Höhepunkt neben den vielen musikalischen Darbietungen während des drei Tage währenden Dorffestes in Watterdingen war der Umzug, der an zwei Tagen stattfand. Das Motto „Ein Dorf im Wandel der Zeit“ war durchaus wörtlich zu nehmen war, denn der Gegensatz zwischen der Landwirtschaft früher und dem modernen Agrarwesen heute wurde frappant deutlich.

Das 850 Kilo schwere Kaltblut Max zog einen gefällten und entasteten Baumstamm. Er ist noch heute eine wichtiger Mitarbeiter bei Waldarbeiten.
Das 850 Kilo schwere Kaltblut Max zog einen gefällten und entasteten Baumstamm. Er ist noch heute eine wichtiger Mitarbeiter bei Waldarbeiten.

Heinz-Dieter Frank, der den Festumzug moderierte, wusste zu jeder Fußgruppe, zu jedem landwirtschaftlichen Fahrzeug und zu jeder Gerätschaft etwas zu berichten und stellte dabei auch die unterschiedlichen Arbeitsmethoden von damals und heute gegenüber. Ein toller Blickfang war zum Beispiel die Holzfällergruppe, bei der vorneweg das Kaltblut Max, ein schöner, 850 Kilo schwerer Wallach, einen gefällten und entasteten Baumstamm zog. Besitzer Wolfgang Weckerle nutzt das arbeitswillige Pferd mit seinem angenehmen Temperament bis heute bei der Waldarbeit.

Josef Münch hingegen, mit moderner Motorsäge ausgerüstet, stellte mit seiner Schnittschutzhose und dem Helm mit Visier, Schutzbrille und integriertem Gehörschutz die moderne Ausstattung in der Forstarbeit von heute vor, bei der Sicherheit an oberster Stelle steht.

Alle Zuschauer gehen in Deckung: Die Waschweiber wrangen die feuchten Tücher aus und schwangen sie, dass es nur so spritzte.
Alle Zuschauer gehen in Deckung: Die Waschweiber wrangen die feuchten Tücher aus und schwangen sie, dass es nur so spritzte.

Für viel Spaß und feuchte Abkühlung sorgten die Waschweiber mit Schürzen und Kopftüchern, die in ihrem fahrbaren Waschzuber große Laken wuschen. Zwei von ihnen hoben die feuchten Tücher dann aus dem Zuber, die dann ausgewrungen und wie ein Springseil geschwungen wurden, sodass das Nass unter großem Geschrei der vielen Zuschauer nur so spritzte. Vieles gab es noch zu sehen, etwa beladene Heuwagen, einen alten Mistwagen, der mit frischem Mist beladen war, auch alte Fahrräder, Motorräder und Autos. Doch im Mittelpunkt standen die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, mit alten und modernen Traktoren und vielen Spezialmaschinen.

Bürgermeister: Aktiv zum wohl der Gemeinschaft

Ortsvorsteher Stefan Armbruster und der Bürgermeister der Stadt Tengen, Marian Schreier, führten den Umzug zusammen nach alter Sitte eingerahmt von den schicken Ehrendamen Christa Müller, Verena Preter und Sabrina Risch an. In Frack und Zylinder bestieg der Ortsvorsteher dann das Rednerpodium und bedankte sich bei allen Mitwirkenden und Helfern. Bürgermeister Marian Schreier schlug in seiner Ansprache den Bogen in die Vergangenheit, als Watterdingen noch rein landwirtschaftlich geprägt und die ganze Familie über alle Generationen hinweg gefordert gewesen sei, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Leben und Arbeit sei bis heute von Veränderungen geprägt, die man aktiv zum Wohle der Gemeinschaft gestalten müsse. Wichtig für die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft sei das Zusammenleben auf Basis der Werte, die man gemeinsam vertrete und lebe, verbunden mit einer optimistischen Grundhaltung, wie das hier in Watterdingen der Fall sei.

Landtagsabgeordnete gratuliert

Gastrednerin Dorothea Wehinger, die sichtlich Spaß am Umzug hatte, beglückwünschte Watterdingen zu seiner tollen Dorfgemeinschaft. Sie sei heute an ihre Kindheit und Jugend auf dem Land erinnert geworden, wo sie Heuwagen mitbeladen und der Bauer im Kornfeld die Sense gedengelt habe. Heutzutage seien die Traktoren viel größer mit viel mehr Leistung und in zehn Jahren, so die Landtagsabgeordnete, würden sich wohl autonom fahrende Traktoren über die Felder bewegen.

 

Geschichte von Fest und Dorf

  • Die Entwicklung: Aus dem ehemaligen Mitteldorffest am alten Rathaus entwickelte sich das heutige Dorffest, das in der jetzigen Form zum siebzehnten Mal stattfand. Die Veranstaltung, die alle zwei Jahre steigt, dauert drei Tage, wobei dieses Mal der Festumzug unter dem Motto „Ein Dorf im Wandel der Zeit“ im Mittelpunkt stand. Erstaunlich ist, dass sich etwa 150 Watterdinger – von jung bis alt – aktiv am etwa einen Kilometer langen Umzug beteiligten. Die anderen Watterdinger waren in ihren Verein aktiv, die sich alle beim Dorffest einbrachten: als Musiker, als Helfer, als Techniker und als Spüler oder Bedienung in den Festzelten.
  • Das Dorf: Der Ort Watterdingen ist schon sehr alt, jedoch liegen aus frühesten Zeiten keine Aufzeichnungen vor. Es dürfte sich auch hier um eine der im Hegau so zahlreichen alemannischen Siedlungen handeln, die sich durch die Namensendung „ingen“ auszeichnen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 965, wonach Graf Chuno von Öhningen das Dorf Watterdingen zusammen mit anderen Besitzungen dem von ihm gestifteten Kloster Öhningen schenkte. 1392 kam Watterdingen in den Besitz der Herren von Klingenberg. Diese verpfändeteten 1463 die Herrschaft Blumenfeld, zu der auch Watterdingen gehörte, an die Herren von Bodman. Watterdingen blieb dann von 1488 an bei der Deutschen Ordenskommende Mainau und kam danach 1806 zu Baden. Heute sei Watterdingen ein blühender Ort, wo immer noch Landwirtschaft betrieben werde, doch auf moderne Art, sagte Bürgermeister Schreier in seiner Ansprache. Betrieben aus Industrie und Handwerk hätten sich hier ebenfalls etabliert.