Gleich in zwei Sitzungen des Tengener Gemeinderates ging es um die Frage, wie man Jugendliche vermehrt an Entscheidungen beteiligen könnte. Zunächst ging es um zwei für Tengen geplante Vorhaben, die im beginnenden Schuljahr in Zusammenarbeit mit der Tengener Nachbarschaftsschule anlaufen sollen. Schüler der dritten und vierten Klasse sollen als „Heimatdetektive“ ihren Ortsteil erkunden und die Ergebnisse im Rahmen eines Kindergipfels im Gemeinderat einbringen. Ergebnisse könnten zum Beispiel ein defektes Spielgerät auf einem Spielplatz sein oder eine für Kinder gefährliche Straßenüberquerung. Außerdem will die Stadt die Beteiligung der Jugendlichen über die Vereine fördern.

Der Spielplatz in Tengen-Watterdingen ist top in Schuss und erfreut die jungen Herzen. Aber: Haben die Jugendlichen darüber hinaus noch Bedürfnisse, denen sie politisch Nachdruck verleihen wollen? Was machen Tengener Jugendliche zum Beispiel, wenn sie sich einen Skaterpark wünschen? Das Thema der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist im Tengener Gemeinderat zur Zeit ein wichtiges Thema.
Der Spielplatz in Tengen-Watterdingen ist top in Schuss und erfreut die jungen Herzen. Aber: Haben die Jugendlichen darüber hinaus noch Bedürfnisse, denen sie politisch Nachdruck verleihen wollen? Was machen Tengener Jugendliche zum Beispiel, wenn sie sich einen Skaterpark wünschen? Das Thema der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist im Tengener Gemeinderat zur Zeit ein wichtiges Thema. | Bild: Uli Zeller

Diese Form der Jugendbeteiligung ging den Freien Wählern nicht weit genug. „Die Beteiligung ist zu punktuell“, erläuterte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bettina Baumgärtner auf Nachfrage des SÜDKURIER. Sie übergab an Tengens Bürgermeister Marian Schreier ein Schreiben von 49 Jugendlichen, die einen Jugendgemeinderat beantragen. In der folgenden Sitzung unterstützten die Freien Wähler den Antrag der Jugendlichen, indem die Fraktion die Aufnahme der von Gesprächen beantragte. „Kinder und Jugendliche sollen Demokratie erleben können, ausprobieren dürfen und Verantwortung übernehmen lernen“, so Baumgärtner.

Podiumsdiskussionen sollen Politik der Jugend näher bringen

Beim Fototermin mit den Jugendlichen, die den Antrag abgegeben haben, nannten diese ihre Motivation und ihre Wünsche. Thore Westphal aus Watterdingen erklärte: „Ein Jugendgemeinderat in Tengen würde dazu beitragen, Politik der Jugend näher zu bringen und die Jugend der Politik näher zu bringen.“ Praktisch geschehen könne dies etwa durch Podiumsdiskussionen, findet Thore Westphal.

Der Tengener Gemeinderat ist sich bei einem Bauantrag einig. Doch wie sieht es bei der Beteiligung von Jugendlichen bei politischen Entscheidungen aus? In den nächsten Monaten sollen im Gespräch mit der Jugend die Weichen für die Zukunft gestellt werden.
Der Tengener Gemeinderat ist sich bei einem Bauantrag einig. Doch wie sieht es bei der Beteiligung von Jugendlichen bei politischen Entscheidungen aus? In den nächsten Monaten sollen im Gespräch mit der Jugend die Weichen für die Zukunft gestellt werden. | Bild: Uli Zeller

„Tengen könnte mit einem Jugendgemeinderat eine Vorzeigegemeinde für andere Gemeinden sein“, wünscht sich Rosalie Braun aus Büßlingen. Auch könne man in einem Jugendgemeinderat viel lernen. So betont etwa Lilli Garschke aus Tengen: „In einem Jugendgemeinderat lernt man, vor anderen zu sprechen.“ Außerdem lerne man etwas über Politik. Lena Zeller aus Blumenfeld erklärt dazu: „Ich wünsche mir einen Jugendgemeinderat, damit Jugendliche ein bisschen mitbestimmen können.“ Als Beispiel für einen Wunsch von Jugendlichen nannte sie einen Skaterpark in Tengen. Elisa Schmutz aus Büßlingen ergänzte als weiteren Wunsch eine Überdachung an der Grundschule Tengen.

Viele Räte signalisieren ihr Wohlwollen

Nicht nur die Freien Wähler sprachen sich für die Beteiligung von Jugendlichen aus. Auch Räte aus anderen Fraktionen signalisierten ihr Wohlwollen. Albrecht Finsler (Sprecher der CDU-Fraktion) erläuterte etwa gegenüber dieser Zeitung auf Nachfrage: „Gerade der Gemeinderat entscheidet viel für die Zukunft: Baugebiete, Straßen, Infrastruktur, Windkraft, Solaranlagen, Kitas und Schule.“ Die Zukunft aber sei die nächste Generation. Darum mache es Sinn, die kommende Generation in verschiedenen Formen in die Entscheidungsfindungen einzubeziehen.