Simon Herzog gehört nicht zu denen, die jammern. Er ist einer, der anpackt. Der gelernte Zimmermann ist in Tengen-Uttenhofen auf dem Bauernhof aufgewachsen, den er heute betreibt. Es war jedoch nicht geplant, dass er den Hof eines Tages übernimmt.

Sein älterer Bruder Martin hat Landwirt gelernt. Doch dann erkrankte Martin an Leukämie – und verstarb. Das war 2011. Martin war damals 26 Jahre alt. Die Eltern haben den Hof weiter bewirtschaftet, bis Vater Rudolf 2015 in den Ruhestand ging.

Seit 2009 als Bioland-Hof

Dann beschloss Sohn Simon: „Ich übernehme den Hof. Aber wenn ich etwas mache, dann will ich‘s ordentlich machen.“ Also drückte er noch einmal zwei Jahre die Schulbank und lernte Landwirt. Seit 2009 hat sich der Talmühle-Hof zertifiziert, um als Bioland-Hof betrieben werden zu können. „Bio war die richtige Entscheidung. Ich bin froh, dass mein Vater damals schon an die Zukunft gedacht hat und das in die Wege geleitet hat.“, erinnert sich Simon Herzog.

Vor allem, weil es den Tieren dabei besser gehe und Fleisch und Milch gesünder sind. Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. „Wir Bio-Bauern benötigen weniger teures Kraftfutter und bekommen mehr Geld für die Milch.“ Dennoch sei es ein Knochenjob, der einem von morgens bis abends fordere. Auch an Sonntagen und an Weihnachten müsse man in den Stall.

Erfreuliche Erlebnisse überwiegen

Simon Herzog bedauert, dass sein Beruf häufig so negativ dargestellt werde. Der Landwirt gelte als Tierquäler und Umweltverschmutzer. Es gebe zwar immer wieder Missstände, räumt der junge Landwirt ein. Jedoch fänden diese meist in großindustriellen Landwirtschaften statt. „Wo die Familie gemeinsam einen Hof betreibt, ist die Welt meistens noch in Ordnung“, so Herzog.

Auch die Bürokratie rund um seinen Beruf empfindet er manchmal als lähmend. „Jede Stunde im Büro fehlt mir, um mich draußen um meine Tiere zu kümmern“, so der Landwirt. Jedoch überwiegen die erfreulichen Erlebnisse, wie Herzog betont. „Es ist so schön, wenn die Tiere im Frühling raus dürfen. Alle hüpfen dann und freuen sich.“ Ebenfalls komme er ins Staunen, wenn auf der Weide ein Kälbchen zur Welt komme. Einfach so, ohne große Probleme. Und nach ein paar Stunden stehe es schon und zottle der Mutter hinterher.

In der 60er-Jahren noch 24 Milchbauern

„Es ist auch in gutes Gefühl, wenn man erntet und mit super Heu nachhause kommt“, fasst Herzog seine Erlebnisse als letzter Tengener Milchbauer zusammen. Die Bezeichnung „letzter Milchbauer“ hat dabei eine doppelte Bedeutung. Einerseits liegt die Talmühle zwischen Tengen-Uttenhofen und Blumberg-Nordhalden. Somit ist der Bauernhof rein geographisch gesehen der letzte Hof im Landkreis Konstanz. Denn Nordhalden gehört bereits zum Schwarzwald-Baar-Kreis. Andererseits ist der Bioland-Betrieb von Simon Herzog auch die letzte Landwirtschaft auf Gemarkung Tengen, die noch Milch produziert und verkauft.

Das könnte Sie auch interessieren

In den 60er-Jahren sei dies noch anders gewesen. Simons Vater Rudolf Herzog erinnert sich: „Die Milchkannen wurden täglich abgeholt. Unsere Milchkanne hatte die Nummer 101 – und die Kanne des Hauhofs hatte die Nummer 124.“ Somit habe es in den 60ern alleine in Tengen-Uttenhofen 24 Milchbauern gegeben. Hinzu gekommen seien noch etwa 80 Milchbauern in Tengen.

Wie lange Simon Herzog den Hof noch hauptamtlich bewirtschaften wird, kann er noch nicht sagen. „Im Moment betreibe ich den Hof noch gemeinsam mit meinen Eltern.“ In Zukunft werde er wohl neu schauen müssen, in welcher Form er den Beruf des Landwirts, der ihm zugefallen ist, weiter ausführen wird.