„Es gibt wohl kaum eine Familie in Tengen-Watterdingen, bei der Manfred Gruber nicht schon bei einem freudigen oder traurigen Ereignis Orgel gespielt hat.“ So brachte es Egon Messmer, Vorsitzender des Kirchenchores Watterdingen, auf den Punkt.

Traurig zeigte sich der Vorsitzende darüber, dass die Watterdinger Katholiken ihre Anerkennung gegenüber Gruber nicht mit einer prall gefüllten Kirche zum Ausdruck bringen konnten. Nein, es waren nur 50 Besucher, die an Pfingsten am Gottesdienst in der Kirche in Watterdingen teilnehmen konnten.

Ungewöhnliche Form wegen Corona

Die Abstandsregelungen rund um das Coronavirus machten die für einen solchen Gottesdienst ungewöhnliche Form mit leeren Bänken, rot-weißen Flatterbändern in den Gängen und Markierungen auf dem Boden notwendig. Die festliche Stimmung der Gemeinde vermochte das Virus jedoch nicht zu zerstören.

Pfarrer Harald Dörflinger überreicht Angelika Gruber, Ehefrau von Manfred Gruber, im Pfingstgottesdienst in Tengen-Watterdingen einen Blumenstrauß.
Pfarrer Harald Dörflinger überreicht Angelika Gruber, Ehefrau von Manfred Gruber, im Pfingstgottesdienst in Tengen-Watterdingen einen Blumenstrauß. | Bild: Uli Zeller

Pfarrer Harald Dörflinger, Leiter der Seelsorgeeinheit Am Randen-Tengen, griff die Verdienste Manfred Grubers sogar in der Pfingstpredigt auf, indem er Grubers musikalische Leistungen in die Nähe des Pfingstwunders rückte.

Orgelunterricht mit 15 Jahren

Angefangen habe alles, als Manfred Gruber 15 Jahre alt war. Der damalige Watterdinger Pfarrer benötigte einen Organisten für seine Gottesdienste. Und er sagte: „Manfred kann das übernehmen.“ Grubers Vater war Musikdirigent – also sagte der Pfarrer zu ihm: „Du musst deinem Sohn Orgel beibringen.“

Musikalische Vorerfahrungen hatte der Jugendliche bereits – aber noch nicht an der Orgel. Also ging es zum Unterricht nach Singen. Und schon ein dreiviertel Jahr später saß der junge Manfred an der Watterdinger Orgel und begleitete einen Gottesdienst.

Es war jedoch nicht irgendein Gottesdienst – sondern der Weiße Sonntag. Und die Kirche sei knallvoll gewesen, berichtet Gruber. Abgeschreckt vom Dienst an der Orgel hat ihn das Lampenfieber und die volle Kirche an seinem ersten Weißen Sonntag aber wohl nicht. Denn ab diesem Zeitpunkt war und blieb Manfred Gruber Organist in Tengen-Watterdingen.

Bei Hitze und Schnee

Damals sei er mit seinen Kollegen oft am Samstagabend tanzen gegangen – und erst am frühen Morgen wieder heim gekommen, erinnert sich Manfred Gruber im Telefongespräch mit dem SÜDKURIER: „Und dann war um neun Uhr schon die Messe. Die Mutter kam in mein Schlafzimmer, hat mich am großen Zeh gepackt und gesagt: Aufstehn!“ Bei sengender Hitze und hohem Schnee hat er den Weg von Leipferdingen nach Watterdingen zurückgelegt, um seinen Organistendienst zu tun.

Und einige Jahrzehnte auch, um den Kirchenchor zu dirigieren. Als eine seiner ersten Amtshandlungen als Chorleiter habe er darauf geachtet, dass der Chor die richtige Sitzordnung einhält – und jede Stimme am richtigen Platz sitzt, so berichtete Pfarrer Harald Dörflinger in seiner Ansprache.

Das könnte Sie auch interessieren

Und er habe als einer der ersten ein Konzert in der Kirche aufgeführt, erzählt Manfred Gruber. Man habe davor eine gewisse Skepsis im Ort empfunden. Als die Menschen jedoch gemerkt hätten, dass ein Konzert der besonderen Funktion einer Kirche als spirituellem Ort nicht zuwiderlaufen muss, seien sie doch begeistert gewesen von dem Konzert.

„Ich glaube ganz fest an den Herrgott“

Egon Messmer, Vorsitzender des Kirchenchores warf in seiner Ansprache in der Kirche Watterdingen die Frage auf, was Manfred Gruber dazu motiviere, sich in diesem Umfang für seine Kirchengemeinde einzusetzen. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER beantwortete Manfred Gruber die Frage mit einem schlichten Satz: „Ich glaube ganz fest an den Herrgott.“