Revierförster Tobias Müller legt ein Blatt auf den Tisch und trennt es durch mehrere Linien in unterschiedliche Bereiche. Diese Bezirke teilt er auf die gleiche Weise in weitere Felder. Und diese unterteilt er weiter. „So funktioniert die Realteilung“, erläutert er. Diese sei in Südbaden eine Besonderheit. Das Blatt steht für den Wald, der vererbt wird. Jeder Nachkomme bekommt einen gleich großen Anteil. Und wenn dieser Nachkomme seinen Wald weiter vererbt, wird er in noch mehr kleine Teile zerlegt. Rebecca Göttel ist ebenfalls studierte Försterin und leistet ihre zweijährige Anwärterzeit auf die gehobene Forstlaufbahn in Tengen. Sie zieht das Tablet heraus und zeigt das gleiche Phänomen auf einer Karte, die in kleine Felder eingeteilt ist: „So sieht der kleinstrukturierte Wald in Teilen von Tengen aus“, erklärt sie. Die Waldstücke seien inzwischen so weit vererbt worden, dass manche Besitzer gar nicht mehr wissen, dass sie ein Stück Wald in Tengen haben.

Waldstücke sind schwer erreichbar

Zum Teil seien die Waldstücke nur schwer erreichbar. Und genau dies werde zum Problem, wenn sich der Borkenkäfer vermehrt. „Es ist oft schwierig, den Eigentümer zu finden und wir können nicht einfach die vom Käfer befallenen Bäume im Privatwald fällen“, so Müller. Der Borkenkäfer vermehre sich also weiter. Das Neben- und Ineinander von Privat-, Gemeinde- und Staatswald mache die Sache noch komplizierter. „Der Borkenkäfer kennt diese Grenzen nicht“, so Göttel.

Ursache für den Käferbefall sei die extreme Trockenheit im Hegau, erläutert der Förster. Tobias Müller fasst seine Erfahrungen zusammen: „Viele Gewitter machen einen Bogen um Tengen und ziehen hier vorbei.“ Im Jahr 2016 habe es eine lange Trockenphase gegeben. Der Hitzesommer 2018 habe die Böden noch mehr ausgetrocknet. „Kiesige Böden speichern im Gegensatz zu lehmigem Boden wenig Wasser“, so Müller. Zwischenzeitlich sei der Boden bis auf 1,80 Meter Tiefe ausgetrocknet gewesen, berichtet der Förster.

Revierförster Tobias Müller im Evangelischen Gemeindehaus Tengen, wo er sein neues Büro bezogen hat. Hier erklärt er mit einer Skizze, wie sich die Borkenkäfer vermehren – und welche Folgen die Realteilung im Tengener Wald hat. Im Gemeinderat hatte er zuvor über die Situation des Waldes berichtet.
Revierförster Tobias Müller im Evangelischen Gemeindehaus Tengen, wo er sein neues Büro bezogen hat. Hier erklärt er mit einer Skizze, wie sich die Borkenkäfer vermehren – und welche Folgen die Realteilung im Tengener Wald hat. Im Gemeinderat hatte er zuvor über die Situation des Waldes berichtet.

Begünstigt werde die Situation auch durch die zahlreichen Fichten. Nach dem Krieg habe man schnell wachsendes Holz benötigt und viele Fichten gepflanzt. So sind fichtenreiche Wälder entstanden. Durch den milden Winter hätten zudem die meisten Borkenkäfer die kalte Jahreszeit überstanden. Je früher vom Borkenkäfer befallenes Holz geerntet werde, umso besser sei der Preis, den man dafür noch erzielen könne.

Bei Tengen-Watterdingen sieht man viele vertrocknete Buchen. Auch der Wald in Wiechs ist von Schäden betroffen, die auf die Klimaerwärmung zurückzuführen sind. Im Körbeltal müssen Sicherungsarbeiten durchgeführt werden. Es bleibt insgesamt die Frage zurück, ob die Bürokratie rings um den Borkenkäfer die Probleme für den Wald nicht noch viel schlimmer macht.