Am Montagnachmittag herrscht geschäftiges Treiben in dem Gebäude der ehemaligen Kinderheimat Sonnenuhr in der Jahnstraße. Auf dem Tresen stapeln sich Jeans, Pullover, ein Schulranzen und einige Küchenutensilien. Ulla Schnebelt, die ehrenamtlich mithilft, zählt die verschiedenen Artikel zusammen und nennt ihrem Gegenüber dann den Preis. Auch wenn der schon sehr günstig erscheint, gehört für den einen oder anderen Kunden das Feilschen zum guten Ton. Zuletzt verlässt die Familie den Laden zufrieden. Alle zwei Wochen öffnet der neue Second-Hand-Laden in Engen mit Namen „Topf und Knopf“ seine Türen.

Was einmal als Kleiderkammer startete, um insbesondere Geflüchtete mit den notwendigsten Dingen zu versorgen, ist heute ein Second-Hand-Laden für Jedermann. Was geblieben ist, ist der soziale Charakter des Projekts, das die Engener Integrationsbeauftragte Lisa Hensler begleitet und weiterentwickelt. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Läden für Dinge aus zweiter Hand werden Kleidung und Gebrauchsgegenstände hier gespendet. Das hat auch schon bei der Kleiderkammer großartig funktioniert. So gut, dass es zwischendurch sogar einen Spendenstopp gab, weil kein Platz zur Lagerung mehr da war, berichtet Lisa Hensler.

Manche Kunden wollen feilschen

In den Laden kommen Menschen mit ganz unterschiedlicher Herkunft. „Oft wird sich mit Händen und Füßen unterhalten“, erläutert Hensler und lacht. Einen ganz wichtigen Part bei dem Projekt nehmen die ehrenamtlichen Helfer ein. Sie sind vor und während der Öffnungszeiten da, sortieren neu hereingekommene Spenden, räumen die Auslagen auf, kassieren und sind den Kunden bei allem behilflich. Freundlichkeit wird dabei sehr groß geschrieben. Dabei braucht es Fingerspitzengefühl. So zum Beispiel, wenn Kunden handeln wollen. Lisa Hensler ist sich bewusst, dass das Feilschen durchaus auch eine kulturelle Sache ist.

Die Regale und Ständer im Topf und Knopf sind gut gefüllt. Die große Auswahl oft geradezu erstaunlich. „Kindersachen gehen sehr gut“, verrät Ulla Schnebelt. Aber auch Geschirr, Spielsachen und Schuhe sind ebenso gefragt. „Es geht fast nie jemand raus, ohne was in der Hand zu haben“, berichtet Helferin Jasmin Matyskiewicz. Lisa Hensler freut sich über den neuen Charakter des Ladens, in den schon lange nicht mehr nur sozial benachteiligte Menschen kommen. „Es ist jetzt wirklich ein Second-Hand-Laden“, so die Integrationsbeauftragte, die viel Herzblut in das Projekt steckt.

Nachhaltigkeitsgedanke kommt auch dazu

Neben dem sozialen Gesichtspunkt ist damit auch der Nachhaltigkeitsgedanke hinzugekommen. Viele Dinge sind einfach zu gut, um weggeworfen oder im dunklen Kämmerchen abgestellt zu werden. Eine weitere Besonderheit des Ladens ist, dass er in Kooperation von Stadt Engen und dem Verein Unser buntes Engen betrieben wird. So hat die Stadt die Räume zur Verfügung gestellt, diese renoviert und stellt die Arbeitskraft der Integrationsbeauftragten zur Verfügung, während viele der Ehrenamtlichen bereits bei Unser buntes Engen engagiert sind. Obendrein fließen die Gewinne aus dem Laden direkt an den Bürgerverein, der sich für ein gutes Miteinander aller Kulturen in der Stadt einsetzt.