Die Szenerie erinnert an eine Verkaufsveranstaltung als Station einer Werbe-Kaffeefahrt für Senioren. Im altehrwürdigen Kellergewölbe des Gailinger Liebfelsenschlösschens sind die gut einhundert Besucher vorwiegend ältere Menschen. Vier Referenten verkaufen aber keine Heizdecken oder andere vielversprechende Artikel, sondern ein Konzept für ein neues Gailinger Senioren-Pflegeheim.

Der Gemeinderat hat dafür grünes Licht gegeben. Investor Daniel F. Dilger aus Saarbrücken baut schon in Tengen ein Pflegeheim, nun will er auch in Gailingen durchstarten. "Wenn ich die nötigen Grundstücke bekomme, werde ich im Hegau-Bodensee-Gebiet in weitere Pflegeheime investieren", erklärt Dilger gegenüber dem SÜDKURIER.

Seine über 80 Appartements im Tengener Pflegeheim habe er in kürzester Zeit verkauft. Die Preise bewegen sich zwischen 150 000 und 200 000 Euro pro Einheit. Wie in Tengen vermarktet Dilger in Gailingen mit demselben Konzept die Wohnungen und schließt mit dem Servicehaus Sonnenhalde als gemeinsamen Betreiber einen Mietvertrag.

Pflegeheim bietet 75 Plätze

"Die Nachfrage von Kapital-Anlegern ist groß, zumal wir eine Rendite von mindestens vier Prozent bieten", betont Dilger. Wer ein Pflege-Appartement erwirbt, soll auch bei der Belegung ein Vorzugsrecht bekommen. In Tengen haben viele Menschen aus der Region investiert. "Kurze Wege, kleine Gruppen, viel Grün, ein großer Wohlfühlfaktor und Selbst-Mitbestimmung der Bewohner", mit diesen Faktoren wirbt Richard Wolfframm vom Servicehaus Sonnenhalde mit Sitz in Engstingen für das neue Pflegeheim auf dem Park des Friedrichsheims.

Im Gebäude am oberen Ortsteingang von Gailingen befindet sich nun ein Internat, zuvor hatte der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz dort ein veraltetes Pflegeheim eingerichtet, dessen Zukunft aber schon an der neuen Heimverordnung scheiterte. 75 Plätze soll das neue Pflegeheim bieten, davon 45 für die Vollzeit-Pflege und jeweils 15 für Kurzzeit-Pflege und für die Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen.

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Wirtschaftliche Lösung

"Das Pflegeheim fällt größer aus, als es für den Gailinger Bedarf nötig wäre. Das hat aber auch wirtschaftliche Gründe. Und es fehlen Pflegeplätze im gesamten Landkreis Konstanz. Für eine kleinere Lösung wäre es schwierig geworden, einen Investor zu finden", betont Bürgermeister Thomas Auer. Gailingen habe bald ein umfassendes Angebot: das neue Pflegeheim, Wohnen mit Betreuungsservice im Löwen-Areal und örtliche Anbieter von Gesundheitsleistungen.

Im Park des Friedrichsheims soll am Ortseingang das Gailinger Senioren-Pflegeheim entstehen. Bilder: Albert Bittlingmaier (4)
Im Park des Friedrichsheims soll am Ortseingang das Gailinger Senioren-Pflegeheim entstehen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

"Unser Wunsch ist es, dass neue Pflegeheim in zwei Jahren bezugsfertig ist", sagt Daniel F. Dilger. Die Besucher nehmen die Pläne positiv, einige befürchten aber Probleme wegen zuwenig Parkplätzen und bei der Gewinnung von Personal. "Pflegekräfte aus den verschiedensten Ländern kommen bei uns zum Zug", schildert Richard Wolfframm.

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Gailinger sollen Vorrang haben

"Die Kosten für stationäre Pflegeplätze in Seniorenheimen liegen für Bewohner zwischen ieiner Bandbreite von 1100 bis 3000 Euro. Da wir keinerlei Zuschüsse bekommen, müssen wir die Ausgaben umlegen und deshalb gut kalkulieren", betont Wolfframm. Bleibt noch das Wohnungsproblem für das Personal. Investor Dilger stellt in Aussicht, wie in Tengen eine nahe Wohn-Anlage für das Pflege-Personal zu bauen, vorausgesetzt, die er könne die nötigen Grundstücke erwerben.

Einige Besucher befürchten, dass Gailinger bei der Vergabe der Pflegeplätze Auswärtigen weichen müssten, wie reichen Singenern. "Einheimischem wird Vorrang eingeräumt", beruhigt Richard Wolfframm. "Durch neue Pflegeheime in Tengen, Engen, Aach und Gailingen wird die Situation im Landkreis etwas entspannt", erklärt Katrin Roth, Pressesprecherin des Landratsamtes Konstanz.

In Engen wird an der Landesstraße 191 ein neues Pflegeheim von einem privaten Investor und Betreiber gebaut.
In Engen wird an der Landesstraße 191 ein neues Pflegeheim von einem privaten Investor und Betreiber gebaut. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Hier werden neue Pflegeheime gebaut

  • Engen: In Engen entstehen durch den Bau eines Pflegeheims des privaten Investors Maik Zlatanovic an der Landesstraße 191, Richtung Welschingen, 84 neue stationäre Pflegeplätze zuzüglich Tagespflegeplätze. Der Bezug soll spätestens im Frühjahr 2020 erfolgen. Zlatanovic betreibt auch im Engener Stadtteil Stetten ein Pflegeheim, das er durch die neue Heimordnung von 44 auf 32 Plätze reduziert. Zudem bietet das Gesundheitszentrum Landkreis Konstanz in der Hewenstraße 51 Vollzeit-Pflegeplätze. In unmittelbarer Nähe entsteht auch eine Siedlung für Wohnen mit Betreuung und Pflegeservice.
  • Tengen: Der Saarbrücker Investor Daniel F. Dilger baut in Tengen ein Pflegeheim mit 80 Appartements, die alle verkauft wurden. Es soll nach Verzögerungen in diesem Jahr bezugsbereit sein. Das etwa 15 Millionen Euro teure Tengener Pflegeheim soll vor allem den großen Bedarf am Randen nach der Schließung der Pflegeheime Blumenfeld vor einigen Jahren abdecken. "Das neue Pflegeheim in der Kalkgrube kann mit den 90 Plätzen den Bedarf der Stadt Tengen und noch etwas darüber hinaus abdecken. Auch das ehemalige Pflegeheim Schloss Blumenfeld hatte Bedarfe von angrenzenden Gemeinden teilweise mit abgedeckt", erklärt Bürgermeister Marian Schreier.
  • Aach: Nach Verzögerungen soll auch in Aach bald der Bau eines neuen Pflegeheims starten. Das Evangelische Stift tritt laut Bürgermeister Manfred Ossola als Investor und Betreiber auf. Den Bau führt ein beauftragter Generalunternehmer aus. Konjunkturbedingt sei durch den Eingang von verteuerten Angeboten der Bau verschoben worden, so Ossola. "Die Pläne wurden nun optimiert. Statt 30 sind 45 Pflegeplätze vorgesehen. Läuft alles nach Plan, kann der Bau des Pflegeheims im Juli/August beginnen. Es wird mit einer Bauzeit von etwa 15 Monaten gerechnet, so dass das Pflegeheim Ende 2020 bezogen werden könnte", erklärt Ossola.