Er steht mitten in seiner Blühwiese, die oberhalb von Uttenhofen, dem kleinen Tengener Teilort, liegt. Von hier oben aus kann man einen herrlichen Panoramablick über den Hegau bis hin zum Bodensee genießen. Doch Stefan Leichenauer geht es an diesem Tag nicht um die Schönheiten der Landschaft, sondern um die Qualität seines landwirtschaftlich genutzten Bodens.

Er bewirtschaftet den Lauterbachhof, insgesamt 160 Hektar, davon sind zwei Drittel Ackerland und das andere Drittel Grünland. Zusammen mit Vertretern des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) hat er auf seinen Hof eingeladen, wo die Experten eine Zwischenbilanz des Erntejahrs 2018 in Südbaden vorstellen.

Konventionelle, aber nachhaltige Landwirtschaft

Leichenauer zieht aus seiner großen Bienenweide, eine bunte Mischung unter anderem aus Perserklee, Facelia, Kornblume und Dill, ein Büschel Pflanzen heraus, wobei sich eine Raupe gestört fühlt, die gerade an einem Blatt knabbert. Trotz der Trockenheit der letzten Wochen hängt noch viel Erde an den Wurzeln, sie ist dunkel und sogar noch etwas feucht.

Dies sei die 17 Zentimeter dicke Ackerkrume, also die lockere, bearbeitete, mit organischem Material angereicherte oberste Schicht, auf der alles wachse, erklärt Leichenauer. Der Ackerboden duftet säuerlich und frisch. Kohlweißlinge schwirren herum. Dieser Boden sei gut, wie Leichenauer erklärt.

Kompost aus der Biotonne für guten Boden

Doch man müsse auch etwas dafür tun. Zum Beispiel bringe er nach der Ernte jedes Jahr 480 Tonnen Kompost aus: „Aufbereitetes Material aus der Biotonne, das vom Kompostwerk der Landkreis Konstanz GmbH in Singen stammt.“ Werner Räpple, der Präsident des BLHV, bestätigt, wie wichtig die gute Bodenqualität und die entsprechende Bewirtschaftung seien, gerade in einem so schwierigen und sehr trockenen Erntejahr 2018.

Peter Graf, Kreisverbandsvorsitzender Konstanz des BLHV, fasst die derzeitige Erntesituation im Kreis Konstanz zusammen: „Weizen und Raps stehen gut, auch eine gute Kartoffelernte ist zu erwarten, allerdings ist die Situation beim Mais schwierig.“ Dagegen habe man den Grünschnitt vergessen können, der erste sei schon miserabel gewesen, der zweite genauso, und einen dritten habe es gar nicht gegeben.

Neue Technologie spart Pflanzenschutzmittel

Stefan Leichenauer, selbst beim BLHV aktiv, bewirtschaftet seinen Betrieb konventionell, allerdings nachhaltig und modern, wie er sagt. Zum Beispiel nutze er digitale Präzisionstechnologie, mit der bei Düngung und Pflanzenschutz nur gerade so viel aufgebracht werde, wie die Pflanzen individuell am jeweiligen Ort benötigten.

Durch das punktgenaue Ausbringen, das durch ein automatisches, bis auf 10 Zentimeter präzises Leitsystem möglich sei, spare er 30 Prozent an Pflanzenschutzmitteln ein.

Auch in Bezug auf die Vermarktung verfolgt der Landwirt aus Uttenhofen neue Wege. Er suchte sich regionale Abnehmer, natürlich auch wegen der besseren Preise, und lässt sein Getreide in einer Mühle in Bonndorf verarbeiten.

Klimawandel macht das Land trockener

Aus seinem Dinkelmehl entstehen dann zum Beispiel die Dinkelnudeln der Firma Alb-Gold und aus seinem Weizenmehl die Backwaren der Bäckerei Knöpfe in Blumberg.

Klaus Mastel, Referatsleiter für pflanzliche und tierische Erzeugung am Regierungspräsidium Freiburg, sieht Auswirkungen des Klimawandels: Man müsse über den Anbau von Nutzpflanzen nachdenken, die den trockenen Gegebenheiten angepasst seien, wie etwa die Sojabohne. 7300 Hektar würden jetzt schon angebaut, vor allem am Oberreihengraben und am Bodensee.

Auch gebe es gute Preise für Soja, das unter anderem zur Tofu-Herstellung und als Kraftfuttermittel für die Tiere genutzt werde. Sonderkulturen bräuchten aufgrund des Klimawandels besonderen Schutz, wie zum Beispiel Netze für Äpfel, und man denke grundsätzlich auch über Risikoversicherungen für Landwirte nach, so Mastel.