter kuriosen Vorfälle gewachsen.

Durch tief verschneite Wälder geht es auf dem Wanderweg auf Tengener Höhe.
Durch tief verschneite Wälder geht es auf dem Wanderweg auf Tengener Höhe. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Der Ruheständler Adelbert Zeller, der an die 50 Jahre lang bei der Gottmadinger Landmaschinen-Fabrik Fahr arbeitete und dort als einer der letzten in den vielen Nachfolge-Firmen Tätigen den Lichtschalter ausknipste, erkundet mit Begeisterung die Landschaft. Er führte auch eine SÜDKURIER-Wanderung fachkundig durch den Windpark in Wiechs am Randen, dessen Bau Zeller fast täglich begleitet hatte. „Rund um Tengen und den Randen gibt es noch Natur pur und grandiose Aussichtspunkte, wie fast nirgendwo im Hegau“, sagt Zeller. „Derzeit bietet der Winter ein besonders prächtiges Bild. So weiß war der Schnee noch nie“, betont er. Dies bewertet Zeller als eine der wenigen erfreulichen Corona-Folgen. „Dass sich nur noch ein Bruchteil Flugzeuge am Himmel tummelt, macht die Luft und den Schnee viel sauberer“, ist Zeller überzeugt.