Es kaut gemütlich vor sich hin, ohne zu wissen, dass es Teil eines langfristig angelegten Projektes ist: Das Schaf auf einer Fläche Ob den Reben in der Nähe des Blumenfelder Friedhofs. „Es handelt sich um ein Coburger Fuchsschaf“, erläutert Beweiderin Katharina Steidle, deren Tiere in Tengen-Wiechs leben. 32 Schafe und ein Bock weiden zurzeit in Blumenfeld. Diese Rasse fresse viel, was andere Rassen nicht mögen, beispielsweise Gestrüpp, erläutert die Beweiderin. „Diese Schafrasse ist robust und genügsam“, ergänzt Biotopverbundmanager Sven Gebhart vom Landschaftserhaltungsverband.

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Die etwa zwei Hektar große Fläche gehört seit 2008 der Stadt Tengen und wurde vor etwa zehn Jahren zuletzt gepflegt. Mit den Jahren war sie verbuscht. Im vergangenen Herbst kamen Forstmulcher und Motorsäge zum Einsatz. Jetzt wurde die Fläche eingezäunt und seit April abschnittsweise mit Schafen beweidet. Damit die Schafe Gras und Gestrüpp sauberer herunterfressen, werden sie nach und nach in die verschiedenen Parzellen gelassen. „So wird der Beweidungsdruck erhöht“, drückt es Gebhart aus. Das Wetter sei in diesem Sommer die größte Herausforderung gewesen, berichtet Beweiderin Steidle.

Coburger Fuchsschafe sind auf einer Fläche bei Tengen-Blumenfeld, um die sich der Landschaftserhaltungsverband des Landkreises annimmt, ...
Coburger Fuchsschafe sind auf einer Fläche bei Tengen-Blumenfeld, um die sich der Landschaftserhaltungsverband des Landkreises annimmt, im Einsatz. Sie spielen eine wichtige Rolle dabei, diese von einer verbuschten Fläche zu einer Streuobstwiese zu entwickeln. | Bild: Uli Zeller

Zunächst die große Trockenheit und dann der Regen – da würden Kräuter und Gräser stark sprießen. „Dann müssen wir darauf achten, dass die Schafe überall hin kommen und dass das Gras nicht zu lang wird“, so Steidle. Um langes Gras zu fressen, würden sie nämlich mehr Zeit benötigen. Dadurch können sich weitere Beweidungen zeitlich nach hinten verschieben. Für die Entwicklung von Blühpflanzen für eine optimale Flächenentwicklung sei aber der richtige Zeitpunkt für die Beweidung wichtig.

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Das Projekt hat sich seit letztem Herbst deutlich weiter entwickelt: Büsche wurden weggeschnitten. Die typische „Mosaikstruktur“ einer Streuobstwiese sei entstanden, wie Gebhart erklärt. Eine Streuobstwiese in mehreren Stockwerken. „Bäume, vereinzelte Strauchgruppen und Unterwuchs bieten für viele Arten einen Lebensraum“, so fasst Gebhart die Vorteile einer gepflegten Wiese zusammen. Im Hang befinden sich einzelne Stellen, an denen der Boden aufgebrochen oder abgerutscht ist. Nun noch verstärkt durch die Schafe: Die Tiere schaffen durch Tritte offene Bodenstellen, die wiederum das Keimen und Aufkommen diverser Pflanzen in der Fläche ermöglichen.

Biotopverbundmanager Sven Gebhart vom Landschaftserhaltungsverband: „Coburger Fuchsschafe sind robust und genügsam.“
Biotopverbundmanager Sven Gebhart vom Landschaftserhaltungsverband: „Coburger Fuchsschafe sind robust und genügsam.“ | Bild: Uli Zeller

Die offenen Stellen können zudem Nistplatz für Wildbienen werden. Weiter beschreibt Gebhart: „Daneben profitieren höhlenbrütende Vögel, Zauneidechse und baumbewohnende Fledermäuse von der Öffnung des Geländes. Das vorhandene Totholz bietet zudem vielen weiteren Insekten Nist- und Fortpflanzungsmöglichkeiten.“ Auch auf Blühpflanzen wirke sich die Öffnung des Geländes positiv aus. Das auf einzelnen Flächenteilen ausgebrachte Saatgut stamme von lokalen Wiesen. Schafe tragen die Samen im Fell und über den Kot weiter. In Folge kann mit verstärktem Blütenangebot für wildlebende Insekten in der Wiese gerechnet werden. Diverse Schmetterlingsarten und Wildbienen fliegen und surren schon jetzt über Blumenfelds entstehende Streuobstwiese.