Dem Versuch, nach fünf Blasmusikfestivals am Abend erstmals bereits am Vormittag zu beginnen und einen ganzen Tag voller Blasmusik zu bestreiten, war Erfolg beschieden. Zwar war die Randenhalle nicht den ganzen Tag lang – von 11 bis nach 17 Uhr – ausverkauft, doch die zahlreichen Besucher, vornehmlich reiferer Jahrgänge, kamen voll auf ihre Kosten.

Das Publikum begeisterte sich für die Auftritte und war mit Herz und Seele dabei. Es ist eine richtige Szene mit fest etablierter Fangemeinde, die auch von weiter her anreist, um die Auftritte ihrer Lieblingskapellen mitzuverfolgen.

Viele Besucher sind selbst Musiker

Viele Zuhörer waren und sind offenbar selbst in verschiedenen Musikvereinen und Kapellen aktiv – unschwer an ihrem Outfit und entsprechenden T-Shirts mit Aufdruck zu erkennen. Man kennt sich und die Kapellen.

Außerdem sind Akteure untereinander bestens vernetzt und arbeiten zusammen. So trat der Leiter der Randenmusikanten, Alexander Mayer, nach seinem Auftritt wieder als Musiker bei Michael Maier und seinen Blasmusikfreunden auf.

Hohe Qualität und große Bandbreite

Was den besonderen Reiz dieser Veranstaltung ausmachte, war die durchweg hohe Qualität der Darbietungen und ihrer Protagonisten. Darüber hinaus wurde bei der Auswahl der Kapellen ganz bewusst auf eine gewisse Bandbreite geachtet.

Alle vier Kapellen boten im Kern die traditionelle, klassische Triade der vorwiegend böhmisch-mährischen Blasmusik bestehend aus Polka, Walzer und Märschen an, angereichert durch Gesang. Diese aber in vielen Variationen, mit unterschiedlichen Stücken, Besetzungen und Schwerpunkten. Kleine Ausflüge in andere Genres, wie in Richtung Jazz und modernen Schlager, gehörten dazu. So kam keine Langeweile auf. Dafür sorgte auch der überaus launige Moderator Alfons Diemer, der durch das Programm führte.

46. Saison der Randenmusikanten

Den Anfang bestritten die Lokalmatadore, die Randenmusikanten, welche ihre Ursprünge in Tengen haben und als reine Amateure und Hobbymusiker bereits in ihre 46. Saison gehen.

Die Randenmusikanten auf der Bühne.
Die Randenmusikanten auf der Bühne. | Bild: Haigo Hoffmann

Unter der musikalischen Leitung von Alexander Maier boten die 20 Musikerinnen und Musiker ein breites, gut eingespieltes Spektrum der böhmisch-mährischen Blasmusik jeweils in Dreierblöcken dar, ergänzt durch Soloeinlagen und ein Gesangstrio. Mittlerweile sind die Randenmusikanten weit über Tengen und den Hegau hinaus im ganzen süddeutschen Raum sowie in der Schweiz bekannt.

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Blasmusikexperte Martin Huttenlocher, der in Göppingen mit Radiofips einen eigenen Radiosender ausschließlich für Blasmusik leitet, lobte die hohe Qualität der Randenmusikanten – vor allem unter dem Aspekt, dass es sich dabei um eine Amateurkapelle handelt.

Auftritte in mehreren Ländern

Michael Maier und seine Blasmusikfreunde sorgten für einen Höhepunkt in Sachen Blasmusik. Wie Huttenlocher attestierte: „gehört diese Kapelle schon zum nationalen und internationalen Spitzenfeld.“ Hierbei handelt es in der Regel um bestens ausgebildete Profimusik-Akteure.

Seit ihrer Gründung 2010 hat die Kapelle mit 14 Ensemble-Mitgliedern nach eigenen Angaben mit ihrer Truppe neben vielen Auftritten in Deutschland auch in der Schweiz, Holland, Österreich und den USA gastiert.

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Diese Professionalität kam nunmehr auch bei ihrem exzellenten Auftritt in Tengen zum Ausdruck, den das Publikum begeistert mit viel Applaus goutierte. Besonders stachen Soloauftritte von Tuba-Spieler Harald Kirschner und der Klarinettistin Silvia Markfort sowie von Michael Maier am Bariton hervor. Ohne zahlreiche Zugaben wurde die Truppe nicht entlassen.

Gäste mit alpenländischem Einschlag

Den Abschluss markierten die Gäste aus Österreich, die sieben noch recht jungen, aber bereits schon erfahrenen Mitglieder der Kapelle der Pongauer Tanzlmusi. Neben Blasinstrumenten kamen hier Ziehharmonika und Gitarre zum Einsatz. Obwohl man sich musikalisch auch hier klassisch zwischen Polka, Walzer und Marsch bewegte, kamen doch etwas andere Aspekte durch den alpenländisch typischen Einschlag in Richtung Tanzmusik zum Tragen.

Die Pongauer Tanzmusi spielt beim Tengener Blasmusikfestival flott auf.
Die Pongauer Tanzmusi spielt beim Tengener Blasmusikfestival flott auf.

Auch überzeugten hier Können und Spielfreude, gepaart mit lustigen und originellen verbalen Spaßeinlagen. Letztere vorwiegend im Dialekt, der nicht immer ganz einfach zu verstehen war. Dem Publikum gefiel es dennoch, wie die vielen Lacher bewiesen.

Unter Wert gehandelt: Rüschel Muse

Etwas am Rande, und deshalb vielleicht etwas unter Wert gehandelt: der Auftritt der vier Jungs von der bayerischen Kapelle Rüschel Muse im Foyer neben der Bar. Hier wurde eher ruhige, tanzbare Blasmusik als Pausenfüller zelebriert.

Auftritt der vier Jungs der bayerischen Kapelle Rüschel Muse im Foyer neben der Bar.
Auftritt der vier Jungs der bayerischen Kapelle Rüschel Muse im Foyer neben der Bar. | Bild: Haigo Hoffmann

Insgesamt eine absolut gelungene Veranstaltung, die dank der Hilfe des bestens eingespielten Teams der Stadtkapelle Tengen auch hinsichtlich der Bewirtung zu überzeugen vermochte.