Sichtlich gerührt stand Pfarrer Harald Dörflinger neben der Tengener St. Laurentius-Kirche. Zum Glück hatte er unter seinem Priestergewand noch ein Taschentuch gefunden, um die Tränen aus den Augen zu wischen. Einer der Abschlussgottesdienste, den er nach 14 Jahren Dienst in Tengen gehalten hatte, war soeben zuende gegangen.

„Die Überraschung ist gelungen“

Bürgermeister Marian Schreier hatte zuvor in der Kirche in seinem Grußwort erwähnt, dass man sich ja schon fast daran gewöhnt habe, dass man derzeit vor alles die Vorsilbe „Corona„ setzen müsse. Nach diesem „Corona-Abschiedsgottesdienst“ war nun also der Pfarrer aus der Kirche ausgezogen. Draußen schmetterte die Blasmusik und empfing den Geistlichen.

In den Jahren zuvor hatte das Patrozinium oft als kirchliches Fest begonnen, das danach im Pfarrgarten bei Blasmusik und Mittagessen ausklang. Wegen Corona war dies in diesem Jahr nicht möglich. Umso mehr schien sich Dörflinger über die Stücke der Stadtkapelle zu freuen.

Pfarrer Harald Dörflinger tritt eine neue Stelle in St. Georgen-Tennenbronn an.
Pfarrer Harald Dörflinger tritt eine neue Stelle in St. Georgen-Tennenbronn an. | Bild: Uli Zeller

„Die Überraschung ist wirklich gelungen“, betonte er. „Ich bin ein Freund der Blasmusik“. Simon Weber aus dem Vorstandsteam der Stadtkapelle äußerte, Dörflinger habe selbst schon Flügelhorn gespielt – und wenn es Berührungspunkte zwischen Kirche und Stadtkapelle gegeben habe, habe Dörflinger stets wertvolle Impulse für den Verein eingebracht.

Bürgermeister blickt zurück

Bürgermeister Marian Schreier hatte zuvor bei seiner Abschiedsansprache in der Kirche auf fünf gemeinsame Jahre mit dem Pfarrer in Tengen zurückgeblickt. „Manchmal hatten wir zwei – insbesondere in der Adventszeit – fast die gleichen Termine im Kalender.“ So seien sich Pfarrer und Bürgermeister an den Wochenenden immer wieder begegnet. Dies betone die Präsenz des Geistlichen im Ort, wie Schreier hervorhob.

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„Tengen und alle acht Teilorte haben eine eigene Identität und einen eigenen Charakter“, erläuterte Schreier. Eine besondere Erinnerung an Dörflingers Wirken sei für den Bürgermeister dessen Begleiten bei der Schließung der Pflegeheime in Blumenfeld gewesen. Man könne bei so einer Schließung nur die reinen Zahlen im Auge haben. Jedoch sei es natürlich ein Einschnitt für viele Menschen gewesen. „Die Segensfeier zum Schluss ist mir im Gedächtnis geblieben“, so Schreier.

Nur 50 Besucher pro Gottesdienst

Alle Abschiedsgottesdienste fanden unter Corona-Richtlinien statt. Nur rund 50 Besucher fanden in jedem der vier Abschiedsgottesdienste Platz in der Kirche. Jede zweite Reihe musste leer bleiben – und innerhalb der Reihen wurde der Corona-Abstand eingehalten. Die Ministranten trugen während des gesamten Gottesdienstes einen Mund-Nasen-Schutz.

Simon Weber, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates, hob hervor: „Bei der Einsetzung von Pfarrer Dörflinger vor 14 Jahren war die Kirche überfüllt. 91 Ministranten waren damals im Einsatz. Und alle Musikvereine und Chöre haben gespielt.“ Diese Zahlen hatte Weber in einem SÜDKURIER-Artikel von damals recherchiert. Anlässlich der Verabschiedung fanden nun mehrere Gottesdienste statt.

Simon Weber betonte, dass Harald Dörflinger es geschafft habe, die Katholiken aus Tengen und den Teilorten zu einen. Auch nach den Gottesdiensten war die Begegnung zwischen Pfarrer und Gottesdienstbesuchern nur mit dem gebotenen Abstand möglich. Es musste also ein Abschied ohne Umarmungen und Händeschütteln bleiben. Dafür aber mit Trompeten, Tubas und Posaunen.

Die Geschichte von Laurentius

Vorerst wohl zum letzten Mal hat Pfarrer Dörflinger die oft erzählte Geschichte von Laurentius in Tengen vorgetragen. Laurentius sollte den Kirchenschatz an den Kaiser herausgeben. Doch er verschenkte alle Schätze an die Armen. Als der Kaiser ihn schließlich fragte, wo das Geld sei, zeigte dieser auf die Armen und sagte: „Hier sind die Armen. Das sind die Schätze der Kirche.“ Nach 14 Jahren Dienst verlässt er Tengen und tritt eine neue Stelle in St. Georgen-Tennenbronn an.

Neue Stelle als Fügung Gottes

„Enttäuschungen hat es hier in Tengen natürlich auch gegeben“, räumt Dörflinger ein. Auch weil er mit Kritik nicht zurückgehalten habe. Aber meist habe es doch ein gutes Ende genommen, wie er betont. Gute, zukunftstragende Entscheidungen seien getroffen worden. Er habe vorgehabt, nach zehn bis 15 Jahren eine neue Herausforderung anzunehmen. „Obwohl ich in Tengen jetzt doch gut situiert war. So ein schönes Pfarrhaus findet man kaum. Es liegt etwas abseits und ist doch mittendrin“, nennt Dörflinger einen Vorteil der Tengener Pfarrstelle.

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Die Stellenbeschreibung von St. Georgen-Tennenbronn habe er zunächst einmal wieder zur Seite gelegt. Und ein halbes Jahr später sei er wieder darauf gestoßen. „Wenn die Stelle immer noch offen ist, bewerbe ich mich jetzt doch“, habe er sich dann gesagt und dies als eine Fügung Gottes gesehen. „Ich freue mich, in Tengen gewesen zu sein. Ich freue mich aber auch auf die neue Stelle mit ihren Herausforderungen.“

Abschiedsgeschenke von Freunden

Viele Freunde hat der Geistliche in den letzten 14 Jahren in Tengen gewonnen. Einige von ihnen haben Geld zusammen gelegt und ihrem Pfarrer besondere Geschenke überreicht. „Gott selber hat am siebten Tag der Schöpfung geruht“, erläuterte Simon Weber, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates. „Darum schenken wir Ihnen einen Gutschein für einen Urlaub am Bodensee.“

Vielleicht ist dieses Geschenk auch mit der Hoffnung verbunden, dass Dörflinger auf der Reise aus dem Schwarzwald an den Bodensee eine Pause in Tengen einlegt. Als weiteres Geschenk überreichten Simon Weber und Bernd Büttner als Vorsitzender des Kirchengemeinderates eine Ehrenplakette der Kirchengemeinde – und ein rotes Messgewand.

Roland Meßmer, der in den ersten Jahren, die Dörflinger in Tengen verbracht hat, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates Blumenfeld-Weil war, erinnerte sich in einer Ansprache an „strenge Sitzungen, die auch mal etwas länger gedauert haben.“ Und er ließ diverse Renovierungen in den Kirchen in Blumenfeld und Weil in der Ära Harald Dörflingers Revue passieren. Beispielsweise die Sanierung des Glockenstuhls in der Blumenfelder Kirche.

Dank für Dörflingers Offenheit

Michael Weber, evangelischer Pfarrer von Tengen, bedankte sich in einem Grußwort in der Kirche für die Offenheit Dörflingers. „Wir sind zusammen im Pfarrgarten gesessen und haben geschaut, was wir als Katholiken und als evangelische Christen gemeinsam machen können“, erinnert er sich. Und damit ist er wohl nicht der einzige, der dankbar dafür ist, Pfarrer Harald Dörflinger kennengelernt zu haben.