Der ehemalige Ortsvorsteher von Blumenfeld, Edmund Sturm, zeichnet historische Gebäude seines Dorfes nach. Aufgrund alter Fotos und Zeichnungen malt er sie so, wie sie früher waren. Er will den Charme der alten Gebäude festhalten.

Gezeichnet hat er schon immer gerne. So richtig viel Zeit investiert Edmund Sturm aber erst seit dem letzten Winter in dieses Hobby. Schon immer habe es ihn entspannt, wenn er mit dem Stift übers Papier fuhr, berichtet er. Von Strich zu Strich entstand denn mehr und mehr das Bild, das er vor seinem inneren Auge sah. „Und wenn mich mein Enkel gebeten hat, ein Tier zu malen, habe ich halt genau dieses Tier gemalt“, sagt er schlicht – wie wenn es das Einfachste der Welt wäre, Hunde, Esel oder Krokodile so darzustellen, dass man sie gleich erkennt.

Edmund Sturm vor dem ehemaligen Gasthaus Sonne in Blumenfeld. Ohne die Zeichnung des früheren Ortsvorstehers könnte man sich kaum vorstellen, dass sich in diesem Gebäude an der B 314 früher eine Wirtschaft befunden hat.
Edmund Sturm vor dem ehemaligen Gasthaus Sonne in Blumenfeld. Ohne die Zeichnung des früheren Ortsvorstehers könnte man sich kaum vorstellen, dass sich in diesem Gebäude an der B 314 früher eine Wirtschaft befunden hat. | Bild: Uli Zeller

So richtig Zeit zum Zeichnen hat Edmund Sturm erst, seit er pensioniert ist. Und eine Anfrage seiner Tochter brachte ihn schließlich auf die Idee, Gebäude darzustellen. Edmund Sturms Tochter fragte den Vater, ob er für ein Logo den Schweizer Bauernhof zeichnen könnte, auf dem sie lebt. Und auch das war kein Problem für Edmund Sturm.

Inzwischen hat er sich dran gemacht, alte Gebäude in Blumenfeld zumindest auf dem Papier wiederherzustellen. So, wie sie früher ausgesehen haben. „Zuerst wollte ich Häuser von ganz Tengen malen, aber ich bin bis jetzt nicht aus Blumenfeld raus gekommen“, berichtet Sturm, der 25 Jahre lang Ortsvorsteher in dem Ortsteil zwischen Tengen und Beuren war.

Edmund Sturm vor einer Ausstellung seiner Bilder.
Edmund Sturm vor einer Ausstellung seiner Bilder. | Bild: Kerstin Müller

„Früher wurden Häuser nur im Hintergrund bei besonderen Anlässen aufgenommen, nur selten der Gebäude wegen“, berichtet Sturm. Also besorge er sich Fotos von Kommunionsfeiern, Hochzeiten, der Fasnacht oder anderen Anlässen – und zeichne die Gebäude ohne die abgebildeten Personen nach. Auch alte Postkarten oder Zeichnungen des Generallandesarchivs bereichern seine Vorstellungskraft.

Wenn er von seinem Hobby spricht, leuchten seine Augen. Er kennt die Details seiner Kunstwerke. Ob alte Sägemühle, Kaplaneihaus oder das ehemalige Gasthaus Sonne. Edmund Sturm hat die Bauwerke alle in ihrem früheren Zustand gezeichnet und kann davon berichten: Von der Zeit, als das Schloss noch einen Kamin hatte. Von der oberen Mühle, bevor die hinteren Gebäude abgebrannt sind. Oder von der Kirche St. Michael, bevor der Kirchturm aufgestockt wurde.

Die Blumenfelder Kirche St. Michael in frühreren Zeiten. Der ehemalige Ortsvorsteher Edmund Sturm hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Blumenfelder Bauwerke so zu zeichnen, wie sie früher ausgesehen haben. Die Kirche zum Beispiel wurde später noch aufgestockt.
Die Blumenfelder Kirche St. Michael in frühreren Zeiten. Der ehemalige Ortsvorsteher Edmund Sturm hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Blumenfelder Bauwerke so zu zeichnen, wie sie früher ausgesehen haben. Die Kirche zum Beispiel wurde später noch aufgestockt. | Bild: Uli Zeller

Egal, ob die Bibermühle mit umbautem Mühlrad, das frühere Gasthaus Kreuz oder die ehemalige riesige Brücke zwischen Krankenhaus und Schloss – Edmund Sturm hält fest, wie es früher ausgesehen hat. Oder, wie er sagt: „Für mich ist jedes alte Haus ein Denkmal.“ Er betont, dass alte Bauwerke ihren Charme haben. Denkmalschutz hält er für wichtig, auch wenn er viel kostet. Denn: „Eine andere Möglichkeit zum Erhalt alter Häuser gibt es nicht.“ Oft könne der historische Charakter auch dadurch erhalten bleiben, dass man bauliche Details so belässt, wie sie früher waren – zum Beispiel die Form des Daches.

Aber nicht nur alte Gemäuer haben es Edmund Sturm angetan. Nein, mit seinen Stiften porträtiert der ehemalige Ortsvorsteher auch Menschen. Vor allem natürlich Persönlichkeiten aus Blumenfeld – wie könnte es auch anders sein.

 

Zu Heimatort und Motivation des Künstlers

  • Der Ort: Blumenfeld ist einer von acht Teilorten, die zu Tengen gehören. In der Stadt Tengen leben insgesamt 4.633 Menschen, in Blumenfeld sind es 406 Einwohner (Stand 2019). Seit Sommer leben im Blumenfelder Schloss zudem rund 20 Pioniere, die dem alten Schloss neues Leben einhauchen. Edmund Sturm (Jahrgang 1955) war Blumenfelds Ortsvorsteher von 1994 bis 2019. Seit seiner Pensionierung hat er eine alte Leidenschaft zum neuen Hobby gemacht: Er zeichnet Blumenfelder Gebäude, so wie sie früher ausgesehen haben – und Blumenfelder Bürger, wie sie heute aussehen.
  • Der Künstler: „Mein Grund, alte Ansichten darzustellen, war, die Ausstrahlung alter Gebäude und Straßen zu dokumentieren. Um vielleicht bei anstehenden Renovierungen oder einem eventuellen Rückbau daran zu erinnern, dass der historische Stil durch die besondere Note der vergangenen Zeit einen bleibenden Ausdruck bewirkt, der danach nicht mehr vorhanden ist. Historische Gebäude sind eigentlich Denkmale, die wir unbewusst als harmonisch, ästhetisch und bleibend wahrnehmen und die nicht zuletzt auch das Gefühl von Heimat weitergeben. Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit der Veränderungen und der Moderne sind oft ausdruckslose Gebäude störend, wenn diese den Altstadtanlagen und Dorfkernen schrittweise das Authentische rauben. Dennoch kann aber durch geschickte Planung bewirkt werden, dass Historisches mit modernen Ergänzungen auch den alten Charakter bewahren kann. Es reicht oft Weniges. Wie zum Beispiel die ursprüngliche Dachform zu verändern, um dem Gebäude seinen Reiz zu nehmen. Im Gegenteil kann mit ursprünglichen Details der Charakter erhalten bleiben. Dafür gibt es auch in Blumenfeld Beispiele.“ (zel)