Hingebungsvoll schwenkt er das Weihrauchfass hin und her. Im Altarraum der Kirche ist bald nicht mehr viel zu sehen. So dicht ist die Luft mit Weihrauch gesättigt. Simon Weber ist in Tengen seit Jahren bekannt als der Ministrant, der in der Messe besonders viel Weihrauch aufwirbelt.

Weihrauch-Gen vom Vater

Spricht man ihn darauf an, führt er dafür eine erbliche Vorbelastung ins Feld und sagt: „Mein Vater war Ministrant in Schlatt unter Krähen. Dort hat der Pfarrer immer gesagt: Bis zur Predigt will ich niemanden mehr vom Chor sehen.“ Womit der Priester Simon Webers Vater zur Produktion von möglichst viel Weihrauch aufforderte.

Das Weihrauch-Gen ging wohl direkt auf die nächste Generation über. Sohn Simon ist inzwischen Oberministrant in Tengen. Dort jedoch gebe es leider eine Einschränkung bezüglich viel Weihrauch, wie er erläutert: „In Tengen ist der Griff zum Fenster vom Chor aus sehr nah.“

Seit 16 Jahren bei den Ministranten

Bereits seit er sechs Jahre alt ist, engagiert sich Simon Weber bei den Tengener Ministranten. Schon damals sei er gerne in die Kirche gegangen. Ehrfürchtig habe er sich immer gefragt: „Wie kann es sein, dass man so ein großes Bauwerk mit Bildern errichtet für etwas, das gar nicht da ist?“

Er habe sich gefragt, woher die verschiedenen Rituale kommen und warum man sie feiert. Daraus ist inzwischen eine Überzeugung geworden. Simon Weber erläutert: „Der christliche Glaube ist der einzige, der glaubt, dass sein Messias schon auf der Welt war.“ Das motivierte den heute 22-Jährigen dazu, sich in der Kirchengemeinde zu engagieren.

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Auch bei Fahrten ins Pfingstlager mit den Ministranten gehört er seit Jahren zum festen Team. Und dort ist Simon Weber mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Zum Beispiel, wenn der Bus auf der Autobahn eine Panne hat – und das Leiter-Team stundenlang mit Spielen für gute Laune bei den Kindern sorgen muss. Oder wenn die Räume vor Ort anders sind als geplant – und man sich Alternativen überlegen muss.

Trompete, Klavier und Orgel

Seit Simon Weber sechs Jahre alt ist, spielt er Trompete. Später kamen dann noch Klavier und Orgel dazu. Obwohl er inzwischen in Freiburg lebt, pendelt Weber doch jedes Wochenende nach Tengen und spielt Orgel im Gottesdienst. Auch bei Beerdigungen unterstützt er mit musikalischer Begleitung.

Und er ist in der Ökumenischen Chorgemeinschaft aktiv. Für den Kindergarten und Erstkommunion-Kinder bietet er Orgelführungen an. Simon Weber berichtet: „Die Kinder sind immer ganz fasziniert, wenn man ihnen zeigt, wie mit diesen großen Orgelpfeifen ein Ton entsteht.“

Im Vorstand der Stadtkapelle

Auch in der Tengener Stadtkapelle ist Simon Weber inzwischen im Vorstands-Team. Für ihn als 22-Jährigen war es dort am Anfang eine große Frage: Wie kann ich als junger Vorsitzender älteren Musikern gegenübertreten, die seit Jahrzehnten dabei sind?

Und er habe auch schon einiges gelernt. Zum Beispiel, wenn es um Kritik geht: „Man darf die Kritik nicht persönlich nehmen. Oft gilt sie einer Sache. Und wir können dann gemeinsam überlegen, wie wir es künftig besser machen können,“ sagt Weber.

Er macht keinen Wirbel um sich

Der Tengener katholische Pfarrer Harald Dörflinger sagt über Weber: „Simon braucht keine lange Debatten. Wenn er einen Notwendigkeit zum Anpacken sieht, sucht er sich seine Leute. Und wenn die wesentlichen Dinge stehen, setzt er die Dinge einfach um.“

So passt das Bild vom Oberministranten, der im Weihrauch untergeht, vielleicht ganz gut zu Simon Weber. Er setzt viel in Bewegung. Aber er macht dabei keinen Wirbel um sich selbst – und verschwindet manchmal sogar im Hintergrund.

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