Es sei anders gekommen, als es alle erwartet hatten, sagt Joachim Straub zu Beginn der Bilanzpressekonferenz der Volksbank Schwarzwald-Baar-Hegau. Der Vorstandsvorsitzende bezieht sich dabei auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. „Alle hatten damit gerechnet, dass die Zinsen 2019 wieder steigen würden, jetzt sind sie im ersten Quartal sogar noch gesunken“, bilanziert Straub.

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Die Volksbank habe aber im vergangenen Jahr trotz der Niedrigzinsen den Zinsüberschuss erneut steigern können. Derzeit gebe es keine verlässlichen Informationen dazu, wie sich die Zinssituation weiter entwickle, ergänzt Vorstandsmitglied Ralf Schmitt: „Die Hoffnung auf leicht steigende Zinsen stirbt zuletzt, aber ob sich das so schnell realisieren lässt?“ Es bestehe auch kein Druck, die Zinspolitik zu ändern: Die Staatshaushalte würden profitieren und der Euro bleibe trotz allem eine harte Währung.

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Auf die Bilanz der Volksbank Schwarzwald-Baar-Hegau hatte die aktuelle Zinspolitik auf jeden Fall keine negativen Auswirkungen. „Das Ergebnis lag wie erwartet über dem des Vorjahres“, so Joachim Straub. Sowohl bei der Bilanzsumme als auch beim betreuten Kundenvolumen konnte die Volksbank jeweils zulegen.

Bild: Schönlein, Ute

Die Niedrigzinsen spiegeln sich vor allem im Kreditgeschäft der Volksbank wider. Daneben bleibt die zunehmende Digitalisierung ein Hauptthema für das Bankhaus.

  • Niedrigzins fördert Investitionen: „Wir sind in einer Region aktiv, die von den derzeit tiefen Zinsen profitiert“, sagt Vorstandsmitglied Ralf Schmitt. Das mache sich vor allem bei den Immobilienkrediten bemerkbar. Wie auch im bundesweiten Durchschnitt habe dort die Nachfrage zugelegt. „Auch für die ersten Monate des neuen Jahres liegen wir bei den Immobilienkrediten bereits über den Erwartungen“, so Schmitt. Von den tiefen Zinsen würden aber auch Unternehmen profitieren, die derzeit verstärkt investierten, etwa in ihren Maschinenpark.
  • Digitale Angebote legen zu: Im Privatkundenbereich setze sich der Trend fort, dass immer mehr Geschäfte digital abgewickelt würden, so Schmitt: „Die digitalen Zugangswege werden von Jahr zu Jahr stärker genutzt.“ Das betreffe sowohl das Online-Banking als auch die Beratung per Video-Telefonie. An 17 Standorten bestehe derzeit das Angebot, an sogenannten Service-Points über eine Kamera eine persönliche Beratung durch Mitarbeiter des Kundenservice-Centers zu erhalten, so Schmitt: „Die Nutzungszahlen der Service-Points legen pro Jahr im zweistelligen Bereich zu.“ Immer mehr Geschäfte könnten denn auch über das Telefon abgewickelt werden.
  • Keine Schließungen, aber neue Öffnungszeiten: Die zunehmende Nachfrage nach digitalen Angeboten hat auch Auswirkungen auf die 36 Geschäftsstellen der Volksbank. Deren Anzahl hat sich zwar im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert, jedoch seien die Geschäftszeiten angepasst worden und einige Filialen hätten nun weniger lange geöffnet, so Ralf Schmitt: „Das Nutzungsverhalten der Kunden hat sich drastisch verändert. Im Durchschnitt kommt es in einer Stunde in all unseren Geschäftsstellen gerade noch zu sechs Interaktionen mit Kunden.“ Hinzu käme, dass die Geldautomaten weniger oft frequentiert würden, seit man auch an Supermarktkassen Geld beziehen könne. Filialschließungen seien dennoch nicht geplant: „Die Geschäftsstellen sind unser genetischer Code“, betont Schmitt und ergänzt, die Volksbank sei keine digitale Bank, die nur auf dieses Pferd setze: „Die, die uns weiterhin analog wollen, werden wir nicht vernachlässigen.“
  • Umschulung statt Entlassung: Vor 20 Jahren seien die meisten Mitarbeiter der Volksbank noch im Service-Bereich mit direktem Kundenkontakt tätig gewesen, sagt Schmitt. Da dieser immer weniger nachgefragt sei, wechselten zum einen Mitarbeiter von den Geschäftsstellen ins Kundenservice-Center nach Bad Dürrheim. „Zum anderen gibt es Umschulungen“, so Schmitt. Durch die Zunahme an digitalen Angeboten würden nämlich an anderer Stelle Fachkräfte dringend gesucht. Das spiegelt sich auch in den Mitarbeiterzahlen wider, die im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen sind. „Entlassungen gibt es keine, nur altersbedingte Abgänge“, so Schmitt. Auch die insgesamt 40 Mitarbeiter der Spar- und Kreditbank Dauchingen würden weiterbeschäftigt, so Schmitt. Die Volksbank hat die Bank im vergangenen Jahr übernommen.
  • Tochterfirma für digitale Beratung: Um den Transformationsprozess in der digitalen Welt begleiten zu können, hätten sie vergangenes Jahr die Tochtergesellschaft Avura gegründet, sagt Joachim Straub. Die Avura mit Sitz in Villingen berät Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse und der entsprechenden Weiterbildung der Mitarbeiter. „Wir haben Kunden aus der Region sowie über die Region hinaus“, so Straub. Darunter sind nicht nur Unternehmen: Auch Volksbanken und andere Banken nähmen die Beratung in Anspruch. Die Avura gehört zu 82 Prozent der Volksbank Schwarzwald-Baar Hegau, die restlichen Anteile verteilen sich auf den Avura-Geschäftsführer Ralf Kluth und eine Beratungsgesellschaft.