Tengen Lesung über Flüchtlingsdrama gibt zu denken

Im Oktober 2013 sterben vor Lampedusa 366 gekenterte Flüchtlinge. Antonio Umberto Riccò hat darüber ein Buch geschrieben. Bei einer Lesung in Tengen macht das Werk großen Eindruck.

Vor der Insel Lampedusa, 3. Oktober 2013. Ein nur 15 Meter langer Kutter, völlig überladen mit 545 Flüchtlingen. Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien. Geflüchtet vor Krieg und Armut. Der Kutter kentert. 366 Menschen sterben. Auf das Schicksal dieser Flüchtlinge hat Autor Antonio Umberto Riccò mit "Ein Morgen vor Lampedusa" aufmerksam gemacht. Bei einer szenischen Lesung im Gasthaus Zur Frohen Einkehr verliehen Anette Marquardt, Brigitte Straub, Peter Ohlendorf, Marcel Singler und Juliet Brook Blaut den Flüchtlingen ihre Stimme. Auch Riccò selbst war anwesend.

In der Diskussion äußerte sich Andreas von Luckner, der als Allgemeinmediziner in Tengen tätig ist und fünf Jahre im südlichen Afrika arbeitete: "Wir sollten keine Mauern bauen, sondern akzeptable Lebensbedingungen in Afrika schaffen." Die anderen Besucher applaudierten zustimmend. Ausgeblieben ist dagegen der Applaus direkt nach der Lesung. Autor Riccò zeigte sich von dieser Reaktion auf die 285. Lesung aus seinem Buch nicht überrascht: "Ich selber erlebe eine seltsame Mischung von Gefühlen: Trauer, Empathie für die Opfer, Wut – und großer Respekt für die Menschen, die geholfen haben." Nachdenklich stimmte seine Anmerkung über das Elend, das die Menschen in Afrika erleben: "Niemand kann sagen, dass er nichts gewusst hat." Und er überließ es den Zuhörern, ob sie dies an eine bestimmte Epoche in der deutschen Geschichte erinnere. Die rund 50 Zuhörer verfolgten die Lesung nachdenklich: Man ernste Gesichter und Stirnrunzeln. Und Zuhörer, die sich auf die Lippen bissen.

Die Tengenerin Juliet Brook Blaut vom Flüchtlingshilfeprojekt "Nah am Menschen von weit weg" kommentierte die gedrückte Stimmung so: "Immer wieder schüttelten Zuschauer den Kopf, wenn entscheidende und mögliche Notrettung auf See ausblieb oder verzögert wurde, weil die EU einen Konflikt hat zwischen ihrer humanitären Verpflichtung, Flüchtlingen Schutz zu bieten, und dem eigenen Bedürfnis nach Abschottung."

Ihre Meinung ist uns wichtig
Außergewöhnliche Geschenkideen für Ihre Liebsten
Neu aus diesem Ressort
Tengen
Tengen
Tengen
Büßlingen
Tengen
Tengen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren