Bei Laszlo (31) und Melina (28) Kuli stehen große Veränderungen an. Bald kommt ihr erstes Kind auf die Welt. Und dann haben sie auch noch einen Bauplatz gekauft. Dort sollen bald die Bagger rollen und ihr Eigenheim gebaut werden. Der Einzelhandelskaufmann und die Industriekauffrau gehören zu den ersten Häuslebauern, die in Tengen ein Grundstück nach den neuen Bauplatzvergaberichtlinien erworben haben.

Bürgermeister Marian Schreier erläutert auf Nachfrage: „Die Bauplatzvergaberichtlinien gibt es seit Oktober 2017. Beim Baugebiet Ob den Häusern wurden die Kriterien das erste Mal angewendet. Ziel war, die Vergabe von Bauplätzen nach einheitlichen Kriterien zu regeln und nicht mehr nach dem Windhundprinzip zu vergeben.“ Der Vergleich mit dem Windhund steht dafür, dass eben nicht derjenige den Bauplatz bekommt, der sich zuerst meldet. Nach einem Punktesystem werden die Bewerber gewertet – und je mehr Punkte die Bewerber zusammen bekommen, umso eher bekommen sie ihren Wunsch-Bauplatz.

So sieht der Blick vom Neubaugebiet „Ob den Häusern“ über Tengen aus. Der Gemeinderat hat die Richtlinien zur Vergabe von Bauplätzen nun überarbeitet und eindeutiger formuliert.
So sieht der Blick vom Neubaugebiet „Ob den Häusern“ über Tengen aus. Der Gemeinderat hat die Richtlinien zur Vergabe von Bauplätzen nun überarbeitet und eindeutiger formuliert. | Bild: Uli Zeller

„Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint“, erläutert Laszlo Kuli auf seinem neuen Grundstück und schmunzelt dabei. „Alle Bauplätze bekommen eine Nummer – und dann kann man als Bewerber seine Wunschgrundstücke nennen“, erläutert er. Ein anderer Häuslebauer habe aber mehr Punkte gehabt. So habe es nicht für das Grundstück gereicht, das sie sich in der gleichen Straße zuerst gewünscht hatten. Doch inzwischen sind die Kulis mit ihrem jetzigen Grundstück glücklicher als mit dem, das sie sich zuerst ausgesucht hatten. „Sowohl von der Lage als auch von der Größe her gefällt es uns eigentlich besser“, erläutert Melina Kuli.

Punkte gab es bei den Kulis einige. Vor allem die Punkte von Laszlo Kuli wurden gezählt, denn – so heißt es in den Richtlinien: „Wenn es neben einem Bewerber noch einen Mitbewerber gibt, wird derjenige bewertet, der die höhere Punktzahl erreichen kann.“ Der in Tengen aufgewachsene Laszlo schafft mehr Punkte als die aus Binningen stammende Melina. Laszlo Kuli bekam Punkte dafür, dass er früher schon in Tengen gewohnt hat. „Ich habe in Tengen schon den Kindergarten und die Grundschule besucht“, berichtet er. Auch für sein Vereinsengagement gibt es Punkte. Davon hat Laszlo Kuli in den letzten Jahren schon viel in Tengen erbracht. So kickt er seit Jahren mehrmals pro Woche mit der SG Tengen-Watterdingen. Und im Narrenverein Kamelia ist er Zunftmeister.

Absolute Gerechtigkeit kann es allerdings nicht geben

Auch im Gemeinderat debattierten die Räte über die Änderung bestehender Kriterien. Ein aktives Vereinsmitglied bekommt nach drei Jahren Punkte, während es bisher zwei Jahre waren. Für kommunalpolitisches Engagement im Gemeinde-, Ortschafts- oder Kreisrat gibt es ab sofort ebenfalls Punkte. Es gebe bei der Erstellung solcher Kriterien keine absolute Gerechtigkeit, betonte Bürgermeister Marian Schreier im Gemeinderat nach einer längeren Diskussion.

Die Kulis freuen sich, dass sie nun in Tengen ihren Bauplatz bekommen haben. Aber noch glücklicher sind sie darüber, dass aus dem Ehepaar bald eine Familie wird.