Erst kürzlich ermittelte die Stadt Tengen bei der Fortschreibung ihres Flächennutzungsplans akribisch genau alle Baulücken, die immerhin 5,6 Hektar in der Kernstadt mitsamt allen Teilorten ausmachen. Doch wie schwierig es ist, diese Baulücken in absehbarer Zeit zu schließen, formulierte das den Prozess begleitende Konstanzer Planungsbüros Nocke in ihrer schriftlichen Stellungnahme. Darin steht, dass rein statistisch gesehen bei einem Planungshorizont von zwölf Jahren keine 20 Prozent dieser Baulücken tatsächlich auch in Wohnraum umgewandelt werden.

Doch um das Leben vom Ortsrand in die Ortsmitte zurückzubringen, genügt es nicht, nur die Baulücken zu schließen. Darüber hinaus müssen leerstehende Gebäude entweder abgerissen und neugebaut oder renoviert werden sowie ungenutzte Wirtschaftsgebäude in Wohnraum verwandelt werden. Um gegen den Trend zur Ausweitung die Attraktivität der alten, identitätsstiftenden Ortskerne und damit die Vitalität der Gemeinde durch Nachverdichtung zu erhöhen, beschloss der Tengener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag zur Aufnahme als ELR-Schwerpunktgemeinde (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum) beim Regierungspräsidium Freiburg zu stellen. Ziel dieses Landesprogramms für 2019 ist, Impulse für eine konsequente Innenentwicklung zu setzen. Projektträger und Empfänger der Zuwendungen können neben den Kommunen beispielsweise auch Vereine, Unternehmen und Privatpersonen sein.

Regierungspräsidium macht Hoffnung auf Förderung

Bürgermeister Marian Schreier, der schon im Vorfeld die Chancen beim Regierungspräsidium ausgelotet hatte, erhielt von dort positive Rückmeldung. Tengen darf sich also große Hoffnungen machen, als Schwerpunktgemeinde ausgewählt zu werden. Voraussetzung für die privilegierte Förderung in den jeweiligen Jahresausschreibungen sind eine umfassende Entwicklungskonzeption mit klar formulierten Zielen und Strategien sowie die aktive Beteiligung der Bevölkerung am Entwicklungsprozess.

Und siehe da, das Leitbild Tengen 2030, das im vergangenen Jahr verabschiedet worden ist, erfüllt genau diese Voraussetzungen. Gemeinderatsmitglied Karlheinz Hofgärtner lobte denn auch den Bürgermeister in der jüngsten Sitzung für die Initiierung des Leitbildes, dessen Umsetzung Tengen nun aller Voraussicht die privilegierte Förderung vom Land beschere.

Entscheidung soll im Herbst fallen

Zum Antrag zur Aufnahme als ELR-Schwerpunktgemeinde stellte Tengen auch einen Maßnahmen- und Kostenplan zusammen. Darin sind unter anderem der Abbruch der alten Grundschule Beuren und der Neubau des Bürgerhauses in diesem Teilort vorgesehen sowie in Watterdingen die Sanierung und Neugestaltung eines Teilstücks des Biberwegs. Wie der Bürgermeister erläuterte, falle die Entscheidung beim Regierungspräsidium im Herbst dieses Jahres. Falls Tengen als Schwerpunktgemeinde aufgenommen würde, müsse für jedes Projekt noch ein separater Antrag gestellt werden, da diese durch die Aufnahme nicht automatisch genehmigt seien.