Man stelle sich ein Kind vor, das zu Weihnachten ein Fahrrad bekommt. Und dann bis Ostern nur klingeln darf. Mit diesem Vergleich brachte Feuerwehrkommandant Wolfgang Veit aus Tengen nicht nur die gut 50 anwesenden Feuerwehrleute, Gemeinderäte und Wiechser Bürger zum Lachen.

Der Vergleich bringt die Situation auf den Punkt: Schon länger stand das 180 PS starke neue Feuerwehrfahrzeug für die Wiechser bereit. Doch wegen Corona konnte die Wehr mit dem Fahrzeug nicht üben und es deshalb auch nicht einsetzen. Um in Veits Bild zu bleiben: Nun muss sich die Wiechser Wehr nicht mehr aufs Klingeln beschränken – sondern kann auch Gas geben.

Windpark ist eine Herausforderung

Jenseits von Corona gibt es weitere Herausforderungen, vor der die Wiechser Feuerwehr steht. Zum einen: Was passiert, wenn an den drei Windrädern im Windpark Verenafohren ein Feuer ausbricht?

Bürgermeister, Gemeinderäte, Wiechser Bürger und viele Feuerwehrleute beobachten die Übergabe des neuen Löschfahrzeuges an die Feuerwehr Tengen-Wiechs.
Bürgermeister, Gemeinderäte, Wiechser Bürger und viele Feuerwehrleute beobachten die Übergabe des neuen Löschfahrzeuges an die Feuerwehr Tengen-Wiechs.

Die Feuerwehr hat dieses Szenario bereits geübt, wie der Wiechser Abteilungskommandant Herbert Stihl auf telefonische Nachfrage erläuterte. „Im Ernstfall sperren wir das Gebiet weiträumig ab und löschen herunterfallende Teile.“ Gute Dienste werde dabei der unterirdische Tank leisten, der Wasser für solche Notfälle bereit hält.

TSF-W hat 700 Liter Wasser an Bord

Und hier kommt ein Vorteil des neuen 186.000 Euro teuren TSF-W ins Spiel. Im Gegensatz zum alten Fahrzeug der Wiechser Feuerwehr hat das Fahrzeug Wasser an Bord. Und zwar 700 Liter. Dafür steht auch der Name: „TSF-W“ bedeutet „Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser“. Beim alten Fahrzeug war man stets darauf angewiesen, das Wasser einem Hydranten oder einem Bach entnehmen zu können.

Eine weitere Herausforderung für die Feuerwehr in Tengen-Wiechs ist die abgelegene Lage. „Die Anfahrt von Tengen nach Wiechs benötigt einige wertvolle Minuten“, erläutert Kommandant Wolfgang Veit. Diese Minuten können nun gespart werden.

Gute Zusammenarbeit der Wehren

Bei der kleinen Feier in Wiechs bestätigte auch Tengens Bürgermeister Marian Schreier die Dringlichkeit für den abgelegenen Ortsteil: „Nun ist der erste Tengener Ausrückbezirk vollständig ausgestattet. Wegen der Windräder war ein Feuerwehrauto mit Wasser erforderlich.“ Hervorgehoben wurde auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gemeinden.

Andreas Egger, stellvertretender Kreisbrandmeister, bezeichnete etwa die Situation vor Ort als „wegweisend für den Kreis Konstanz„. Die Feuerwehren in Hilzingen und Tengen haben gemeinsam drei Fahrzeuge angeschafft. Diese fanden ihre Einsatzorte in den zwei Hilzinger Teilorten Duchtlingen und Schlatt am Randen, sowie im Tengener Teilort Wiechs.

Jeder zehnte Dorfbewohner macht mit

Noch wichtiger als Hubraum und Pferdestärken ist, wie Abteilungskommandant Stihl hervorhebt, vor allem die Motivation der Bevölkerung, sich bei der Feuerwehr einzubringen: „Bei knapp 400 Einwohnern haben wir in Wiechs 39 Feuerwehrmänner und drei Feuerwehrfrauen.“ Ein so hoher Prozentsatz Feuerwehrleute sei wohl im ganzen Kreis Konstanz einmalig, vermutet Stihl.

Herbert Stihl selbst wollte im Frühling sein Amt als Wiechser Abteilungskommandant eigentlich aufgeben. Jetzt wurde ihm dieser Schritt durch Corona verwehrt. Eine heitere Seite kann er der Situation abgewinnen: „Als ich vor 30 Jahren Abteilungskommandant wurde, haben wir das Löschfahrzeug LF 8 neu bekommen. Es war jetzt so lange im Einsatz wie ich als Abteilungskommandant. Jetzt, wo ich ans aufhören denke, bekommen wir ein neues Fahrzeug.“

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