Es fällt immer wieder auf: Wird eine Wiese gemäht, geben sich in kurzer Zeit Störche, Reiher, Greifvögel, Raben und manchmal auch kleinere Vogelarten ein Stelldichein. Der Grund: Meist hinterlässt das Mähen einen „Fleischsalat“ und so etwas lassen sich die Vögel nicht entgehen.

„Fleischsalat“ auf der Wiese

Dass allerdings nahezu 30 Milane – vorwiegend Rotmilane und einige Schwarzmilane – jüngst im Randengebiet auf diese Weise fette Beute machten, hat Seltenheitswert. Das Ereignis fand am Grenzweg (Grütziweg) statt, der seinen Namen dem Verlauf direkt an der Grenze von Deutschland und der Schweiz verdankt.

Hier wurde von einem Landwirt eine Wiese gemäht und noch während der Landwirt mit seinem Traktor unterwegs war, umringten ihn innerhalb kurzer Zeit jede Menge Milane. Auf einem Foto konnten dabei mehr als 20 Milane gezählt werden.

Rotmilane vor allem in Deutschland

Milane ernähren sich sowohl von lebender Beute als auch von Aas. Der Schwarzmilan hat allerdings eine Vorliebe für Fisch. Das Verbreitungsgebiet des Rotmilans ist heute im Wesentlichen auf Zentral-, West- und Südwesteuropa beschränkt.

Der Verbreitungsschwerpunkt dieser Art liegt in Deutschland, das allein über 50 Prozent des weltweit auf maximal 29 000 Brutpaare geschätzten Rotmilan-Bestandes beherbergt.

Schwanz ist unterschiedlich

Der Schwarzmilan sieht seinem nächsten Verwandten, dem Rotmilan, relativ ähnlich. Trotzdem kann man die beiden an einigen Details gut unterscheiden. Erstens ist der Schwarzmilan etwas kleiner als der Rotmilan: seine Flügelspannweite beträgt zwischen 1,20 und 1,50 Metern. Zweitens fehlen dem einheitlich dunkelbraunen Vogel das rötliche Gefieder und die hellen Flügelfedern an der Unterseite.

Beim Schwarzmilan ist der Schwanz im Gegensatz zum roten Milan kaum gegabelt und beinahe dreieckig.
Beim Schwarzmilan ist der Schwanz im Gegensatz zum roten Milan kaum gegabelt und beinahe dreieckig. | Bild: Helmut Groß

Beim Schwarzmilan sind nur Kopf, Kehle, Nacken und ein Band auf der Oberseite heller gefärbt. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zeigt sich erst im Flug deutlich. Im Gegensatz zum Rotmilan, welcher auch Gabelweih genannt wird, ist der Schwanz des Schwarzmilans kaum gegabelt und beinahe dreieckig.

Milane sind streng geschützt

Milane gehören zur Familie der Habichte, wofür es wiederum gut erkennbare Merkmale gibt. Da sind zunächst der kräftige, nach unten gebogene Schnabel sowie die scharfen, dolchartigen Krallen. Die Vögel sind sogenannte Grifftöter, das heißt, sie haben besonders kräftige Klauen, mit denen sie ihre Beutetiere töten.

Das könnte Sie auch interessieren

Milane gehören zu den geschützten Tieren. Der Rotmilan findet sich sowohl auf der weltweiten als auch auf der europäischen Roten Listen gefährdeter Arten. Über 90 Prozent des weltweiten Rotmilan-Bestandes konzentriert sich auf Europa.

Wissenswertes über Milane

  • Sowohl Schwarz- als auch Rolmilan legen ihre Horste auf Bäumen an. Die Eiablage beginnt Mitte April, bis Juli ziehen sie dann zwei bis drei Junge auf, wobei das Weibchen circa 90 Prozent der Brutleistung aufbringt. Zur Brut benötigen die Paare Bäume in ausreichender Höhe zum Nestbau. Brutplatzwechsel sind sehr häufig, weswegen mehrere Nester angelegt und sogar im Wechsel mit anderen Arten genutzt werden. Meist brüten sie am Rand von Wäldern oder in Gehölzinseln, nur selten tief im Wald.
  • Rotmilane sind ihrem Partner in der Regel über Jahre treu. Auch wenn sie den Winter nicht gemeinsam verbracht haben, treffen sich Weibchen und Männchen am Ende des Winters im Revier wieder. Milane sind Zugvögel, sie ziehen im Herbst in ihre Überwinterungsgebiete. Der Rotmilan in Frankreich, Spanien oder Portugal, der Schwarzmilan in Afrika, südlich der Sahara. In milden Gegenden Deutschlands bleiben sie ganzjährig.
  • Mit dem Projekt „Mäuse für den Milan“ möchte der NABU Hessen die Lebensbedingungen für den typisch europäischen Greifvogel verbessern und Konflikte mit dem Ausbau der Windkraft verringern. Dazu werden im Vogelsberg verschiedene Hilfsmaßnamen zur Optimierung der Nahrungsbedingungen und zum Schutz von Horstbäumen erprobt.
  • Auf der zertifizierten Nordic-Walking-Strecke in Tengen gibt es seit zehn Jahren Erläuterungstafeln über die geschützten Vogelarten – so an der Lochhütte und beim Wanderparkplatz bei der über 500-jährigen Linde.