Wenn man bauliche Investitionen als ein wesentliches Indiz für das Wohlergehen und den Optimismus einer Kommune heranziehen will, steht die Stadt Tengen derzeit prächtig da. War das Jahr 2017 von Bürgermeister Marian Schreier noch als Jahr des Planens deklariert worden, weil aufgrund der kostspieligen und schmerzhaften Abwicklung der Pflegeheime Blumenfeld nur wenig Geld für Investitionen zur Verfügung stand, diente das Jahr 2018 dazu, den Investitionsstau aufzulösen. Das Jahr 2019 könnte nun im Zeicher der Inangriffnahme der kühnen, zukunftsweisenden Projekte stehen, für die im vergangenen Jahr schon der Weg bereitet worden ist.

Jüngstes und auch recht spektakuläres Projekt ist das des neuen Ärztehauses, das im Rahmen der Gestaltung einer neuen Ortsmitte schon in diesem Jahr in unmittelbarer Nähe zum Rathaus gebaut werden soll. Spektakulär dabei kann natürlich auch die Architektur sein, doch in diesem Fall ist die Finanzierung zum Bau und zur Vermietung des neuen Ärztehauses gemeint, die durch Gründung einer Genossenschaft erfolgen soll – und das ist laut Marian Schreier ein völlig neuer Ansatz. Neben Institutionen und Unternehmen haben inzwischen auch viele Bürger auf der Informationsveranstaltung im Dezember in der Randenhalle in Tengen Interesse an den Anteilen à 500 Euro in Form von gezeichneten Absichtserklärungen bekundet.

Der Bürger als Gesellschafter

Das entsprechende Formblatt dazu liegt auch im Rathaus aus. Im Prinzip wird der Bürgerbeteiligungsprozess, wie er im Rahmen des Leitbildprozesses Tengen 2030 erfolgte, dadurch auf eine nächsthöhere Stufe gehoben, indem der Bürger nicht nur über die zukünftigen Weichenstellungen seiner Heimatgemeinde mitentscheiden darf, sondern, wie am Beispiel der Ärztehausfinanzierung, sich selbst als Genossenschafter finanziell beteiligen und am Erfolg partizipieren kann.

Es fällt grundsätzlich auf, wie stark bei den Bürgern der Stadt Tengen samt ihrer Teilorte der Zusammenhalt untereinander und das Engagement fürs Gemeinwohl ist. Von den insgesamt etwas mehr als 4500 Einwohnern sind sehr viele in den mehr als sechzig Vereinen aktiv, die sich Sport, Kultur oder wohltätiges Engagement auf die Fahnen geschrieben haben. Wichtig sind auch die freiwilligen Helfer der Hilfs- und Rettungsdienste, wie etwa die der Freiwilligen Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes. Deshalb ist es auch nur folgerichtig, verdiente Persönlichkeiten, die sich durch ihr ehrenamtliches Engagement zum Wohle ihrer Heimatgemeinde verdient gemacht haben, im Rahmen eines Bürgerempfangs zu ehren.

Viele Projekte auf den Weg gebracht

Nach 2017 vergab die Stadt Tengen im vergangenen Jahr zum zweiten Mal diese Auszeichnungen, die in den Kategorien Kultur, Soziales Engagement und Lebenswerk ausgelobt werden. Nicht von ungefähr ist dieses "Wir-Gefühl" auch in den Leitlinien des Leitbilds Tengen 2030 wie in einer Art Kommunalverfassung verankert, wo es unter anderem heißt: "Wir gestalten gemeinsam die Zukunft. Wir begegnen uns mit Wertschätzung und Respekt. Jeder kann sich einbringen – in der Nachbarschaft, im Verein und in der Kommunalpolitik."

Apropos Kommunalpolitik und -verwaltung: Der Bürgermeister, die Rathausmitarbeiter und der Gemeinderat brachten 2018 viele Projekte auf den Weg, wie zum Beispiel den neuen Bauhof, der mit 1,85 Millionen Euro Investitionsvolumen das größte Bauprojekt darstellte. Der imposante Stahlbau wird im Frühjahr fertiggestellt sein. Auch die neue Seniorenresidenz in Tengen will im Sommer 2019 den Betrieb aufnehmen. Zwar ist die Stadt an der Finanzierung und am Betrieb nicht beteiligt, doch wird das neue Pflegeheim für die wohnortnahe Versorgung mit Pflegeplätzen sorgen und darüber hinaus auch Arbeitsplätze schaffen.

Schnelles Internet kommt

Wichtig für die Zukunftssicherung der Stadt ist auch die Breitbandversorgung, für die nun endlich, mit etwa einem Jahr Verzögerung aufgrund Bearbeitungsstaus bei den Landesbehörden, die Tiefbauarbeiten in Angriff genommen werden konnten. Die Gemeinden Hilzingen und Tengen, die bei diesem Projekt kooperieren, haben sich als Eigentümer des zukünftigen Breitbandnetzes auch inzwischen für einen Betreiber entschieden, an den das Netz verpachtet werden wird. Aus der Ausschreibung ging die Firma Stiegeler IT als Sieger hervor. Wie viele der Haushalte schon 2019 über das schnelle Internet verfügen werden können, bleibt noch abzuwarten.

Das ist im Jahr 2019 geplant

  • Zu den wichtigen Zielen der Stadt Tengen zählt es, Leben vom Ortsrand in die Ortsmitte zurückzubringen. Auch der Flächenverbrauch spielt dabei eine wichtige Rolle. Im letzten Jahr ermittelte die Stadt Tengen bei der Fortschreibung ihres Flächennutzungsplans alle Baulücken, die immerhin 5,6 Hektar in der Kernstadt mitsamt allen Teilorten ausmachen. Um gegen den Trend die Attraktivität der alten, identitätsstiftenden Ortskerne und damit die Vitalität der gesamten Gemeinde durch "Nachverdichtung" zu erhöhen, stellte Tengen nach einem Gemeinderatsbeschluss einen Antrag zur Aufnahme als Schwerpunktgemeinde für das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELS) beim Regierungspräsidium Freiburg.
  • Ziel dieses Landesprogramms für 2019 ist es, Impulse in Form von Fördergeldern für eine konsequente Innenentwicklung zu setzen. Projektträger und Zuwendungsempfangende können neben den Kommunen beispielsweise auch Vereine, Unternehmen und Privatpersonen sein. Tatsächlich war die Stadt Tengen mit ihrem Antrag erfolgreich, sodass ihre Förderprojekte fünf Jahre lang vorrangig in den jeweiligen Jahresausschreibungen behandelt werden und sie einen um 10 Prozent erhöhten Fördersatz für gemeinwohlorientierte Projekte erhalten.
  • Als langfristiges Projekt mit einer Laufzeit bis 2029 sind die städtebaulichen Maßnahmen zur Sanierung des Blumenfelder Ortskerns samt Schloss angelegt, die mit etwa 5 Millionen Euro veranschlagt sind, wobei ein wesentlicher Teil davon durch Gelder vom Städtebaulichen Denkmalschutz übernommen wird. Ziele sind die Förderung von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen der im Privatbesitz befindlichen Gebäude, die Aufwertung des öffentlichen Raums unter anderem durch das Anlegen von Grünflächen und die Neuordnung des Parkplatzangebots sowie die nachhaltige Nutzungskonzeption für die Schlossanlage. Zu den mittelfristigen Projekten mit einem Zeithorizont bis 2024 zählt die Gestaltung der neuen Ortsmitte in Tengen, wo zusätzlich zum Ärztehaus, das noch in diesem Jahr gebaut werden soll, ein Bürgerhaus entstehen und die Feuerwehr neue Gebäude erhalten wird.