Der Narrenverein Kamelia Tengen feiert in diesem Jahr Geburtstag, den 125. Aus diesem Anlass wurden die Narrentage der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee in Tengen ausgerichtet. Während drei Tage versetzten mehr als 6000 Hästräger und Musiker von 55 verschiedenen Narrenzünften das beschauliche Städtchen von Freitag bis zum Sonntag in närrischen Ausnahmezustand. Erstaunlich aufgeräumt, ausgeschlafen und froh gelaunt begrüßte dann am Sonntagmorgen Kamelia-Präsident Michael Grambau die Kollegen zum Zunftmeisterempfang in der Tengener Schule. Aufgrund der 125-Jahrfeier blickte er erst mal auf die Anfänge zurück und erzählte, wie sich aus dem Männergesangverein Liederkranz 1882 eine Gruppierung herausgebildet habe, welche als „Krakeelia“ in Tengen das Fasnachtsgeschehen organisiert habe. Daraus könnte später der Vereinsnamen „Kamelia“ abgeleitet worden sein – oder auch nicht. Eine andere Variante verweist auf die kolonialen Zeiten: So sei es nicht ausgeschlossen, dass das gewisse Wüstentier Pate gestanden haben könnte.

Die Taufpaten können heute nicht mehr gefragt werden. Gefragt war aber Tengens Pfarrer Harald Dörflinger, der eine ausgiebige Narrenmesse gehalten habe. Als der Zunftmeisterempfang mit Verspätung starten konnte, schallten spontane Bravo-Rufe durch den Saal. Zudem sei es Dörflinger gelungen, die Narren dieses Jahr zu verpflichten, den ausrangierten Narrenbaum für das Osterfeuer zu stiften – womöglich als Buße dafür, dass die Kamelia-Narren den Fasnachtsschmuck im letzten Jahr zu früh, also noch in der Nachweihnachtszeit, aufgehangen hatten.

Auch Tengens Bürgermeister Marian Schreier gab sich närrisch der Wahrheit verpflichtet und begrüßte Amtskollege Alfred Mutter aus Volkertshausen – den derzeit dienstältesten Bürgermeister im Hegau – an diesem Tage als Gesichtsältesten. Auch Michael Grambau bekam als Präsident der Kamelia sein Fett weg. Schreier machte ihn zum Namensgeber einer neuen Zeiteinheit für die Länge von Reden: „einen Grambau“. Der Maximalwert umfasse vierzig Minuten, weil eben der Kamelia-Präsident dazu neige, alles sehr ausführlich zu erläutern.

Dass man es als junger Bürgermeister nicht immer leicht habe, verriet Schreier dem närrischen Publikum in Tengen. Er sei wohl der einzige Bürgermeister weit und breit, der beim Betreten des Festzelts den Ausweis vorzuzeigen habe, da die Sicherheitskräfte nie sicher seien, ob er denn schon volljährig ist. Und auch seine Sozialdemokraten nahm er sich vor: „Ich bezweifle, ob das hier heute die größte Narrenveranstaltung in Deutschland ist, denn schließlich tagt heute noch der außerordentliche SPD-Parteitag in Bonn“, so seine Anmerkung Richtung Bundespolitik.

Rainer Hespeler, der Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, war vom närrischen Talent des Tengener Bürgermeisters so beindruckt, dass er nicht umhin kam, dies gebührend zu loben – ohne allerdings dem Tengener Bürgermeister zum Schluss per Reim noch ordentlich einen einzuschenken: „der Kerle nu an einem krankt, er isch en Schwob und des langt!“

Tengens Pfarrer Harald Dörflinger wurde schließlich auch von Rainer Hespeler für die wirklich gelungene Narrenmesse mit dem nicht ganz ernst gemeinten „Priesterorden“ der Narrenvereinigung ausgezeichnet, den dieser klaglos entgegennahm.

Der Zunftmeisterempfang klang dann traditionell mit den Geschenken der Zünfte an den Ausrichter der Narrentage, den NV Kamelia Tengen, aus, wobei diese, wie allgemein üblich, für einen guten Zweck gestiftet werden.

Danach machten sich alle zum großen Sonntagsumzug auf, an dem 55 verschiedene Zünfte teilnahmen. Glücklicherweise spielte das Wetter mit und somit fanden viele tausend Besucher den Weg nach Tengen, um den Narren während des zweistündigen Umzugs zuzujubeln.

 

Narrentage in Tengen

Der Narrenverein Kamelia Tengen feiert in diesem Jahr sein 125stigstes Bestehen und nahm dies zum Anlass, um die Narrentage der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee vom 19. – 21. Januar 2018 auszurichten. An den drei Festtagen feierten mehr als 6000 Hästräger und Musiker und vermutlich ebenso viele Besucher in Tengen. Der Nachtumzug am Freitag, der Kinderumzug und das Stellen des Narrenbaums am Samstag sowie die Narrenmesse am Sonntag sowie der große Umzug unter Teilnahme von 55 Zünften zum Abschluss kennzeichneten die Höhepunkte der Narrentage.