Herr Maier, haben Sie mal versucht die Stunden zu ermitteln, die Sie dem Verein zur Verfügung gestanden haben?

Nein, das ist nicht möglich, denn zu den Proben und Auftritten kommen ja noch eine Vielzahl an Arbeitseinsätzen für Feste. Von 1983 bis 1996 war ich noch Kassierer und damals war der Kassierer bei einem Fest der erste und der letzte. Zudem trat ich 2001 dem Ausschuss bei, welcher der Vorstandschaft mit Rat und Tat zur Seite steht.

In einem Musikverein aktiv sein, bedeutet mindestens eine Probe pro Woche und viele Auftritte. Ist da noch Zeit gelieben für ein anderes Hobby?

Ja, für andere Vereine! Ich bin seit über 30 Jahre Sänger beim hiesigen Katholischen Kirchenchor, war 40 Jahre aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr und, da ich 37 Jahre in der früheren Alu gearbeitet habe, auch 23 Jahre in der dortigen Werksmusik aktiv. In meiner Jugend habe ich zudem noch Fußball gespielt.

Ist es möglich, bei so vielen Vereinen alle Proben zu besuchen?

Alle nicht, zumal ich in drei Schichten gearbeitet habe. Wenn es irgendwie ging, habe ich versucht, da zu sein. Es war nicht ungewöhnlich, dass ich mittwochs von der Probe bei der Werksmusik in Singen direkt in die Probe des Kirchenchores fuhr. Beim Musikverein war ich immer, wenn es mein Schichtplan zuließ.

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Jetzt spielen Sie Bariton. War das immer so?

Nein, mein erstes Instrument, als ich mit 13 Jahren 1954 in den Verein eingetreten bin, war die Klarinette. Auch die Ventilposaune hatte es mir kurzzeitig angetan. Dann habe ich Trompete gelernt und als man beim Musikverein in den 60er Jahren Flügelhörner brauchte, wechselte ich auf das Flügelhorn. Und 2010, als das tiefe Blech verstärkt werden musste, wechselte ich vom Flügelhorn auf das Bariton.

Unter wieviel Dirigenten haben Sie in den 65 Jahren gespielt?

Unter sieben Dirigenten und jetzt mit der 22-jährigen Antonia Meßmer erstmals unter dem Dirigat einer Frau. Und ich muss sagen, die Antonia macht das ganz hervorragend.

Seit 65 Jahren hält Werner Maier dem Musikverein Harmonie Büßlingen die Treue.
Seit 65 Jahren hält Werner Maier dem Musikverein Harmonie Büßlingen die Treue. Bild: Bild: Reinhold Buhl

Wie stand Ihre Familie zu den Vereinsaktivitäten?

Meine Frau, die leider vor drei Jahren verstorben ist, stand voll hinter meinem ehrenamtlichen Engagement. Sie hat mitgezogen und bis zu Ihrer Krankheit ist zum Beispiel für Musikvereinsfeste jeder Salat, insbesondere der Kartoffelsalat, in unserem Haus gemacht worden. Und den beiden Buben habe ich die Musik im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Während sie in ihrer Wiege schliefen, habe ich oft zwei Zimmer weiter geprobt. Beide sind seit ihrer Kindheit auch aktiv beim Musikverein. Mein Sohn Andreas war 13 Jahre Dirigent beim MV Büßlingen, Sohn Michael sieben Jahre lang. Beide haben bei den früheren „flotten Bergsteigern“ mitgespielt und Michael hat die Kapelle „Michael Maier und seine Blasmusikfreunde“ gegründet und ist deren Leiter.

Was hat sich zu früher verändert?

Die heutigen jungen Musiker haben eine noch fundiertere und intensivere Ausbildung. Früher haben aktive Musiker den Nachwuchs ausgebildet. Heute sind es in den meisten Fällen die Musikschulen. Was für mich auch sehr positiv ist, es gibt im Verein ein Mehr an Miteinander. Die älteren Musiker akzeptieren die jungen und umgekehrt. Das war zu meiner Jugendzeit nicht immer so.