Eine Gruppe Kinder steht an der Bushaltestelle „Im Glöckler“ in Tengen-Watterdingen. Doch das Bild, das sich einem dort bietet, erinnert eigentlich nicht an eine klassische Haltestelle – bei der es einen Wartebereich und ein Wartehäuschen gibt. „An dieser Haltestelle ist nur ein Gehweg mit Schild“, fasst Petra Fritsch, Leiterin der Stabstelle Bauen und Stadtentwicklung der Stadt Tengen, die Situation zusammen.

Ein Lastwagen donnert an der Haltestelle vorbei, die sich kurz hinter der Ortseinfahrt aus Richtung Engen befindet. „Lastwagen sind ein großes Problem“, bestätigt Ortschaftsrat Christoph von Piechowski beim Termin vor Ort. Ortsvorsteher Stefan Armbruster bringt das Problem auf den Punkt: „Hier ist kein Platz zum Warten.“

Bei Dunkelheit gefährlich

Die Kinder stehen auf dem Bürgersteig. Besonders schwierig werde es im Herbst und Winter, erläutert Mutter Anja Stühlke: „Wenn es dunkel wird, die Kinder Schirme dabei haben und Schnee liegt, ist es hier gefährlich.“

Die Kinder, die hier stehen, kommen zum größten Teil aus dem angrenzenden Neubaugebiet „Im Glöckler“. Der Bus bringt sie in die Grundschule nach Tengen. Schon seit Jahren werden hier im Ortsteil Watterdingen Notlösungen praktiziert: Die Schulkinder dürfen auf dem angrenzenden Hof warten. Eltern stehen dabei und passen auf.

Umbau kostet 21.500 Euro

Diese Bushaltestelle in Watterdingen war auch Thema im Tengener Gemeinderat. Eine Firma aus Stockach hat den Auftrag bekommen, die Haltestelle barrierefrei umzubauen. Das kostet knapp 21.500 Euro. Anwohner haben dafür ein Stück ihres Grundstücks an die Stadt verkauft.

Die Bushaltestelle soll etwas nach hinten versetzt werden, sodass ein seperater Wartebereich angelegt werden kann, erläutert Petra Fritsch: „Außerdem wird der Gehweg erhöht, sodass der Bus gut hinfahren kann“, erklärt sie. Dadurch könne die Rollstuhlrampe des Busses direkt aufgelegt werden.

Schützt Wartehäuschen vor Gefahr?

Auch über ein Wartehäuschen wurde im Gemeinderat gesprochen. Doch das Geld reichte dafür nicht aus. Die CDU sei geschlossen dafür gewesen, doch die anderen Fraktionen mehrheitlich dagegen, fasste ein Teilnehmer die Abstimmung im Tengener Rat zusammen. Albrecht Finsler (CDU) erklärt auf Nachfrage: „Die Bushaltestelle stellt ein hohes Gefahrenpotenzial dar. Daher war uns die Fertigstellung wichtig.“

Bei der ersten Sitzung des Tengener Gemeinderates, die komplett mit Mundschutz stattfand, ging es auch um den Umbau der Bushaltestelle im Ortsteil Watterdingen.
Bei der ersten Sitzung des Tengener Gemeinderates, die komplett mit Mundschutz stattfand, ging es auch um den Umbau der Bushaltestelle im Ortsteil Watterdingen. | Bild: Uli Zeller

Ein Buswartehäuschen senke die Gefahr nicht, äußerte sich ein weiterer Gemeinderat auf Nachfrage des SÜDKURIER kritisch. Adelbert Zeller (Freie Wähler) erläutert: „Die Kosten allein für den Gehweg sind so hoch ausgefallen, dass es den im Haushalt festgelegten Betrag bereits überschreitet.“

Gratis-Häuschen gegen Werbung?

Gemeinderat Thorsten Frank von der CDU brachte noch die Idee ein: „In Singen stellt eine Firma die Buswartehäuschen gratis zur Verfügung – und bestückt sie dafür mit Werbung.“ Bürgermeister Marian Schreier kannte diesen Lösungsansatz schon. Er hob die Lage Tengens hervor: „Tengen ist zu wenig werbewirksam.“ Zu wenig Leute würden die Werbung im Ortsteil Watterdingen sehen – und damit würde das Wartehäuschen nicht von der Firma finanziert werden.

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Michael Grambau (Freie Bürger/SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass das Buswartehäuschen in den nächsten Haushaltsplan der Stadt aufgenommen werden kann und die Baumaßnahme dann im Jahr 2021 vollzogen werden kann.