Mohn- und Kornblumen an den Wegen und Ackerrändern – auf den Feldern von Stefan Leichenauer in Uttenhofen kann sich die Natur noch entfalten. Auch unter der Oberfläche lebt es, wie ein Test den Umstehenden beweist. „Riechen Sie mal“, sagt der Landwirt und hält den Besuchern einige ausgezupfte Ähren mit Erdklumpen hin, „so riecht ein gesunder Boden.“ Stefan Leichenauer ist einer der 20 regionalen Landwirte, die im Mittelpunkt der Kampagne „Wir versorgen unser Land“ stehen. Diese wiederum kam auf Initiative vom Landesministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zustande.

„Die Kampagne wurde ins Leben gerufen, um gezielt die Menschen hervorzuheben, die tagtäglich Einsatz für unsere vielfältigen Lebensmittel bringen und einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, erklärte Minister Peter Hauk bei einem Vor-Ort-Besuch. Mit dabei waren Werner Räpple vom BLHV (Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband) und Roman Glaser vom BWGV (Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband), die zusammen mit weiteren Partnern die Kampagne unterstützen.

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Der Lauterbach-Hof der Familie Leichenauer ist seit fünf Jahren ein Ackerbaubetrieb mit Bullenmast und regionalem Verkauf. „Fast 70 Prozent der Erzeugnisse werden im Umkreis von 20 Kilometern vermarktet“, sagt Stefan Leichenauer, der in diesem Zusammenhang durchaus auch positive Effekte der Corona-Krise sieht. „Die Leute besinnen sich, die Nachfrage läuft zurzeit richtig gut.“

Darauf setzt er schon lange. Fleischabnehmer sind eine Metzgerei und ein Bäcker, auch seine Frau Nicole Kopp backt Brot, das direkt vom Hof verkauft wird. Für Stefan Leichenauer muss sich die Landwirtschaft heutzutage betriebswirtschaftlich zwischen biologisch und traditionell bewegen, so wie früher hält er die Fruchtfolge und Bodenaktivierung durch Kompost für den richtigen Weg. Er verbindet Nachhaltigkeit und Modernisierung und baut auf „Manpower und Maschinen“, wobei beispielsweise mit GPS ausgerüstete Landmaschinen eingesetzt werden. Mit seiner Frau Nicole Kopp unterstützen ihn auch seine Söhne Moritz (13) und Nils (10), die er trotz deren Jugend bei Entscheidungen mit einbezieht.

Reflexion über zeitgemäße Landwirtschaft

„Wir können das Land heute nicht mehr bewirtschaften wie vor 100 Jahren“, meint auch Minister Hauk. Eine Bewusstseinswende und Wertschätzung regionaler Produkte trage aber zum Erhalt der Landschaft und Artenvielfalt bei. „Der Landwirt ist für unser Lebensumfeld verantwortlich, und dafür braucht es Bewirtschaftung“, so die Einstellung des Ministers. Viele Landwirte würden mangels Nachfolger aufgeben, Stefan Leichenauer setze sich mit Herzblut ein und sei Vorbild für seine Söhne.

Auch Werner Räpple und Roman Glaser zeigten sich von der Arbeit des Familienbetriebes beeindruckt. Stefan Leichenauer machte aber klar, dass er staatliche Hilfen brauche: „Ohne Förderung müsste ich morgen aufhören.“